Essen & Geschichte Das Vollkornbrot

Unser täglich Brot ...

Es ist uralt und kommt trotzdem nicht aus der Mode: das Brot. Genauer: das Vollkornbrot. Für viele gehört es zur gesunden Ernährung dazu. Dabei ist der Mythos ums Vollkornbrot jünger als wir meinen ...

Es ist vegan oder bio oder regional. Oder es ist sogar alles zusammen: das scheinbar schlichte Vollkornbrot. Und es kann noch mehr: Es ist eines der wichtigsten Lebensmittel und ein Symbol für das Essen an sich. Schon seit 6.000 Jahren spielt das Brot eine entscheidende Rolle.

Brot ist typisch Deutsch

Die deutsche Küche definiert sich ganz stark über das Brot. Es gehört zur deutschen Identität dazu – das einfache Brot. Das einfache Essen gegen Frankreich, was diese künstliche Vielfalt hat. D.h., es gehört quasi zum deutschen Wesen: Ich bin ein Brotesser. Und ich bin ein Vollkornbrotesser. Mit zum Teil fatalen politischen Anklängen.

Christopher Klotter, Ernährungsexperte
Eine Hand greift in einem Naturkostladen nach einem glutenfreien Brot
Brotverkauf heute: Ob mit oder ohne Gluten, das müssen Menschen mit Zöliakie wissen. Bildrechte: dpa

Mitte des 19. Jahrhunderts beginnt die Wissenschaft, sich mit der Ernährung auseinanderzusetzen. Zur gleichen Zeit entsteht in Deutschland das Bild vom "Arier", das sich über rassische und ethnische Merkmale prägt - und über das Essen. Ernährungsexperte Christoph Klotter zufolge entwickelte sich die Haltung, dass ein deutscher Arier Vollkornbrot essen muss, um stark zu sein. Das weiße Brot mache nicht stark.

Brot-Propaganda in der NS-Zeit

Die Nationalsozialisten überwachen selbst den Essenstisch. Ab 1939 kontrolliert der Reichs-Vollkornausschuss den Brotverzehr der Deutschen. Bauern, Müller und Bäcker werden überprüft und es gibt eine eigene Vollkorn-Gütermarke. In den Lagern der Hitlerjugend soll die Hälfte des Essens mit anerkanntem Vollkornbrot abgedeckt werden. Das alles hat einen Hintergrund: Mit Kriegsbeginn soll das Brot Lücken bei der Fleisch- und Fettversorgung ersetzen. Das Ziel war es, von Rohstoffimporten unabhängig und trotzdem leistungsfähig zu bleiben.

DDR stützt Brotpreise bis zum Ende

Bis in die 1950er-Jahre hinein ist der Hunger vor allem in der Sowjetischen Besatzungszone und in der DDR sehr präsent. Die Bodenreform von 1945 soll eigentlich schnell zu einer ausreichenden Versorgung führen. Tatsächlich wird diese aber über Jahre mit Lebensmittelkarten geregelt, mit Tagesrationen von bis zu gerade mal 300 Gramm Brot.

Brot
Brot ist inzwischen ein Statement der individuellen Lebensweise Bildrechte: Colourbox.de

Der Hunger spielt auch beim Volksaufstand am 17. Juni 1953 eine Rolle. Danach führt das SED-Regime staatlich gestützte Brotpreise ein. Bis zum Ende der DDR bleibt das Brot billig und wird subventioniert. Das hat sogar die Folge, dass weggeworfenes Brot bald fest für die Schweinemast als Futtermittel eingeplant wird.

Inzwischen gibt es viele verschiedene Brotsorten, für verschiedenste Geschmäcker. Ein Brot ist heute kein Propaganda-Gegenstand mehr, sondern ein Statement. Die Entscheidung für eine Sorte muss aber jeder selbst treffen.

Über dieses Thema berichtet der MDR auch im TV: ZEITREISE Magazin | 11.07.2017 | 21:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Juli 2017, 13:44 Uhr