Beim Dreh für den Film über "Fritz Sauckel - Hitlers Mann in Thüringen"
Bildrechte: MDR/Stephan Flad

Oktober 1927: Sauckel wird Gauleiter Thüringens Fritz Sauckel – Hitlers Mann in Thüringen

(1894-1946)

Als "grausamster Sklavenhalter seit den ägyptischen Pharaonen" wird Fritz Sauckel beim Nürnberger Kriegsverbrecherprozess 1945 bezeichnet. Der Sohn eines frommen Kleinstadtbriefträgers stieg in die erste Reihe der NS-Täter auf und bestimmte so über das Schicksal von Millionen Menschen. Ehemalige Zwangsarbeiter erinnern sich bis heute an ihn.

Beim Dreh für den Film über "Fritz Sauckel - Hitlers Mann in Thüringen"
Bildrechte: MDR/Stephan Flad

"Nie in meinem Leben war ich für Willkür oder Gewaltakte veranlagt", steht auf dem Blatt Papier, das vor Fritz Sauckel liegt. Er sitzt in einer dunklen Zelle am Tisch und schreibt seine Lebenserinnerungen nieder. Es ist ein letzter verzweifelter Versuch, der Bestrafung zu entgehen. Es wird ihm nichts nutzen: Fritz Sauckel wird im Morgengrauen des 16. Oktober 1946 gehängt ...

Ein grausamer Sklavenhalter

Der amerikanische Hauptankläger im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess, Robert H. Jackson, hatte Hitlers "Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz in Deutschland" zuvor als "den größten und grausamsten Sklavenhalter seit den ägyptischen Pharaonen" bezeichnet.

Schließlich war Sauckel seit 1942 verantwortlich für die Verschleppung und Ausbeutung von Millionen Menschen aus den besetzten Gebieten.

Der Sohn eines frommen Kleinstadtbriefträgers

Fritz Sauckel in seiner Zelle im Stadtgefängnis von Nürnberg am 08.12.1945.
Fritz Sauckel (1894-1946) Bildrechte: dpa

Wie konnte der Sohn eines frommen Kleinstadtbriefträgers in die erste Reihe der Täter des NS-Systems aufsteigen und über das Schicksal von Millionen Menschen bestimmen? Als SA-Mann der ersten Stunde fängt seine Karriere an, sein Organisationstalent wird bei der Neugründung der NSDAP 1925 von Hitler mit dem Posten des Gaugeschäftsführers in Thüringen belohnt. Zwei Jahre später steht er an der Spitze der Gauleitung. In seinen Reden inszeniert er sich stets als großen Freund der Arbeiter.

In der Realität führt Sauckel jedoch das Leben eines Gau-Fürsten, der in einer palaisartigen Villa in Weimar residiert. Von dort aus hat er den freien Blick auf den Ettersberg. Den Bau des Konzentrationslagers Buchenwald dort oben initiiert er mit, auch wenn er später leugnet, je etwas mit den Lagern zu tun gehabt zu haben, da sie formal der SS unterstanden.

Arbeitssklaven für die Rüstung

Tausende Häftlinge aus dem KZ und Zwangsarbeiter aus ganz Europa werden schließlich in den thüringischen Rüstungsbetrieben schuften - und sterben: Männer, Frauen, selbst Kinder. Vor dem Nürnberger Kriegsverbrechertribunal behauptet Fritz Sauckel später, die meisten von ihnen seien Freiwillige gewesen.

Doch schon im März 1942 hatte er unter Gesinnungsgenossen offenbart, dass "von den fünf Millionen ausländischen Arbeitern, die nach Deutschland gekommen sind, keine 200.000 freiwillig" da waren.

Zeitzeugen: Albert van Dijk und Tonja Demjantschuk

Als man den Angeklagten während des Nürnberger Prozesses einen zweistündigen Film über die Zustände in den Konzentrationslagern vorführt, aufgenommen nach deren Befreiung, vorführte, bricht Sauckel zusammen. Der Film konfrontiert die Aussagen des Mannes, der bis zuletzt seine Unschuld beteuerte, mit den Schicksalen seiner Opfer, mit zwei ehemaligen Zwangsarbeitern, die die Hölle überlebt haben: mit der Ukrainerin Tonja Demjantschuk und mit dem Holländer Albert van Dijk.

Buch: Winifred König
Regie: Dirk Otto
Länge: 45 min.
Erstsendung: 16.08.2009 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Juni 2011, 15:01 Uhr