1220: Übersetzung des Sachsenspiegels Eike von Repgow

(um 1180 bis nach 1233)

Sächsisches Stammesrecht so darzustellen, wie er es vorfand, war ein Anliegen des Verfassers des bedeutendsten Rechtsbuches des deutschen Mittelalters, Eike von Repgow. Spärlichen urkundlichen Erwähnungen kann man entnehmen, dass er um 1180 geboren wurde und, da er nach 1233 in keinem Schriftstück mehr genannt wird, in den Jahren nach 1233 gestorben sein muss. Er entstammte einem edelfreien Geschlecht, das seinen Namen nach dem Dorf Reppichau bei Dessau führte.

Eike von Repgow stand in enger lehensrechtlicher Verbindung zu Graf Hoyer von Mansfeld. Zwischen 1209 und 1233 benennen die Urkunden Eike häufig im Gefolge des Grafen Heinrich von Anhalt, als Zeuge in Rechtsgeschäften. Für seine Werke wurden aber besonders seine Erfahrungen als Schöffe wichtig. Sicheren Aufschluss über Stand und Beruf, Erziehung und Ausbildung gewähren die kargen Quellen jedoch nicht. Allein das Werk lässt auf seinen Verfasser schließen. Die Beschaffenheit des Sachsenspiegels deutet darauf hin, dass Eike eine für seine Zeit überdurchschnittliche, weltliche Bildung besessen haben muss. Er erweist sich als politisch wohl informiert und in der Rechtspraxis erfahren, verfügt zudem über gute Latein- und Bibelkenntnisse. Darüber hinaus jedoch bleibt seine Vita ein Objekt der Spekulation.

Der Sachsenspiegel ist nach dem Mühlhausener Reichsrechtsbuch die älteste erhaltene Gesetzessammlung. Seine Niederschrift war langwierig und beschwerlich. Das zuerst in lateinischer Sprache verfasste Rechtsbuch übersetzte Eike von Repgow auf Anraten seines Lehensherrn, des Grafen Hoyer von Mansfeld, zwischen 1220 und 1235 auf dessen Burg Falkenstein ins Deutsche. Eike verband dabei hoch- und niederdeutsche Sprachelemente, wodurch der Sachsenspiegel eine so große Verbreitung finden konnte und heute als bedeutendes Zeugnis für die beginnende Vereinheitlichung der deutschen Schriftsprache geschätzt wird.

Welche Absicht verfolgte der Repgower mit dem Rechtsbuch?
Er gibt die Antwort in einer seiner Vorreden: Er will das ererbte, durch Tradition in seiner Tragfähigkeit ausgewiesene Recht sammeln, um es zu bewahren. Sein Buch soll das Medium dieser gerechten Lehre sein, soll das Recht jenseits von individuellem Nutzen oder Nachteil aufzeichnen, soll Berufungsmöglichkeit für Mächtige und Bedürftige bieten. Durch die Verschriftlichung aber kann der Rechtsbestand von "modernen", "verderblichen" Einflüssen freigehalten werden. Was Eike hier unternahm, war der ehrgeizige Versuch, das über einen langen Zeitraum gewachsene Gewohnheitsrecht des sächsischen Raumes zur verbindlichen Quelle der Rechtspraxis zu machen: Wie den Frauen durch einen Spiegel ihr Antlitz bekannt würde, so solle durch den Sachsenspiegel das Recht der Sachsen allgemein publik werden.

Der Sachsenspiegel versprach den rechtlichen Regelungsbedarf der Menschen langfristig abzudecken und wurde deshalb bald nach seinem Erscheinen zur Vorlage weiterer Rechtsbücher: des "Spiegels deutscher Leute" und des "Schwabenspiegels". Er existiert heute in zahlreichen Handschriften, die ihren Weg nicht nur bis an den Niederrhein fanden, sondern im Handgepäck deutscher Siedler sogar bis nach Ostmitteleuropa gelangten. Einzelne Bestimmungen wurden in nord- und ostdeutsche Stadtrechte übernommen, als subsidiäre Rechtsquelle blieb der Sachsenspiegel in Sachsen bis 1863, in Anhalt und Thüringen bis 1900 in Kraft.

Literaturtipps

Clausdieter Schott (Hrsg.), Eike von Repgow. Der Sachsenspiegel, Zürich 1996

Heiner Lück, Über den Sachsenspiegel. Entstehung, Inhalt und Wirkung des Rechtsbuches, Halle 1999

Zuletzt aktualisiert: 26. August 2007, 18:40 Uhr