Erich Schnabel mit Sohn Gotthart in Dresden, ca. 1936
Bildrechte: Gotthart Schnabel

Die Spur der Ahnen | 01.02.2017 Für Goebbels an der Kamera

Wer war Erich Schnabel wirklich? Sein Sohn Gotthart hat seinen Vater als wunderbaren Lehrer in Erinnerung, der aus politischen Gründen 1938 den Schuldienst quittiert. Doch nicht nur Erinnerungen von Zeitzeugen werfen ein anderes Licht auf seinen Vater. Was hat es mit den seltsamen Erinnerungen an grausame Filmaufnahmen auf sich, die möglicherweise aus dem Warschauer Ghetto stammen? Hat sein Vater etwas mit diesen Bildern zu tun, und wenn ja, was genau?

Erich Schnabel mit Sohn Gotthart in Dresden, ca. 1936
Bildrechte: Gotthart Schnabel
Buchcover
Porträt Gotthard Schnabel
Gotthard Schnabels Buch Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Als Erwachsener veröffentlicht Gotthart Erinnerungen an seine Kindheit in Dresden. Er weiß nicht viel über seinen Vater. Er hat ihn als einen Mann in Erinnerung, der mit den Nazis nichts am Hut hatte, im Gegenteil: Für ihn war sein Vater ein NS-Gegner, der aus politischen Gründen aus dem Schuldienst entlassen wurde.

Andere Zeitzeugen - komplett andere Erinnerungen

Die Reaktionen auf seine Veröffentlichung im Jahr 2008 überraschen Gotthart: Zeitzeugen in Sachsen haben nämlich komplett andere Erinnerungen an den Vater - sie kennen Erich Schnabel als überzeugten Nazi, der frühzeitig in die NSDAP eingetreten ist und behaupten sogar, die Familie Schnabel sei die verhassteste in Dresden-Gruna gewesen, Leute vor denen man Angst hatte. Erich Schnabel soll mit dem Motorrad durch Sachsen gefahren sein und für die NSDAP geworben haben. Als Lehrer unterrichtet er an der Hans-Erlwein-Schule.

Wo Erich Schnabel unterrichtete Nach der Eingemeindung der kleinen Gemeinde Gruna beschließt die Stadt Dresden einen Schulneubau. Die Volksschule hat Platz für 1.624 Jungen und Mädchen, ab 1920 wird sogar teilweise in gemischten Klassen unterrichtet. 1935 wird die Schule - wie viele andere - umbenannt und heißt nach dem Gründer des nationalsozialistischen Lehrerbundes Hans Georg Schemm Schule. Heute ist es das Hans Erlwein-Gymnasium - benannt nach dem ersten Leiter der Lehranstalt.

Erich Schnabel bei Dreharbeiten, zwischen 1939 und 1945
Erich Schnabel bei Dreharbeiten Bildrechte: Gotthart Schnabel

Privat frönt Erich Schnabel einem damals exklusiven Hobby: Er filmt leidenschaftlich gern und steckt nicht nur viel Geld, sondern auch viel Zeit in sein Hobby. Eine Schulchronik verweist auf drei Filme, die in der Zeit, in der Schnabel in Gruna unterrichtete, entstanden sind. Einer davon ist der als staatspolitisch wertvoll ausgezeichnete Film "Die Pimpfe erleben den Grenzlandwinter" - ein Propagandastreifen für die Jugend, der Kinder beim Schlitten fahren und Fahnen-Appell zeigt.

Der Vater, ein Propaganda-Filmer: War das geheim, vergessen oder in der Familie gar nicht bekannt?

Erich Schnabel bei Dreharbeiten, vor 1945
Bildrechte: Gotthart Schnabel

Worüber später in seiner Familie nicht gesprochen wurde: Schnabel ist seit 1934 nebenberuflich in der Gaufilmstelle in Sachsen tätig. Als ehrenamtlicher Kameramann wird er vom Unterrichten freigestellt, wenn die NSDAP einen Mann hinter der Kamera braucht. Bezahlt wird er weiter als Lehrer, ist aber ab 1939 "kriegsunabkömmlich" und arbeitet als Kameramann für die NSDAP in Sachsen.

Ein grausamer Erinnerungsfetzen

Eine Erinnerung aus dem Jahr 1944 hat sich Gotthart Schnabel ins Gedächtnis gebrannt: Männer werfen in einer Straße Leichname auf einen Karren. Was sind das für Bilder? Gotthart vermutet, dass er Filmaufnahmen gesehen hat, die sein Vaters im Auftrag des Reichspropagandaministers Joseph Goebbels 1942 im Warschauer Ghetto gemacht hat. Doch in der Familie stößt er auf Schweigen.

