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Aus der fünften Liga in die Champions League RB Leipzig – acht Jahre Volldampf

Als am 14. September im ehemaligen Leipziger Zentralstadion zum ersten Mal die Champions-League-Hymne erklang, hatte das tatsächlich historische Dimensionen. Immerhin ist es 29 Jahre her, dass hier zuletzt im Europapokal gekickt wurde. Damals trennten sich der 1. FC Lok und der SSC Neapel 1:1. Auch diesmal stand es am Ende 1:1. Das Spiel von RB Leipzig gegen AS Monaco wurde von langer Hand und mit viel Geld geplant. Doch dabei war längst nicht alles glatt gelaufen.

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Man kann zu RB Leipzig stehen, wie man will: Den fußballerischen Weg von den Niederungen der Oberliga im Jahr 2009 bis in die Champions League hat der Klub in einem beeindruckenden D-Zug-Tempo zurückgelegt. Die Entwicklung vom Fünftligisten zum international beachteten Verein ist auch an den Zuschauerzahlen gut abzulesen. So kamen am 13. September 2009 genau 1.065 Zuschauer zum Punktspiel gegen Budissa Bautzen. Auf den Tag genau acht Jahre später ist das Stadion mit rund 42.000 Zuschauern ausverkauft – nicht das Stadion am Bad in Markranstädt, sondern das Zentralstadion im Herzen von Leipzig. An einem Mittwochabend und bei offiziellen Ticketpreisen von 20 bis 85 Euro.

Chaos, Kopfschütteln, Schadenfreude

Der
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Unter großem Medieninteresse stellte der neu gegründete Fußballverein RB Leipzig 2009 sein Team vor. Hehres Ziel des Fünftligisten: Aufstieg in die Bundesliga.

MDR FERNSEHEN Do 02.07.2009 19:30Uhr 01:15 min

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Die Fahrt des im Mai 2009 auf die Schienen gestellten RB-Zuges in Richtung Europa verlief bei weitem nicht so störungsfrei, wie es heute scheint. Nein, in diesen reichlich acht Jahren wurden einige unfreiwillige Zwischenstopps eingelegt und merkwürdige Entscheidungen getroffen. Für ein erstes großes Kopfschütteln sorgte zum Beispiel die Freistellung von Cheftrainer Tino Vogel: ausgerechnet an seinem Geburtstag und nach dem souverän erreichten Aufstieg in der Premieren-Saison. Große Schadenfreude wiederum herrschte bei den RB-Kritikern, als in den folgenden beiden Regionalliga-Spielzeiten jeweils der Aufstieg verpasst wurde. Trotz zahlreicher namhafter neuer Spieler.

Auch hinter den Kulissen ging es zeitweise recht chaotisch zu. Bereits in der Oberliga-Saison hatte Präsident Andreas Sadlo den Verein im Unfrieden verlassen. Vier Monate später entband Nachfolger Dietmar Beiersdorfer nicht nur Cheftrainer Tino Vogel von seinen Aufgaben, sondern auch Sportdirektor Joachim Krug. Viele weitere große Entscheidungen konnte der ehemalige HSV-Spieler nicht treffen, denn ein Jahr später musste auch er aussteigen. Quasi gemeinsam mit dem bis dahin erst drei Monate im Amt befindlichen Sportdirektor Thomas Linke. Das Personalchaos und die Misserfolge führten RB Leipzig beinahe auf ein Abstellgleis.

Frischer Wind und neue Probleme

Doch dann kam ein neuer Zugführer. Sein Name: Ralf Rangnick. Gleich als erste Amtshandlung ersetzte er den eher konzeptlosen Trainer Peter Pacult durch den bis dahin weitgehend unbekannten Alexander Zorniger. Rangnick und Zorniger sorgten für frischen Wind. In der Vereinsführung und auch auf dem Spielfeld waren plötzlich Ideen und echte Strategien erkennbar. Die Belohnung: Rang eins in der Regionalliga Nordost, zwei inzwischen mit Legendenstatus versehene, erfolgreiche Aufstiegsspiele gegen die Sportfreunde Lotte und der Durchmarsch in die 2. Fußball-Bundesliga.

Diese hing allerdings für den Rasenballsport zeitweise am seidenen Faden. Denn die Deutsche Fußball-Liga (DFL) stellte für eine Zweitliga-Lizenz nicht unerhebliche Bedingungen, deren Rechtmäßigkeit wiederum angezweifelt wurde. Die damals in der Luft liegende juristische Auseinandersetzung blieb aber aus. RB stimmte einem Kompromiss zu, wechselte Personal in der Vereinsführung und änderte das Vereinslogo. Ob dies RB Leipzig unabhängiger von Geldgeber Red Bull machte, stand auf einem anderen Blatt. Nicht nur für die Kritiker waren es lediglich symbolische Änderungen.

