Ein Foto von den laufenden Dreharbeiten zur neuen Staffel der MDR Historik-Serie
Bildrechte: MDR/Andreas Lander

MDR FERNSEHEN | 07.08.2016 | 20:15 Uhr Die Pest, die Angst und der Schatz von Erfurt

3.000 französische Silbermünzen, 14 Silberbarren und über 700 wertvolle Gegenstände - Broschen, Ringe, mittelalterliche Gürtelteile - und ein kostbarer jüdischer Hochzeitsring. Welche Geschichte erzählt dieser Schatz?

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Erfurt 1349

In der Stadt grassiert die Angst. Eine todbringende Seuche bedroht die Stadt und ihre Bürger. Eine Seuche, die zuvor schon Städte in ganz Europa zu riesigen Friedhöfen gemacht hat: Die Pest! Dei Krankheit hat schon ganze Landstriche entvölkert. Taucht die Krankheit erst in einer Stadt auf, gibt es für deren Bewohner kein Entkommen. Nun also Erfurt? In dieser angespannten Situation treffen einzelne Stimmungsmacher eine Entscheidung, die zu einem unfassbaren Verbrechen führt. Dieses Verbrechen wird die Geschichte der Stadt für immer verändern.

Erfurt 1998

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20.000 Menschen leben 1349 in Erfurt. Bildrechte: MDR/Andreas Lander

Bei Bauarbeiten machen Arbeiter einen spektakulären Fund: Mitten in der Stadt finden sie einen kostbareren Schatz aus dem Mittelalter. Ein Schatz, wie er nie zuvor in Deutschland entdeckt wurde. Dazu gehören mehr als 3.000 französische Silbermünzen, 14 Silberbarren und mehr als 700 weitere wertvolle Gegenstände - teure Broschen, einige Ringe, mittelalterliche Gürtelteile, zahlreicher Gewandbesatz und eine kleine, kunstvoll gearbeitete Dose. Unbestreitbares Highlight des Schatzes ist ein aufwendig gearbeiteter jüdischer Hochzeitsring. Das Grundstück, unter dem der Schatz gefunden wurde, gehörte im Jahr 1349 dem jüdischen Bankier Kalman von Wiehe.

Was steckt hinter dem Erfurter Schatz?

Geschichte Mitteldeutschlands erzählt die Geschichte hinter dem berühmten Erfurter Schatz. Es ist die Geschichte des 21. März 1349. Es ist eine Geschichte, die Erfurt für immer verändern wird. Es ist eine Geschichte von drei Männern - von denen nur einer die dramatischen Ereignisse überleben wird.