Spur der Ahnen | 01.02.2017 | 21:15 Uhr Aus dem Leben Erich Schnabels

Ein Brautpaar läuft lächelnd aus einem Gebäude.
Heirat von Elfriede und Erich Schnabel in Dresden, 1934 Bildrechte: Dr. Konrad Schnabel
Erich, Elfriede und Gotthart Schnabel
Die Familie Schnabel: Vater Erich, Mutter Elfriede und Sohn Gotthart. Die Aufnahme wurde um 1936 gemacht. Bildrechte: Gotthart Schnabel
Ein Brautpaar läuft lächelnd aus einem Gebäude.
Heirat von Elfriede und Erich Schnabel in Dresden, 1934 Bildrechte: Dr. Konrad Schnabel
Erich Schnabel mit Sohn Gotthart in Dresden, ca. 1936
Erich Schnabel mit Sohn Gotthart in Dresden, ca. 1936 Bildrechte: Gotthart Schnabel
Der Lehrer Erich Schnabel (links unter ihm im Bild: Heinz Knauth) 1937 mit einer Schulklasse an der Hans-Schemm-Schule. Der ursprüngliche Namensgeber der Schule, Hans Schemm, war Gauleiter in Oberfranken, Gründer der Nationalsozialistischen Lehrervereinigung und ab 1933 bayerischer Kultusminister. Schemm starb 1935 an den Verletzungen eines Flugzeugabsturzes. - Die damals in Dresden nach ihm benannte Schule heißt heute Hans-Erlwein-Gymnasium. Bildrechte: Heinz Knauth
Ein Mann kniet vor einem Kamerastativ und filmt fünf Kinder, die auf einer Wiese vor einem Haus am Waldesrand spielen.
Erich Schnabel bei Dreharbeiten, zwischen 1939 und 1945 Bildrechte: Gotthart Schnabel
Familie Schnabel in Kellerhusen, 1947
(von links nach rechts: Konrad, Bernd, Erich, Elfriede und Gotthart Schnabel)
1947: Der Krieg ist vorüber, die Familie Schnabel lebt nicht mehr in Dresden, sondern in Kellenhusen an der Ostsee. Inzwischen ist die Familie gewachsen, zur familie gehören jetzt drei Söhne: (von links nach rechts) Konrad, Bernd, Erich. Bildrechte: Gotthart Schnabel
Ein Mann im Anzug steht mit drei Jungen auf Felsen im Meer
Erich Schnabel und Söhne in Kellerhusen, ca. 1947
(von links nach rechts: Gotthart, Erich, Bernd und Konrad Schnabel)
Bildrechte: Gotthart Schnabel
Ein Mann geht mit zwei Jungen an der Hand auf einem Weg durch eine Wiese
Erich Schnabel mit seinen Söhnen Konrad und Gotthart, vor 1945 Bildrechte: Dr. Konrad Schnabel
Eine Frau und ein Mann sitzen an einem Tisch und haben drei kleine Kinder auf dem Schoß.
Familie Schnabel in Dresden, ca. 1942: (von links nach rechts: Gotthart, Elfriede, Bernd, Konrad und Erich Schnabel) Bildrechte: Dr. Konrad Schnabel
Erich Schnabel, nach 1945
Erich Schnabel, nach 1945 Bildrechte: Dr. Konrad Schnabel
Ein Mann filmt einen Jungen, der Akkordeon spielt. Um den Jungen herum sitzen andere lachende Kinder.
Erich Schnabel bei Dreharbeiten, zwischen 1939 und 1945 Bildrechte: Gotthart Schnabel
Links im Bild filmt ein Mann an der Kamera einen Lehrer und seine Schüler, die vor einem Gebüsch stehen. Einige Schüler sind mit Hut und Bart verkleidet.
Ein Mann Erich Schnabel bei Dreharbeiten, ca. 1938 Bildrechte: Gotthart Schnabel
In einem Klassenzimmer sitzen Jungen in den Bänken und bauen Modellflugzeuge. Auf der Tafel ist zu lesen:
1938: Nachmittgas leitet Erich Schnabel eine Schulklasse beim Modellflugzeugbau an. Er filmt dabei und es entsteht eine filmische Anleitung zum Modellflugzeugbau. Bildrechte: Heinz Knauth
Erich Schnabel bei Dreharbeiten, vor 1945
Erich Schnabel bei Dreharbeiten, vor 1945 Bildrechte: Gotthart Schnabel
Erich Schnabel an der Kamera, zwischen 1939 und 1945
Erich Schnabel an der Kamera, zwischen 1939 und 1945 Bildrechte: Gotthart Schnabel
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Erich Schnabel an der Kamera, zwischen 1939 und 1945
Bildrechte: Gotthart Schnabel

Was hat es mit dieser Familienlegende auf sich? Gehörte der Dresdner Lehrer tatsächlich zu Goebbels Propaganda-Maschinerie und filmte im Warschauer Ghetto? Das versucht Gotthart Schnabel mit dem Team der Spur der Ahnen herauszufinden.

Erich Schnabel, nach 1945
Bildrechte: Dr. Konrad Schnabel

Spur der Ahnen | 01.02.2017 | 21:15 Uhr

Spur der Ahnen | 01.02.2017 | 21:15 Uhr

Die ganze Geschichte in der neuen Folge von Spur der Ahnen: "Für Goebbels an der Kamera ".

Zuletzt aktualisiert: 02. Februar 2017, 08:52 Uhr