2009 – 2017: Der Weg in die Champions League RB Leipzig: Aus der 5. Liga in die europäische Spitze

RB Leipzig bei der Teampräsentation 2009
Trainingsstart 2009 Bundesweites Interesse erfuhr der Trainingsauftakt der neuen Mannschaft vor der Saison 2009/10. Dutzende Journalisten und Kamerateams wollten am 13. Juni 2009 den Beginn einer neuen Ära des Leipziger Fußballs live erleben. Die österreichische Konzernzentrale kommentierte lapidar: „So viel Interesse gab es bislang nur bei der Verpflichtung von Giovanni Trapattoni.“ Von links nach rechts sind zu sehen: Sportdirektor Joachim Krug,die Spieler Ingo Hertzsch und Thomas Kläsener sowie Trainer Tino Vogel.

Doch auch dieser Tag ließ erahnen, welcher Kritik sich Rasenballsport der nächsten Jahre aussetzen sollte. Fans entrollten ein Transparent: „Finger weg von unserem Sport. In Leipzig und an jedem Ort.“
Bildrechte: MDR/Sven Kups
RB Leipzig bei der Teampräsentation 2009
Trainingsstart 2009 Bundesweites Interesse erfuhr der Trainingsauftakt der neuen Mannschaft vor der Saison 2009/10. Dutzende Journalisten und Kamerateams wollten am 13. Juni 2009 den Beginn einer neuen Ära des Leipziger Fußballs live erleben. Die österreichische Konzernzentrale kommentierte lapidar: „So viel Interesse gab es bislang nur bei der Verpflichtung von Giovanni Trapattoni.“ Von links nach rechts sind zu sehen: Sportdirektor Joachim Krug,die Spieler Ingo Hertzsch und Thomas Kläsener sowie Trainer Tino Vogel.

Doch auch dieser Tag ließ erahnen, welcher Kritik sich Rasenballsport der nächsten Jahre aussetzen sollte. Fans entrollten ein Transparent: „Finger weg von unserem Sport. In Leipzig und an jedem Ort.“
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Christian Hauser (Jena II, li.) gegen Christian Reimann (RB Leipzig)
Erstes Pflichtspiel-Spiel in Jena Rumpeliger Start für Rasenballsport: Die Punktspielpremiere bei der Zweitvertretung von Traditionsklub Carl Zeiss Jena endet 1:1-Remis. Nach dem Abpfiff wird es hektisch. Aufgrund von Anfeindungen Jenaer Ultras entfällt das Duschen. Verbale Attacken und Drohgebärden veranlassten die Vereinsverantwortlichen, die Spieler sofort nach Abpfiff in den Mannschafts-Bus steigen zu lassen. Bildrechte: IMAGO
RasenBallsport Leipzig nach dem Sieg beim Wernesgrüner-Pokal Sachsen
Sachsenpokalsieger 2011 Nach dem souveränen und nie gefährdeten Aufstieg aus der Oberliga Nordost in die Regionalliga Nordost wird die zweite Saison von Rasenball doch noch halbwegs versöhnlich abgeschlossen. Der Drittliga-Aufstieg wird zwar verpasst, doch im Sachsenpokal holt sich die Elf gegen den Chemnitzer FC im heimischen Zentralstadion den zweiten Vereinstitel. Bildrechte: IMAGO
Daniel Frahn
Erstes DFB-Pokalspiel Trainer Pacult besitzt für die Saison 2011/12 zwei wahre Tormaschinen: Stefan Kutschke und Daniel Frahn. Letzterer schießt den Bundesligisten VfL Wolfsburg im DFB-Pokaldebüt mit drei Toren aus dem Wettbewerb. In Runde 2 ist dann allerdings auch für die Leipziger Schluss. Der FC Augsburg siegt im Zentralstadion mit 1:0. Das wichtigste Saison-Ziel wird nicht erreicht: Wiederholt verpasst Rasenball den Aufstieg in Liga 3. Das ist das Aus für Trainer Peter Pacult nach einer Saison. Bildrechte: IMAGO
Ralf Rangnick
Der Macher – Ralf Rangnick Mit der Inthronisierung von Fußball-Fachmann und langjährigem Bundesliga-Trainer Ralf Rangnick zum neuen Sportdirektor kommt endlich Kontinuität und Struktur in den Verein. Wurden bis 2012 noch jede Saison Trainer (Tino Vogel, Tomas Oral, Peter Pacult) und Sportdirektoren (Joachim Krug, Thomas Linke, Wolfgang Loos, Dietmar Beiersdorfer) ausgewechselt, steht Rangnick ab der Saison 2012/13 für Kompetenz und Weitsicht. So verpflichtet er Trainer Alexander Zorniger, der den Verein in zwei Jahren zu zwei Aufstiegen bis in die zweite Bundesliga führt. Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister
Schlussjubel RB Leipzig
Aufstieg in die Dritte Bundesliga Ungeschlagen wird Zornigers Mannschaft in der Saison 2012/13 Regionalliga-Meister. Doch eine Hürde ist noch zu nehmen. Der endgültige Aufstieg wird in der Relegation gegen den Meister der Regionalliga West ausgefochten. Der Gegner heißt Sportfreunde Lotte. Nach einem 2:0-Hinspiel-Sieg und einem dramatischen Rückspiel mit Verlängerung steht es in der Endabrechnung 4:2. Nach zwei Ehrenrunden ist RB Leipzig in Liga 3. Freudetrunken fahren 2.000 mitgereiste Anhänger wieder in die Heimat. Bildrechte: IMAGO
Trainer Alexander Zorniger wird von der Mannschaft auf Händen getragen.
Mit Joshua Kimmich in die Zweite Liga Das Nachwuchstalent des VfB Stuttgart kommt im Sommer 2013 nach Leipzig, von wo der kommende Nationalspieler eine phänomenale Karriere starten wird. RB wird für ihn zur Durchgangsstation. Im Mai 2014 feiert er mit Rangnick, Zorniger und Co. den Aufstieg.

