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Die Spur der Ahnen | 28.06.2017 Meine Eltern - Spione bei der Wismut?

Harald Scholz wurde in Freital von seiner Oma großgezogen. Als Rentner geht er seiner Familiengeschichte nach: Angeblich waren seine Eltern Spione bei der Wismut. Die Spuren führen Harald Scholz bis nach Moskau.

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Harald Scholz ist ohne Eltern in Freital bei Dresden aufgewachsen: Sein Vater verschwindet 1951 spurlos - angeblich wurde er von den Russen verschleppt. Auch seine Mutter lernt er kaum kennen.

Schwanger - und verhaftet

Jutta Scholz
Jutta Scholz Bildrechte: SW-Film

Die 25-jährige Jutta Scholz wird wegen Spionage verhaftet, als sie mit Harald schwanger ist. Harald kommt im Frauengefängnis Hoheneck auf die Welt. Gleich nach der Geburt wird er von seiner Mutter getrennt und wächst bei seiner Oma auf. Die bittere Konsequenz: Als die Mutter Jahre später aus der Haft entlassen wird, hat ihr Sohn keine Erinnerung mehr an sie und fürchtet sich vor der für ihn so fremden Frau.


Waren die Eltern Spione?

Gefängnisraum
Harald Scholz recherchiert zur Geschichte seiner Eltern. Bildrechte: © SW Film

Bis heute weiß Harald Scholz nicht, warum seine Mutter in Hoheneck einsaß, in der berüchtigten Frauenhaftanstalt in Sachsen. Auch über das Schicksal seines Vaters Günther Rehlich weiß er so gut wie nichts. Als Rentner will Harald das Rätsel um seine Familie und sein eigenes Leben lösen. Was ist mit seinem Vater passiert? Warum wurde er verhaftet? Waren seine Eltern wirklich Spione bei der Wismut? Das Uranbergbaugebiet rund um das Erzgebirge war damals ein Spionage-"Hotspot". Es war für westliche Geheimdienste wie die CIA oder den BND-Vorläufer "Organisation Gehlen" extrem wichtig, um zu erfahren, ob die Sowjets mit dem hier abgebauten Uranerz wirklich eine Atombombe bauen konnten. Die Sowjets wiederum machten aus dem Wismut-Gebiet eine Art Staat im Staate, mit eigener Gerichtsbarkeit; die Arbeitern musste ihre Ausweise abgeben und erhielten stattdessen einen Schachtausweis, den sie immer bei sich haben mussten.

Ein graubärtiger Mann in schwarzer Jacke und eine rothaarige Frau stehen neben einem gelbblühenden Busch; im Hintergrund ein Haus in einem Garten.
Harald Scholz und seine Frau Jutta vor ihrem Haus in Freital. Harald Scholz wurde von seiner Großmutter aufgezogen und will herausfinden, was mit seinen Eltern geschah. Bildrechte: SW Film
Ein graubärtiger Mann in schwarzer Jacke und eine rothaarige Frau stehen neben einem gelbblühenden Busch; im Hintergrund ein Haus in einem Garten.
Harald Scholz und seine Frau Jutta vor ihrem Haus in Freital. Harald Scholz wurde von seiner Großmutter aufgezogen und will herausfinden, was mit seinen Eltern geschah. Bildrechte: SW Film
Jutta Scholz
Jutta Scholz, die Mutter von Harald Scholz. Als 25-jährige wird sie verhaftet und kommt ins Frauengefängnis Hoheneck. Bildrechte: SW-Film
Gruppenfoto in SW.
Ein einziges Foto zeigt Harald Scholz' Vater, als Kind - das zweite von rechts in der vorderen Reihe. Bildrechte: SW Film
Harald Scholz im Bergbaumuseum Freital
Erst als Rentner will Harald Scholz sich seiner Familiegneschichte stellen: Warum wurden seine Mutter und sein Vater verhaftet? Bildrechte: SW Film
Harald Scholz im Gespräch mit Carsten Wedekind, Leiter Bereich Sanierung Aue/Königstein, Wismut GmbH
Die Suche beginnt zunächst im Bergbaugebiet der Wismut. Hier hat der Vater gearbeitet. - Harald Scholz hier im Gespräch mit Carsten Wedekind, dem Leiter des Bereichs Sanierung Aue/Königstein, Wismut GmbH. Bildrechte: SW Film
Blick aufs Gefängnis Hoheneck
Im Frauengefängnis Hoheneck kommt Harald Scholz zur Welt. Hier war seine Mutter mehrere Jahre eingesperrt. Bildrechte: SW Film
Ein Paar steigt die Treppen im Gefängnis Hoheneck hinab
Als sie wieder entlassen wird, erkennt der Sohn, der bei der Oma lebt, seine Mutter nicht mehr und hat Angst vor der "fremden Frau". Bildrechte: SW Film
Ein Mann steht in einem Gefängnisraum zwischen Etagenbett-Gestellen ohne Matratzen. Von den Wänden blätettert die Farbe ab, die Fenster sind vergittert.
Auf der Suche nach Informationen über seine Eltern forscht Harald Scholz auch im Gefängnis Hoheneck nach und sieht das erste Mal, unter welchen Umständen seine Mutter lebte und ihn zur Welt brachte. Bildrechte: © SW Film
Auszug aus einem Gnadengesuch
Haralds Scholz' Vater letzter, verzweifelter Versuch, dem Todesurteil zu entgehen. Bildrechte: SW Film
Moskau - Gedenkstätte
Eine Gedenkstätte in Moskau für die vielen Menschen, die wie Harald Scholz' Vaters zu Unrecht hingerichtet wurden. Bildrechte: SW Film
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Ein Paar steigt die Treppen im Gefängnis Hoheneck hinab
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Berührende Suche - Begegnungen mit den Lebensstationen der Eltern

Harald Scholz besucht während seinee Spurensuche die Orte, die für seine Eltern schicksalhaft waren: In Freital und Hoheneck recherchiert er in den Archiven in alten Unterlagen nach Vermerken über seine Eltern. Die Spuren führen ihn schließlich über Berlin weiter bis nach Moskau. Was hat der sowjetische Geheimdienst mit dem Verschwinden seines Vaters zu tun? Liegt die entscheidende Antwort tatsächlich in den Archiven des KGB?

Über dieses Thema berichtet der MDR auch im TV: Die Spur der Ahnen | 08.06.2016 | 21:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Juni 2016, 19:31 Uhr