Stichwort Spionage Bespitzeln, Abhören, Daten sammeln:

Bespitzelungen, Abhörungen und Datensammeln - das "täglich Brot" des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR. Aber auch in der Bundesrepublik waren emsige Stasi-Mitarbeiter tätig.

Spionage in der DDR - Die "Gegner" im Auge

1950 bekommt das MfS durch den Beschluss des Politbüros und durch die Zustimmung der Volkskammer seinen bis heute berüchtigten Namen. Der Minister für Staatssicherheit Erich Mielke baut das MfS ab 1957 zu einem komplexen Überwachungssystem aus.

Erich Mielke
Erich Mielke war ab 1957 Minister für Staatssicherheit. Bildrechte: dpa

Durch die Mitarbeiter dieses Ministeriums werden u.a. politisch auffällige Bürger, Oppositionsgruppen, aber auch die eigenen Parteimitglieder und staatlichen Behörden kontrolliert. Wer beschuldigt wird gegen das SED-Regime zu sein oder eine Republikflucht zu planen, läuft Gefahr überwacht, sogar verhaftet zu werden. Dafür müssen nicht einmal handfeste Beweise vorliegen: Verdächtige Aussagen in Anwesenheit von Spitzeln reichen. Diese Spitzel, meist "Inoffizielle Mitarbeiter", die IMs, arbeiten für das MfS und geben die Informationen an dieses weiter. Diese IMs werden durch das MfS auf den Verdächtigen angesetzt. Es können Freunde, Verwandte oder auch Bekannte sein. Die übermittelten Informationen finden Eingang in die Akte der verdächtigen Person. Denn über Jeden, der im Rahmen eines sogenannten "Operativen Vorgangs" bespitzelt wird, wird alles detailliert festgehalten.

Spionagegeräte der Stasi

Kaum vorstellbar, wie die Stasi Alltagsgegenstände zu Spionagegeräten umfunktionierte.

Fotoapparat im Schuh
Überwachungskameras, Fotoapparate und Wanzen wurden sowohl von den Agenten im Ausland als auch bei der Überwachung der eigenen Leute benutzt. In einen handelsüblichen Schuh wurden Fotoapparate eingebaut, damit der Spion unentdeckt Fotos schießen konnte. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Nachtsichtgerät auf Helm
Um auch im Dunkeln und in Fahrt oder Stand filmen zu können, wurden Nachtsichtgeräte auf Motorradhelme angebracht. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Funkempfänger 2070
Der Funkempfänger 2070 wurde 1973 in der Abhöranlage am Brocken eingebaut, um an den Telefonverbindungen zwischen West-Berlin und der Bundesrepublik zu partizipieren. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Fotoapparat im Schuh
Überwachungskameras, Fotoapparate und Wanzen wurden sowohl von den Agenten im Ausland als auch bei der Überwachung der eigenen Leute benutzt. In einen handelsüblichen Schuh wurden Fotoapparate eingebaut, damit der Spion unentdeckt Fotos schießen konnte. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Kamera in Büstenhalter
Ein ungewöhnlicher Ort für eine Kamera: der Büstenhalter. Hier versteckt, um geheime Aufnahmen zu machen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Kamera in Gießkanne
Um den Verdächtigen unauffällig filmen zu können, musste die Gießkanne in die richtige Position gebracht werden und der Agent erhielt das gewünschte Material. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Kamera in Handtasche
Kaum sichtbar konnte diese in der Handtasche versteckte Kamera alles aufnehmen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Wanze
Versteckt angebracht, belauschte man mit der Wanze sowohl relevante als auch banale Gespräche. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Mikrat-Kamera Typ
Die Mikrate, die diese Mikrat-Kamera Typ "Meise 5" produzierte, waren 150-fach kleiner als das Original Dokument in A4. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Schlüssellochkamera
Die Schlüssellochkamera. Auch eine geschlossene Tür konnte den Agenten bei der Spionage nicht aufhalten. Der dünne Aufsatz ermöglichte es durch das kleine Schlüsselloch zu filmen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Super-8-Kamera
Wenn die Super-8-Kamera auf Einzelbildschaltung umgestellt wurde, konnten mit der Kamera zum Beispiel auch Dokumente abfotografiert werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Infrarotblitz in Trabitür
Damit auch nachts Aufnahmen gemacht werden konnten, baute man einen Infrarotblitz in den Trabant ein. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Funkempfänger 2070
Der Funkempfänger 2070 wurde 1973 in der Abhöranlage am Brocken eingebaut, um an den Telefonverbindungen zwischen West-Berlin und der Bundesrepublik zu partizipieren. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Falsche" Freunde machen verdächtig