Nach dem 5:1-Sieg gegen Saarbrücken wird Trainer Alexander Zorniger von der Mannschaft auf Händen getragen. Mit dabei: Joshua Kimmich (l. unter dem Trainer).
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Mannschaft präsentiert sich im Oldtimerbus, tausende Fans säumen die Straße, RB Leipzig feiert Aufstieg in die erste 1.Bundesliga
Sieben Jahre nach der Gründung: Endlich Bundesligist! Nach einer Ehrenrunde in der Saison 2014/15 und der Entlassung Alexander Zornigers übernimmt Sportdirektor Ralf Rangnick höchstselbst das Amt des Trainers. Warum? Ein Trainer, der dem Anforderungsprofil Rangnicks entsprechen sollte, konnte einfach nicht gefunden werden. Und gleich im ersten Anlauf gelingt der Wurf! Nach 22 Jahren ist Leipzig wieder erstklassig. Zehntausende Anhänger feiern am Ende der Saison 2015/16 die Rückkehr Leipzigs in die Beletage des deutschen Fußballs. Bildrechte: IMAGO
Timo Werner und Dominik Kaiser
Bundesliga-Premiere gegen Hoffenheim Da haben sich die Spieltagsplaner der DFL wohl dabei etwas gedacht: Zur RB-Leipzig-Premiere in der First Class des deutschen Fußball treten genau die beiden Mannschaften Deutschlands an, die von Milliardären gefördert werden. Auftakt geglückt: Mit einem Remis kehren die Rasenballer nach Leipzig zurück. Hier bejubeln Dominik Kaiser und Timo Werner den Ausgleichstreffer zum 1:1. Bildrechte: IMAGO
Hertha BSC - RB Leipzig - Spieler von RB Leipzig feiern mit Fans den Einzug in die Champions League
Die Champions-League-Quali ist perfekt Wer hätte das gedacht? Gleich in seiner ersten Bundesliga-Saison avancieren die Rasenballer zum ärgsten Konkurrenten von Dauermeister Bayern München. Am Ende werden die Leipziger Vizemeister! Und qualifizieren sich direkt für die Königsklasse des europäischen Fußballs. Die Auslosung bringt die Rasenballer in eine Gruppe mit dem AS Monaco, FC Porto und Besiktas Istanbul. Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister
Die Red Bull Arena in Leipzig
Vom Zentralstadion zur Red-Bull-Arena Seit 1956 fanden im Stadion der Hunderttausend etliche Europacup-Schlachten des 1. FC Lok statt. Letztmals rang der 1. FCL dem SSC Neapel mit Superstar Diego Maradona im Oktober 1988 ein Unentschieden ab. Nach dem Bundesliga-Intermezzo des Lok-Nachfolgers VfB verwaiste das Stadion.

Nach dem Umbau und Verkleinerung der Zuschauerkapazität auf 42.959 sowie der Umbenennung in Red-Bull-Arena, findet nach 29 Jahren wieder ein Europacup-Spiel in Leipzig statt. Pünktlich zur EC-Premiere vermeldet der Klub, dass er das Stadion noch 2017 kaufen wird. Die Spielstätte soll nach Umbaumaßnahmen dann 57.000 Zuschauer fassen.
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