20. März 1937 Happy Birthday, Helmut Recknagel

Der Mann mit dem eigenwilligen Flugstil beim Skispringen stammt aus Steinbach-Hallenberg, wo er am 20. März 1937 zur Welt kam. Recknagel war der erste Nicht-Skandinavier, der 1957 den nordischen Skisportlern auf dem Holmenkollbakken in Oslo davonflog und der, der dreimal den Gesamtsieg bei der traditionellen Vierschanzentournee einfuhr.

Helmut Recknagel war 19 Jahre alt, als er als erster Deutscher und Nicht-Skandinavier das Skispringen auf dem Holmenkollbakken in Oslo gewann. Das war 1957 und die Skandinavier waren geschockt. Recknagel kommentierte die Reaktionen auf seinen Sieg in seiner Autobiografie so: "Es schien, als sei im Vatikan eine Frau auf den Stuhl Petri gestiegen."

DDR-Skispringer Helmut Recknagel aus Zella-Mehlis jubelt und wird am 28.02.1960 nach seinem Olympiasieg bei den VIII. Olympischen Winterspielen in Squaw Valley auf den Schultern zweier Mannschaftsbetreuer getragen.
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Falsche Töne bei der Siegerehrung

Der Thüringer Skispringer Helmut Recknagel beim Neujahrsspringen auf der großen Olympiaschanze in Garmisch-Partenkirchen 1958.
Helmut Recknagel in Garmisch-Partenkirchen 1958. Bildrechte: dpa

Helmut Recknagel siegte bei der Vierschanzentournee dreimal: 1958, 1959 und 1961. Als 1958 in Oberstorf versehentlich die deutsche Nationalhymne gespielt wurde, reagierte Recknagel prompt: Er sprang vom Podest und gab die Trophäe zurück. Der Oberbürgermeister entschuldigte sich für den musikalischen Fauxpas und entschärfte so den Eklat.  Am 8. Januar 1961 gewann Helmut Recknagel das 4. Springen der Vierschanzentournee und wurde so zum dritten Mal Gesamtsieger. Lange Zeit galt dies als "ewiger Rekord" der Veranstaltung. Erst Springer Jens Weißflog und Bjorn Wirkola knackten später diesen Rekord mit vier, und Janne Ahonen mit fünf Siegen.

Die Jahre der Medaillen

DDR-Skispringer Helmut Recknagel aus Zella-Mehlis jubelt und wird auf den Schultern zweier Mannschaftsbetreuer getragen.
28.02.1960 in Squaw Valley - Recknagel feiert seinen Sieg Bildrechte: dpa

1960 holte Helmut Recknagel im US-amerikanischen Squaw Valley Olympiagold und zwar als Mitglied der gesamtdeutschen Olympiamannschaft. Sein Sieg ließ diejenigen verstummen, die zuvor noch protestiert hatten, dass Recknagel Fahnenträger der gesamtdeutschen Mannschaft war. Westdeutsche Medien ätzten damals, "man könne auf keinen Fall dem 22-jährigen Kommunisten aus der Zone ins Stadion folgen". Nach seinem Sieg für das gesamtdeutsche Team verstummte die grelle Empörung. Bleibenden Eindruck hinterließ er auch bei den Zuschauern in den USA, die damals die Sprungschanzen säumten: Bei einem späteren Besuch in Squaw Valley traf Recknagel eine Frau, die sich noch lebhaft an den "German eagle", den deutschen Adler, mit seinem eigenwilligen Sprungstil erinnern konnte. Recknagel flog im "Batman-Style" von der Schanze, die Arme lang vor seinem Kopf ausgestreckt. Sportreporter nannten ihn den "König der Lüfte" oder auch "die Turmschwalbe". 1959, 1962 und 1963 holte sich Recknagel außerdem jeweils den DDR-Meister-Titel. Auch bei der Weltmeisterschaft von 1962 flog Recknagel der Konkurrenz davon und holte Gold im polnischen Zakopane.

Von der Sportlerkarriere in den Hörsaal

Seine Springerkarriere beendete er 1964. Im Winter war er noch einmal bei den Olympischen Spielen in Innsbruck angetreten, landete aber abgeschlagen auf hinteren Plätzen. Kurz darauf beendete er seine Sportlerkarriere und wagte einen kompletten Neustart. Er studierte Tiermedizin. Nach seiner Promotion arbeitete er als Fachtierarzt für Lebensmittelhygiene. 1990 wurde Recknagel arbeitslos und schulte zum Versicherungskaufmann um. 1996 eröffnete Recknagel ein Sanitärhaus in Berlin, zu dem inzwischen weitere zwölf Filialen gehören. Am 20 Mai 2011 wurde Recknagels sportliche Erfolge noch einmal gefeiert: Der ehemalige Sportler wurde in die Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen.

Zuletzt aktualisiert: 20. März 2017, 13:58 Uhr