Eine politische Aussage gegen das System oder der Kontakt zu einer ebenfalls "verdächtigen" Person, kann zur Verhaftung führen. In einer der 17 Untersuchungshaftanstalten werden die vermeintlichen "Systemgegner" festgehalten. Die Gefängnisse arbeiten mit dem perfiden Mittel der "Zersetzung". Psychischer Druck, Isolation und permanente Überwachung sollen Geständnisse erzwingen. Die Ungewissheit über das zur Last gelegte Vergehen und die mögliche Strafe zerren zusätzlich an den Nerven der Inhaftierten. Egal, ob ein Geständnis vorliegt oder nicht und der Tatbestand tatsächlich erfüllt ist - ein Prozess wird geführt. Je nach Anklage fallen die Strafen verschieden hoch aus. Für "staatsfeindliche Hetze" kann eine Strafe von viereinhalb Jahren ausgesprochen werden.  

DDR-Spione in der BRD – Ausgefeilte Wirtschafts- und Wissenschaftsspionage

Auch in der Bundesrepublik sind die Spione des MfS aktiv. Es ist die westdeutsche Industrie, die von großem Interesse ist. In der DDR werden Agenten ausgebildet, die in westdeutsche Firmen eingeschleust werden, um sich das technische Wissen der Bundesrepublik anzueignen. Zum Beispiel in den chemischen Werken Marl-Hüls. In den 70er- und 80er-Jahren spioniert Wolfgang Müller hier für die Hauptverwaltung Aufklärung. Das ist der Auslandsnachrichtendienst der DDR unter der Leitung von Markus Wolf und gehört zum MfS.

Alles nur geklaut

Unter dem Decknamen "Hans Hildebrandt" arbeitet Wolfgang Müller ab 1961 in dem Werk. Er soll chemische Formeln an die DDR weiterleiten. Mithilfe einer Mikrat-Kamera kann er Dokumente abfotografieren. Die Kamera versteckt er in seinem Ärmel, sodass niemand sie sehen kann. Durch seinen Bruder werden die Aufnahmen in die DDR gebracht. Damit bei einer Grenzkontrolle niemand etwas finden kann, gibt es sogenannte "Container". Diese Container sind Alltagsgegenstände, in diesem Fall eine Aktentasche, die ein verstecktes Fach enthalten. Hier können die Aufnahmen versteckt werden. Die in dem westdeutschen Chemiewerk entwendeten Formeln, helfen der DDR die eigene Kunststoffindustrie weiter zu entwickeln. Das Werk in Marl-Hüls ist jedoch kein Einzelfall. Auch andere Werke werden ausspioniert und dazu baut das MfS über die Mikrat-Kamera hinaus, ausgefallene Spionagegeräte: z.B. Gießkannen oder BHs mit integrierten Kameras.

Wie kamen die erbeuteten Informationen zur Stasi

Um die gesammelten Informationen sicher ans MfS zu liefern, funktionierten die Agenten unter anderem die gewöhnlichsten Gegenstände zu "Containern" um.

