1949 DDR hebt wieder eine Liga aus der Taufe Fangeschichten: Die andere Seite des DDR-Fußballs

Er war der einzige König, der in der DDR regieren durfte: König Fußball. Seine Fans fand er überall, vom Arbeiter und Bauern bis hin zum Funktionär. Geliebt und geschätzt wegen seines Unterhaltungswertes und seiner internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Frank Willmann und Andreas Gläser erzählen diese Geschichte aus der Sicht der Fans.

Fußballvereine wurden nach dem Zweiten Weltkrieg weniger als Ort des Breitensports und ihre Spiele weniger als Unterhaltung angesehen, zumindest, wenn es nach der Meinung der alliierten Besatzungsmächte ging. Denn im Nationalsozialismus waren auch Fußballvereine als Unterorganisationen der NSDAP Orte des gegenseitigen Wettkampfes und der Vermittlung soldatischer Tugenden gewesen. Trotzdem war der Sport bei der Bevölkerung nicht kleinzukriegen: Auch ohne die Organisation in Vereinen fand man sich zum Bolzen eben in Sportgruppen oder -gemeinschaften zusammen. In den Westzonen wurde der Kontrollratsbeschluss recht schnell wieder aufgehoben. In der sowjetischen Besatzungszone waren Vereine jedoch der Hort des Bürgerlichen - und das passte nicht mehr in die neue Zeit. Sport wurde nun, wie vieles andere auch, im Betrieb gemacht. Am Kampfplatz des Arbeiters war auch seine sportliche Betätigung am besten aufgehoben, befand die Politik.

Wettbewerb der Amateure

Bereits 1949 wurde in der DDR wieder eine Liga aus der Taufe gehoben. Das Besondere war, dass es nach Auffassung der Politik und der Sportfunktionäre im Sozialismus keine Fußballprofis geben durfte. Dies schlug sich natürlich auch auf die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit der Mannschaften nieder. Nachdem der "Deutsche Fußballverband der DDR" Anfang der 1950er-Jahre in den Weltfußballverband FIFA aufgenommen wurde, wollte man die Chance nutzen, auf dem Rasen seine sportliche und damit politische Überlegenheit zu demonstrieren. Ähnlich wie in der jungen Bundesrepublik wurde die Sportförderung nun vermehrt durch die Sporteinrichtungen von Armee und Polizei organisiert.

Daneben entstand aber auch ein verdeckter Profisport, der selbst den Fans nicht mehr verborgen blieb: Als Angehörige eines Betriebes wurden die Spieler auch von diesem als Arbeiter bezahlt, jedoch war die gute Versorgung mit Wohnraum, Autos und allem anderen, was der DDR-Bürger begehrte, ein offenes Geheimnis unter den Fans. Bis heute wird unter den Kennern der Szene sogar von schwarzen Kassen der Vereine gesprochen.

Uns ist das doch schon ein bisschen aufgefallen, dass da fast alle Spieler einen schönen Lada hatten, dass die Einfamilienhäuschen besaßen, dass die gut gekleidet waren. Da hat man sich schon gedacht, hui, da wird schon der ein oder andere Rubel gerollt sein.

Frank Willmann, Autor "Zonenfußball. Von Wismut Aue bis Rotes Banner Trinwillershagen

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