Bilder aus dem Film

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Diese Folge der Reihe "Geschichte Mitteldeutschlands" folgt der Spur dieses Schatzes und ins Jahr 1349, ins mittelalterliche Erfurt. Etwa 20.000 Menschen leben damals in der Handelsstadt - Christen und Juden weitgehend friedlich nebeneinander. Doch warum kommt es im März 1348 dann zu einem fürchterlichen Morden, bei dem an die 1000 Menschen sterben? Bildrechte: MDR/Andreas Lander
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Diese Folge der Reihe "Geschichte Mitteldeutschlands" folgt der Spur dieses Schatzes und ins Jahr 1349, ins mittelalterliche Erfurt. Etwa 20.000 Menschen leben damals in der Handelsstadt - Christen und Juden weitgehend friedlich nebeneinander. Doch warum kommt es im März 1348 dann zu einem fürchterlichen Morden, bei dem an die 1000 Menschen sterben? Bildrechte: MDR/Andreas Lander
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1998 wurde in Erfurt bei Bauarbeiten ein Schatz gefunden: Dazu zählten mehr als 700 Gegenstände aus Gold und Silber, über 3.000 Silbermünzen und aufwändig gearbeiteter Familienschmuck. Wem gehörte der kostbare Fund und warum wurde er vergraben? Was damals genau geschah, verraten Akten im Stadtarchiv Erfurt: Steuerunterlagen, Besitzurkunden und Gerichtsprotokolle. Bildrechte: MDR/Andreas Lander
Schauspieler Robert Viktor Minich in seiner Rolle als jüdischer Bankier und Geldverleiher Kalman von Wiehe.
So zeigen Steuerakten von 1348, dass der Jüdische Bankier Kalman von Wiehe (gespielt von Robert Viktor Minich) mitten in der Stadt wohnte, unmittelbar an der großen Handelsstraße. In dem Viertel lebten den Unterlagen zufolge Juden und Christen Tür an Tür, sind Teil der gehobenen Stadtgesellschaft. Doch 1349 ist Kalman von Wiehe beunruhigt - er vergräbt seine Wertsachen in einem Versteck im Erdboden. Doch warum? Bildrechte: MDR/Andreas Lander
Schauspieler Robert Viktor Minich in seiner Rolle als jüdischer Bankier und Geldverleiher Kalman von Wiehe.
Im mittelalterlichen Erfurt leben Juden nicht als Randgruppe der Gesellschaft in der Stadt, sondern sind ganz normaler Teil der (gehobenen) Gesellschaft. Sie dürfen zwar nicht alle Berufe ausüben, denn die Zünfte waren quasi christliche Körperschaften - wodurch Nichtchristen von Handwerksberufen ausgeschlossen waren. Ausnahme: Wer als Handwerker Produkte herstellte, die religiösen Reinheitsvorschriften entsprechen: Bildrechte: MDR/Andreas Lander
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Hasen, Esel oder Schweine dürfen nach jüdischen Glaubensvorschriften nicht verzehrt werden. Durch die rigorose Zünfte-Ordnung müssen die meisten Juden ihren Lebensunterhalt anders bestreiten und arbeiten im Fernhandel oder mit Geldgeschäften, so wie Kalman von Wiehe. Das macht sie in der Bevölkerung allerdings nicht beliebt. Bildrechte: MDR/Andreas Lander
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Im Sommer 1348 grassiert die Pest - zusammen mit Berichten über das Massensterben und dem Gerücht, hinter der Pest stecke eine riesige Verschwörung der Juden, die das Trinkwasser in Brunnen und Flüssen vergifteten und so die Seuche verbreiten. Dass Rattenflöhe die Pest übertragen, ist damals noch nicht bekannt. Bildrechte: MDR/Andreas Lander
Robert Viktor Minich in seiner Rolle als Kalman von Wiehe.
Auch in Erfurt vergiften die Gerüchte die Beziehungen zwischen Christen und Juden. Bildrechte: MDR/Andreas Lander
Ein Mann lehtn sich mit einem ausgestreckten Arm an eine Gewölbemauer.
Auch Gunzel von Rockstedt (Merten Schroedter) glaubt den Gerüchten. Er ist einer der reichen Bürger von Erfurt und sucht sich Mitverschwörer - Männer, die nicht davor zurückschrecken, die jüdischen Erfurter zu töten. Bildrechte: MDR/Andreas Lander
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Hugo Lange, (gespielt von Sebastian Kowski), ein mächtiger Ratsherr, kennt die Gerüchte und sorgt sich um die Ruhe in der Stadt. Stadt und jüdische Gemeinde sind lange miteinander verbunden - im Erfurter Judeneid, einer Schwurformel für Juden bei Rechtsstreitigkeiten mit Christen, ausgestellt vom Erfurter Stadtherren. Zudem leisten die Juden Zahlungen – nicht nur normale Steuern, sondern auch Extra-Abgaben, etwa an den Mainzer Erzbischof. Und auch eine Art Schutzgeld, das eigentlich dem König zusteht. Doch er wird das Morden an den jüdischen Erfurtern nicht verhindern ...

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Robert Viktor Minich in seiner Rolle als Kalman von Wiehe.
Auch in Erfurt vergiften die Gerüchte die Beziehungen zwischen Christen und Juden. Bildrechte: MDR/Andreas Lander

Zuletzt aktualisiert: 07. August 2016, 19:11 Uhr