Batterie
Um die gesammelten Informationen der Agenten ins MfS zu schaffen, wurden sogenannte "Container" entwickelt. Diese "Container" sind Alltagsgegenstände, die ein verstecktes Fach enthalten. Hier können die Aufnahmen bzw. Filme versteckt werden. Eine Batterie umfunktioniert zu einem "Container", in dem Filme in die DDR gebracht werden konnte. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Koffer mit Zwischenboden
Vor allem Koffer, in die man Zwischenböden einzog, eigneten sich bestens zum Schleusen der Aufnahmen oder Dokumente in die DDR. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Schnellgeber
Der "Schnellgeber" wurde vom MfS als sichere Alternative zum Funkempfänger entwickelt. Bei der Übertragung von Codes mit einem Funkempfänger bestand die Gefahr von den Feinden geortet zu werden. Der "Schnellgeber" hingegen bestach durch die Übertragung von vorprogrammierten Codes durch Schnelligkeit und Sicherheit. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Batterie
Um die gesammelten Informationen der Agenten ins MfS zu schaffen, wurden sogenannte "Container" entwickelt. Diese "Container" sind Alltagsgegenstände, die ein verstecktes Fach enthalten. Hier können die Aufnahmen bzw. Filme versteckt werden. Eine Batterie umfunktioniert zu einem "Container", in dem Filme in die DDR gebracht werden konnte. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Kamera in Münze
Mehr als ein Groschen - mit einem Magnet konnte die präparierte Münze auseinander genommen werden, um darin Filme zu transportieren. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Walnuss
Der Erfindungsreichtum an Objekten zum Schmuggeln kannte unter den Agenten des MfS keine Grenzen. Auch eine einfache Walnuss wurde zu diesen Zwecken umfunktioniert. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Geheimschrift
Mittels Geheimschrift konnten auf unscheinbaren Briefen an die vermeintliche Verwandtschaft die gesammelten Informationen ins MfS geschickt werden. Spezielle Schulungen bildeten die Agenten auf diesem Gebiet aus. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Reh mit Versteck im Fuß
Dieses Reh, eigentlich ein Dekorationsgegenstand, wurde ebenfalls genutzt um Informationen zu transportieren. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Taschenrechner als Schnellgeber
Täuschung ist alles: Der als Taschenrechner getarnte Schnellgeber konnte von einem Nichtwissenden ganz normal verwendet werden, von dem Agenten durch Eingabe eines Codes als Schnellgeber! Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Bilderrahmen
Wenn man das Bild aus dem Rahmen entfernte, konnte man unter einem Zwischenboden gefälschte Papiere verstecken, mit denen man als Agent in der Bundesrepublik hantieren konnte. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Vermeintlich romantisch – Die "Romeo-Agenten"

Das Interesse an der westdeutschen Politik ruft eine rabiate Strategie auf den Plan: "Operation Romeo". Nachrichtendienstlich ausgebildete Spione der DDR werden in die Bundesrepublik geschickt um Frauen zu umwerben. Dabei werden die Frauen vom MfS vorher gezielt ausgewählt. Es sind größtenteils Sekretärinnen in wichtigen Ämtern und Behörden, die im Visier des MfS stehen. Der Agent täuscht seine Liebe vor und macht sie von sich abhängig. Das Vertrauen und die Gefühle der Zielpersonen werden ausgenutzt, um an die gewünschten Daten zu gelangen. Auf dieser vermeintlichen Grundlage soll die Zielperson dem Agenten wichtige Dokumente liefern. Die Frauen wissen nicht, dass sie der DDR zuarbeiten. Meist geben sich die Spione als Mitarbeiter ausländischer Nachrichtendienste aus. Sie behaupten für die Wahrung des Friedens zu arbeiten. Die Agenten geben ihnen Kameras, mit denen sie die Dokumente fotografieren können. Die Fotos werden daraufhin in die DDR geschleust. So eine Beziehung, welche sogar in einer Ehe münden kann, kann mehrere Jahre anhalten.

Die Agentinnen aus Liebe - am Ende selbst gestraft

Bereits in den 60er- und 70er-Jahren werden zahlreiche Frauen bei ihrer Spionage aus Liebe" ertappt. Nichtsahnend, dass sie der DDR wichtige Informationen geliefert haben, werden Prozesse gegen sie eingeleitet. Nach der Wende werden durch die Übergabe der Stasiakten weitere Fälle bekannt. Oft erfahren die Frauen erst bei ihrer Verhaftung, wer ihr Partner oder Ehemann wirklich war. Der emotionale sowie der gesellschaftliche Schaden für die Frauen ist groß. Vor allem weil die Agenten meist ungestraft davonkommen. Durch den Beschluss des Bundesverfassungsgerichtes aus dem Jahr 1995 gibt es ein "Verfolgungsverbot wegen früherer Spionage in der Bundesrepublik".

Die Geschichte des Ministerium für Staatssicherheit (MfS) Februar 1950: Gründung "Ministerium für Staatssicherheit" als eigenständige Geheimpolizei und Behörde
(Vorläufer MfS: Nachrichtendienst "Hauptverwaltung zum Schutze der Volkswirtschaft" von 1946)

1953-55: MfS wird Innenministerium unterstellt, da Schuld für den Volksaufstand vom 17. Juni 1953 MfS zugerechnet

November 1955: wieder eigenständiges Ministerium

Ab November 1957: unter Mielke Ausbau MfS zum "Schild und Schwert der Partei"

November 1989: Umbenennung in "Amt für Nationale Sicherheit" (AfNS)

Dezember 1989: Auflösung

Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: Wirtschaftsspionage der DDR | 11.04.2017 | 22:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Mai 2017, 22:25 Uhr

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