6./7. Oktober 1989 Die letzte Geburtstags-Party der DDR

FDJ-Fackelzug zum 40. Jahrestag der DDR am 6. Oktober 1989 in Berlin
Auch die üblichen "SED, FDJ"-Rufe und andere sinnfreie Artikulationen sind zu hören. Kurz zuvor einstudierte Sprechchöre wie "FDJ, SED, alles ist bei uns o.k.!" deuten aber auch an, dass im Land scheinbar doch nicht alles "o.k." ist. Tatsächlich meldet die Stasi später, dass sie Demonstrationsteilnehmer festgenommen hat, die mit Schildern wie "Mehr Freiheit" oder einfach nur "Scheiße" unterwegs waren. Auch Rufe wie "Gorbi, Gorbi" - statt "Honni, Honni" - "Perestroika" oder "Gorbatschow hilf" sind aus dem FDJ-Fackelzug heraus zu hören. Bildrechte: dpa
Fackelzug der Freien Deutschen Jugend FDJ am 6. Oktober 1989 in Ost-Berlin
Mit einem Fackelzug der "Freien Deutschen Jugend" beginnen am Abend des 6. Oktober 1989 in Ost-Berlin die offiziellen Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der Deutschen Demokratischen Republik. 70.000 FDJ-ler aus allen DDR-Bezirken nehmen daran teil. Der Marsch der Blauhemden vom Brandenburger Tor zum Marx-Engels-Platz soll die Dankbarkeit der DDR-Jugend für die Segnungen des Arbeiter- und Bauernstaates zum Ausdruck bringen. Bildrechte: IMAGO
FDJ-Fackelzug zum 40. Jahrestag der DDR am 6. Oktober 1989 in Berlin
Auch die üblichen "SED, FDJ"-Rufe und andere sinnfreie Artikulationen sind zu hören. Kurz zuvor einstudierte Sprechchöre wie "FDJ, SED, alles ist bei uns o.k.!" deuten aber auch an, dass im Land scheinbar doch nicht alles "o.k." ist. Tatsächlich meldet die Stasi später, dass sie Demonstrationsteilnehmer festgenommen hat, die mit Schildern wie "Mehr Freiheit" oder einfach nur "Scheiße" unterwegs waren. Auch Rufe wie "Gorbi, Gorbi" - statt "Honni, Honni" - "Perestroika" oder "Gorbatschow hilf" sind aus dem FDJ-Fackelzug heraus zu hören. Bildrechte: dpa
Gorbatschow und Honecker am Rande des FDJ-Fackelzuges am 6. Oktober 1989 in Berlin
Er ist der Adressat der aufmüpfigen Blauhemden: KPdSU-Generalsekretär Michail Sergejewitsch Gorbatschow (1. Reihe, 2. von links) gilt als Hoffnungsträger - auch in der DDR. Viele Menschen im Osten Deutschlands wünschen sich, dass die von Gorbatschow initiierte Politik von Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umbau) auch die verkrusteten Verhältnisse in der DDR überwindet. Doch SED- und Staatschef Erich Honecker (1. Reihe, rechts) sieht das anders. Honecker antwortet mit Weisheiten wie: "Wenn Freunde neu tapezieren, müssen die anderen ja auch nicht renovieren." Gorbatschow hält dem entgegen: "Wenn wir zurückbleiben, bestraft uns das Leben sofort." Später wurde daraus der weltberühmte Satz: "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben." Bildrechte: dpa
NVA-Parade zum 40. Jahrestag der DDR am 7. Oktober 1989 in Ost-Berlin
Einen Tag später, am 7. Oktober 1989, muss sich Honecker zunächst aber keine unangenehmen Sprechchöre und Kritiken anhören. Der Marschschritt tausender Soldaten, die Klänge des NVA-Musikkorps und das Motorengedröhn und Kettengerassel zahlreicher Militärfahrzeuge übertönen jeden Misston. Mit einer der größten Militärparaden ihrer Geschichte feiert die DDR ihr vierzigjähriges Bestehen. Bildrechte: IMAGO
Staats- und Parteiführung der DDR am Rande der Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag am 07.10.1989
Auch die FDJ und andere DDR-Massenorganisationen paradieren an diesem Tag noch einmal an einem sichtlich froh gelaunten Erich Honecker und anderen SED-Größen sowie deren internationalen Gästen vorbei. Bildrechte: IMAGO
Volkspolizei-Kette am Abend des 7. Oktober 1989 in Ost-Berlin
Doch das Bild täuscht. Am späten Nachmittag ziehen Demonstranten zum "Palast der Republik", wo die SED-Führung und ihre internationalen Gäste beim Bankett versammelt sind. Auf Sprechchöre wie "Wir sind das Volk", "Demokratie jetzt oder nie" oder "Gorbi, Gorbi, hilf uns" reagiert die Staatsmacht mit Absperr- und Abdrängungsmaßnahmen. Bildrechte: IMAGO
Volkspolizei geht am 7. Oktober 1989 in Ost-Berlin mit Gummiknüppel auf Demonstranten los
Später am Abend eskaliert die Lage. Volkspolizei und Staatssicherheit drängen die Demonstranten zum Prenzlauer Berg ab, wo sie - wie es in einem späteren Untersuchungsbericht heißt - "mit unglaublicher Härte" gegen sie vorgehen. Auch in Leipzig, Dresden, Plauen und anderen Städten der DDR geht die Staatsmacht mit unverhältnismäßiger Härte gegen das eigene Volk vor. Die DDR erlebt in diesem Jahr ihren letzten Geburtstag. Bildrechte: dpa
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