Musikgeschichte 80er-Jahre Hip Hop in der DDR: Improvisiert und originell

Eine der letzten Jugendkulturen, die sich in der DDR ausbreiten, ist der Hip Hop. Von 1983 bis 1990 existiert eine unübersehbare Szene, die sich mit Breakdance, Rap, Grafitti und dem Auflegen von Platten beschäftigt – und dem SED-Staat Kopfschmerzen bereitet.

Die ersten Hip Hop-Klänge aus den USA kommen durch das Radio nach Deutschland. Auf RIAS, NDR und BR laufen Rap-Songs in den Charts. Rap, das ist der Soundtrack für einen neuen Tanzstil, den Breakdance. Die Tänzer bewegen sich dabei sehr akrobatisch - zu sehen in der Westfernsehsendung "Na sowas!" von Thomas Gottschalk. Das löst die Hip Hop-Welle im Land aus, die bis in die DDR schwappt. In den größeren Städten mit Westempfang schließen sich Jugendlichen zu Gruppen zusammen, die auch draußen auf der Straße breakdancen und rappen. Volkspolizei und Staatssicherheit sind zunächst unsicher, wie sie mit der neuen Jugendkultur umgehen sollen und lösen öffentliche Auftritte auf.

Der Film "Beat Street" - die politische Seite

Doch die DDR-Funktionäre entdecken schnell die sozialkritischen Aspekte des Hip Hop für sich: Minderheiten werden in den USA unterdrückt, die meist afroamerikanischen Jugendlichen, die sich dem Hip Hop widmen, sind ohne Perspektive.

Daher entscheidet sich das Ministerium für Kultur 1985, den amerikanischen Hip Hop-Film "Beat Street" in den Kinos zu zeigen. Der Streifen ist von Harry Belafonte koproduziert. Diese Entscheidung begründet der Leipziger Historiker Leonard Schmieding, der sich in einer Dissertation mit dem Hip Hop in der DDR befasst hat, damit, dass Belafonte in der DDR wird der Regisseur geschätzt wird, weil er sich gegen Apartheid in Südafrika und den Vietnamkrieg ausgesprochen hatte. Im Film versuchen afroamerikanische Jugendliche mittels Musik ihren Weg aus dem Ghetto zu finden und wehren sich gegen eine kapitalistisch-weiße Ausbeutung.

Beat Street - aus Jugendsicht Inspiration für Grafitti und Breakdance

Für die DDR-Jugend ist der Film eine praktische und kompakte Anleitung für Grafitti und Breakdance - all das, was sie sich sonst nur vereinzelt via Westfernsehen abgucken können. Der Film löst einen Ansturm aus, viele Jugendliche schauen sich ihn x-mal an und schneiden die Musik mit. Auch die Klamotten aus dem Film werden mit viel Erfindergeist kopiert, Mütter nähen Trainingsanzüge oder schneiden aus Gardinen dicke Schnürsenkel zusammen.

Breakdance Events - staatlich überwacht

Neben privaten Treffs zwischen in vielen Städten und Orten der DDR wie Rostock, Görlitz, Wolgast und Dessau werden auch offizielle Hip Hop-Veranstaltungen organisiert, so zum Beispiel von 1985 bis 1989 der Leipziger Breakdance-Workshop. Dort treten die besten Gruppen der DDR gegeneinander an und werden ausgezeichnet. Eine Strategie der SED, wie sie Hip Hop fördern, in seiner Ausübung aber überwachen und kontrollieren kann. Hip Hop-Künstler werden offiziell eingestuft, Partnerorganisationen wie FDJ oder Betriebe ermöglichen als Sponsoren das Training. 

Der Ausklang von Hip Hop in der DDR

Hip Hop ist für viele Jugendliche eine Lebenswelt, in der sie imaginär aus der DDR ausbrechen können. Nach dem Mauerfall lösen sich viele Gruppen auf, die Künstler gehen teils nach Westdeutschland. Manche Gruppen kommen nach einer Orientierungsphase auch wieder zusammen.

Was ist Hip Hop?

Hip Hop ist eine Musikrichtung, die in den 1970-er Jahren in New York entsteht. Hauptbestandteil: Schnelle Breakbeats, die aus verschiedenen Songs zusammengeschnitten und von Diskjockeys (DJs) präsentiert werden. Bald steht die Bezeichnung Hip Hop aber nicht nur für eine Musikrichtung, sondern für eine Kultur, die aus vier Elementen besteht: DJing, das Auflegen und Mixen von Platten MCing, das Rappen auf Instrumentalstücken; Grafitti, das Sprühen von Schriftzeichen und Bildern, Breakdance, das akrobatische Tanzen zu schneller Musik.

Zuletzt aktualisiert: 21. April 2016, 12:36 Uhr