Passagiere auf der Völkerfreundschaft
Passagiere auf der Völkerfreundschaft Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

28. Oktober 1962: Ende der Kubakrise Die DDR und die Kubakrise

Vor 55 Jahren fuhr ein DDR-Urlauberschiff mitten in die Kubakrise. Die Passagiere waren plötzlich Beobachter im Poker der Supermächte. In der fernen DDR versetzte Ulbricht die Streitkräfte in erhöhte Gefechtsbereitschaft.

Passagiere auf der Völkerfreundschaft
Passagiere auf der Völkerfreundschaft Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Es sollte ein schöner Urlaub werden: Sonne, Palmen und Karibikflair. Doch die Reise von hunderten DDR-Bürgern nach Kuba fiel sprichwörtlich ins Wasser. Die Kuba-Krise war schuld.

Erste Karibikreise in den Wirren der Weltpolitik

Das Passagierschiff "Völkerfreundschaft" nahm im Oktober 1962 das erste Mal Kurs auf Kuba. Die DDR hatte die Karibikinsel vor den Toren der USA nach dem Bau der Mauer als neues Urlaubsziel entdeckt. Sorglos fuhr das Kreuzfahrt-Schiff Richtung Karibik - an Bord 500 erwartungsfrohe Passagiere. Über allgemeines Geschehen informierte zwar eine dreiseitige Schiffszeitung, doch die unmittelbare Weltpolitik sollte die DDR-Urlauber einholen.

Kurz erklärt: Die Kubakrise vom Oktober 1962 Während des Kalten Krieges war Kuba ein begehrter Partner im Poker der Supermächte USA und Sowjetunion. Als Gegengewicht zu den US-Atomraketen in Italien und der Türkei ließ UdSSR-Staatschef Chruschtschow auf Kuba sowjetische Atomraketen stationieren. Damit war es möglich, von Kuba aus amerikanische Städte zu treffen. Als das herauskam, forderten die USA umgehend den Abbau der Sowjetraketen und errichteten eine Seeblockade um Kuba. Die Lage spitzte sich zu. Zwar blieb es zunächst bei Drohgebärden, doch die diplomatische Lage blieb verfahren. Russland wollte den Abzug von Mittelstreckenraketen in der Türkei, Kennedys Berater waren dagegen. Im Geheimen allerdings ließ Kennedy seinen Bruder mit dem sowjetischen Botschafter in den USA verhandeln. Der Präsident bot den Abzug der US-Raketen aus der Türkei an, jedoch heimlich, ohne das Gesicht zu verlieren. Chruschtschow kündigte darauf am 28. Oktober 1962 den Abzug der Waffen an.

Urlauber von Kriegsschiffen bedrängt

Auf ihrem Weg nach Havanna tauchten plötzlich amerikanische Kriegsschiffe auf und bedrängten die "Völkerfreundschaft". Mehrfach musste sie sich als harmloses Urlauberschiff legitimieren. Selbst im Weißen Haus diskutierte man über das DDR-Kreuzfahrt-Schiff. Es gab die klare Devise, kein Schiff durchzulassen, das sich nicht kontrollieren ließ, dennoch entschied man, das Passagierschiff passieren zu lassen, erzählt Historiker Raimund Krämer.

Gerd Peters
Gerd Peters, Kapitän der "Völkerfreundschaft" Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dem Kapitän der "Völkerfreundschaft" Gerd Peters war gleich klar, es wird heikel. Der Urlaubskreuzer durfte zwar in den Hafen einfahren, aber nicht zur Landungsbrücke und dort anlegen. Peters erinnert er sich in einer MDR-Dokumentation: "Und es wurde sofort die Information ausgegeben, dass Kuba für die Sicherheit der 'Völkerfreundschaft', ihrer Passagiere und Besatzung unter diesen Umständen nicht garantieren kann."

Reaktion der DDR auf Kubakrise

Die DDR-Führung sei von den sowjetischen Plänen auf Kuba überrascht gewesen, erklärt der Historiker Matthias Uhl vom Deutschen Historischen Institut in Moskau. Mit der Eskalation des Konfliktes Ende Oktober 1962 wurden die NVA sowie die Bündnistruppen des "Warschauer Paktes" in Alarm versetzt, SED-Chef Ulbricht verstärkte die Überwachung der Luft- und Seegrenzen, ordnete die Aufschiebung der bevorstehenden Entlassung von mehr als 30 000 Mann an und befahl erhöhte Gefechtsbereitschaft - erstmals auch von Kernwaffeneinsatzmitteln, schreibt Uhl in seinem Aufsatz "'Jederzeit gefechtsbereit' - Die NVA während der Kubakrise".

Insgesamt wurden die personellen, materiellen und technischen Voraussetzungen dafür geschaffen, um im Verteidigungsfall eine Kriegsstärke der NVA von 227.000 Mann sicherzustellen zu können.

Historiker Matthias Uhl DHI Moskau

Der Karibikurlaub für die DD-Bürger war damit beendet. Die "Völkerfreundschaft" verlässt nach zwei Tagen wieder Havanna. Doch kaum war das DDR-Kreuzfahrtschiff auf hoher See, kommt eine Nachricht, die die Welt aufatmen ließ: Die sowjetischen Atomraketen werden abgezogen. Die Kuba-Krise ist zu Ende - für die DDR-Urlauber kam die Wende jedoch zu spät. Die "Völkerfreundschaft" hielt weiter Kurs auf Rostock.

(me)

Über dieses Thema berichtete der MDR in LEXITV im: TV | 25.06.2014 | 21.15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Oktober 2017, 15:46 Uhr