Beinling, Leggin, Pantalon 5.000 Jahre Strumpf-Geschichte(n)

Kindergartenkinder deuten auf ihre Schuhe.
Sie ist warm, sitzt wie angegossen und ist seit 60 Jahren aus deutschen Kindergärten nicht wegzudenken: 1957 wurde die Kinderstrumpfhose im VEB Thüringer Strumpfwarenfabrik Diedorf im Eichsfeld erfunden. Doch die Geschichte der Strumpfhose ist viel, viel älter... Bildrechte: IMAGO
Kindergartenkinder deuten auf ihre Schuhe.
Sie ist warm, sitzt wie angegossen und ist seit 60 Jahren aus deutschen Kindergärten nicht wegzudenken: 1957 wurde die Kinderstrumpfhose im VEB Thüringer Strumpfwarenfabrik Diedorf im Eichsfeld erfunden. Doch die Geschichte der Strumpfhose ist viel, viel älter... Bildrechte: IMAGO
Ötzi Wachsfigur mit Beinlingen aus Fell
Wie?! Ötzi trug Strumpfhosen?! Nein, natürlich nicht! Aber der weltberühmte Gletschermann, der vor rund 5.500 Jahren in den Südtiroler Alpen lebte, trug immerhin so etwas wie Strümpfe. Genau genommen waren es Beinlinge aus Fell, die den Steinzeit-Jäger vor Kälte schützten. Bildrechte: dpa
Leggins der Crow-Indianer
Auch die Indianer Nordamerikas benutzten bis ins 19. Jahrhundert Beinlinge, besser bekannt als Leggins. Hier ein prächtiges Paar des Prärieindianer-Stammes der Crow. Bildrechte: IMAGO
Eskimo-Leggins aus Eisbärenfell
Die Eskimos in Nordamerika und Grönland fertigten ihre Leggins aus Eisbärenfell. Bis heute ziehen viele Inuit-Jäger Hosen aus diesem Material jedem High-Tech-Beinkleid vor. Bildrechte: IMAGO
Krieger des Königreichs Aragon im 11. Jahrhundert
Auch im europäischen Mittelalter waren Beinlinge sehr verbreitet: Wie bei diesem aragonischen Kämpfer des 11. Jahrhunderts wurden sie mit Bändern an der "Bruoch" befestigt, einem unserer Jogginghose nicht unähnlichen Bekleidungsstück. Bildrechte: IMAGO
Männer mit Beinlingen auf einem Gemälde von Luca Signorelli 15. Jahrhundert
Bis ins 15. Jahrhundert wurden die Beinlinge immer länger, sodass nur noch jemand auf die Idee kommen musste, sie einfach mal mit der Hose zusammenzunähen. Bildrechte: IMAGO
Buch-Miniatur von 1478 - Leben des Jaques le Grand
Irgendwann im 15. Jahrhundert war es dann soweit: Ein schlauer Mensch hatte den Einfall, die Beinlinge durch einen dazwischen genähten Zwickel zu einem einzigen Kleidungsstück zu fusionieren. Die "Ur-Strumpfhose" war geboren - die offenbar auch recht strapazierfähig war. Bildrechte: IMAGO
Richard Sackville, 3rd Earl of Dorset, Miniatur von Isaac Oliver, 1616
Im 16. Jahrhundert war es aber schon wieder vorbei – mit der Einheit im Beinkleid. Da kamen die prächtigen spanischen Heerpauken in Mode. Vermutlich war es praktischer, die Strümpfe separat von der gepolsterten Oberschenkelhose zu halten - und auch zu waschen! Die Strümpfe wurden nun wieder mit Bändern an die Hose "angenestelt". Bildrechte: IMAGO
König Jakob I. von England, Porrtrait von John de Critz oder Paul van Somer, 1623
Als die Hosen im 17. Jahrhundert Knielänge erreichten, hatte es sich aber erledigt mit der zeitraubenden "Annestelei". Die Strümpfe hielten nun auch so. Bildrechte: IMAGO
Napoleon Bonaparte, Gemälde von Jacques-Louis David, 1812
Ende des 18. Jahrhunderts kehrte die Strumpfhose als Unterhose (Pantalons) ans männliche Bein zurück. Darüber wurden bis ins 19. Jahrhundert Kniebundhosen (Culottes) getragen. Auch der Franzosen-Kaiser Napoleon ging 1812 ganz mit der Strumpfmode. Bildrechte: IMAGO
Dame mit Seidenstrümpfen um 1900
Auch die unteren Extremitäten der Weiblichkeit fanden Wohlgefallen am eng anliegenden Beinkleid. Die hautengen Pantalons des ausgehenden 18. Jahrhunderts wurden allerdings im 19. Jahrhundert durch Seidenstrümpfe abgelöst, die wieder mit Bändchen befestigt werden mussten. Männer hatten sich da längst als Protagonisten beinlanger Strumpfmode verabschiedet. Bildrechte: IMAGO
Frauen begutachten einen Nylonstrumpf in einem Londoner Kaufhaus im Jahre 1946.
Allerdings war es ein Mann, der dem weiblichen Bein die größte Errungenschaft vor modernen Epiliergeräten bescherte. Der US-Chemiker Wallace Hume Carothers entwickelte 1935 die Nylonfaser, aus der wenig später die ersten Nylonstrümpfe hergestellt wurden. Bis 1940 wurden fünf Millionen Paar verkauft. Nach dem Zweiten Weltkrieg fassten Nylons auch in Europa wortwörtlich "Fuß". Bildrechte: IMAGO
Ballett-Tänzerinnen der Londoner White Lodge 1957 in Strumpfhosen
Tänzerinnen waren die ersten, die seit den 20er-Jahren Strümpfe mit Unterhosen vernähten. Allerdings kamen erst seit 1959 richtige Strumpfhosen aus synthetischem Material (panty hoses) auf den Markt. Den Durchbruch brachte 1965 der Mini-Rock. Die Ballett-Tänzerinnen der Londoner White Lodge dürften sehr erfreut gewesen sein. Bildrechte: IMAGO
Produktion von Damen-Feinstrumpfhosen aus Dederon im VEB Esda in Thalheim 1983
Im Westen wurden Nylon- oder Perlon-Strumpfhosen schon bald zum Massenprodukt. Im Osten blieben sie lange noch Mangelware. In der DDR wurde ab den 60er-Jahren die Polyamid-Faser Dederon zum Grundstoff für moderne Strümpfe und Strumpfhosen. Auch im VEB Esda in Thalheim wurden 1983 Damen-Strumpfhosen auf Dederon-Basis produziert. Bildrechte: dpa
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