Geschichte Mitteldeutschlands | 13.08.2017 | 20:15 Uhr Karl Marx - Staatsfeind Nr. 1

Gut 200 Jahre nachdem Karl Marx in Trier geboren wurde, feiert der Philosoph ein überraschendes Comeback. Seine fundamentale Kapitalismuskritik scheint plötzlich wieder hochaktuell. Doch wer war der Mann eigentlich, dessen Schriften das 20. Jahrhundert so entscheidend prägten? Im Osten wurde er zum unfehlbaren Heros stilisiert und pikante Details seiner Biografie unter den Teppich gekehrt, im Westen galt er jahrzehntelang als Unperson.

Karl Marx - Zigarre rauchend - am Schreibtisch sitzend
Versunken in seine Arbeit: Karl Marx im Londoner Exil Bildrechte: MDR/Andreas Lander

Karl Marx lebt seit 1849 in London. Gemeinsam mit seiner Frau, der geborenen Baronesse Jenny von Westphalen, drei Kindern und einer Haushälterin muss sich der Philosoph im Armenviertel Soho eine schäbige Zweiraumwohnung teilen. Marx empfängt in seiner Küche häufig weitgereiste Gäste. Sein "Bund der Kommunisten" ist eine kleine aber international gut vernetzte revolutionäre Geheimorganisation.

Im Visier des Geheimdienstes

Karl Marx mit Polizeikommissar Stieber
Bildrechte: MDR/Andreas Lander

Und genau das macht Marx für Preußens Geheimpolizei so interessant. 1949 war Marx vor der Geheimpolizei nach England geflohen. Doch die preußische Geheimpolizei hat den Kopf der kommunistischen Bewegung auch dort im Visier. Der preußische Geheimdienstchef Wilhelm Stieber besucht Marx sogar unter falscher Identität in seiner Wohnung in London. Im Oktober 1852 beginnt in Köln der sogenannte Kommunistenprozess. Mit Hilfe gestohlener und gefälschter Dokumente werden sieben der treuesten Anhänger Karl Marx´ zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt.

Private Schicksalsschläge

Karl Marx mit seinen beiden Töchtern
Marx der Familienvater. Vier seiner sieben Kinder sterben im Kindesalter. Bildrechte: MDR/Andreas Lander

Hilflos muss Marx von London aus zusehen, wie seine Genossen in die preußischen Gefängnisse wandern. Und auch privat wird seine Familie immer wieder von Schicksalsschlägen heimgesucht. Vier seiner sieben Kinder sterben im Kindesalter. Die Familie Marx leidet notorisch unter Geldnot. Immer wieder muss sein Freund Friedrich Engels mit Geld aushelfen. Seine Frau Jenny, eine Adelige, hält trotz allem immer zu ihm – auch noch, als Karl Marx das Hausmädchen der Familie schwängert.

In der aufwendig produzierten Dokumentation begeben wir uns auf die Spuren des Philosophen. Gestützt auf private Briefe, auf Geheimdienstdossiers und die Spitzelberichte des preußischen Innenministeriums, zeichnen wir das spannende Porträt eines vom Schicksal schwer gebeutelten Visionärs.

Genie mit Widersprüchen

Marx´ Leben gleicht einer Achterbahnfahrt. Zwischen Euphorie und Depression schwankend, ist er ein Genie mit vielen Macken: Geldverschwender, Macho und Ehebrecher, Dandy und Zocker aber auch Herzensbrecher, Kindernarr, einfühlsamer Poet und - last but not least – der wohl wirkungsmächtigste Philosoph, den die Welt bis heute gesehen hat: Marx gründliche Analyse des kapitalistischen Systems wird von der Geschichte bestätigt. Die von ihm prophezeite Konzentration des Kapitals in den Händen einiger weniger ist heute Realität. Ebenso wie die Bedeutungslosigkeit nationaler Grenzen angesichts weltweit fließender Geld- und Warenströme.

Das Filmteam Buch/Regie: André Meier
Regie Spielszenen: Saskia Weisheit
Kamera: Torbjörn Karvang/ Johannes Praus, bvk
Schnitt: Thomas Kleinwächter
Musik: Philipp E. Kümpel/ Andreas Moisa
Besetzung: Maria Rölcke, Cornelia Mareth
Produktionsleitung: Sascha Beier
Producerin: Katrin Thomas
Produzentin: Simone Baumann

Besetzung:
Kai Schumann als Karl Marx
Thomas Chemnitz als Wilhelm Stieber
Nele Niemeyer als Jenny Marx

Zuletzt aktualisiert: 27. Juli 2017, 16:39 Uhr