19. Juni 1811: Der erste deutsche Turnplatz Friedrich Ludwig Jahn

(1778-1852)

Am 11. August 1778 kam in Lanz bei Lenzen im heutigen Land Brandenburg Friedrich Ludwig Jahn zur Welt. Der Sohn des Dorfpfarrers besuchte das Gymnasium zum Grauen Kloster in Berlin bevor er zwischen 1796 und 1803 unter anderem in Halle und Greifswald Theologie studierte, ohne das Studium jedoch abzuschließen. Seit 1802 hatte er eine Hauslehrerstelle in Neubrandenburg inne.

Der Sieg Napoleons bei Jena und Auerstedt 1806 und die Niederwerfung Deutschlands trugen maßgeblich zum Entschluss des 28jährigen Jahn bei, fortan für die Einheit und Freiheit Deutschlands zu wirken.

1808 besuchte er die Erziehungsanstalt Schnepfenthal, in der Johann Friedrich GutsMuths seit 1785 sein System der pädagogischen Leibesübungen entwickelt hatte. Dessen Grundanliegen war es, durch gymnastischen Unterricht parallel zum Geist auch den Leib zu üben, da die geistige Entwicklung des Menschen von der körperlichen abhängig sei. Hier in Schnepfenthal studierte Jahn die pädagogische Gymnastik quasi an ihrer Quelle und übernahm den dortigen Übungskanon mit einigen Erweiterungen in sein "Turnen".

Seit 1809 als Lehrer am Grauen Kloster tätig, begann Jahn seine Schüler an Leibesübungen und Spiele im Freien heranzuführen. Bereits nach zwei Jahren – im Juni 1811 – öffnete der erste deutsche Turnplatz auf der Berliner Hasenheide.

Zum Turnen, das Knaben und junge Männer hier betrieben, zählten Übungen an Geräten, Spiele, so genannte volkstümliche Übungen, u. a. Laufen und Springen, Stemmen, Klettern sowie Fechten, Schwimmen und Ringen und verschiedene Spiele. Obwohl manche der Geräte heute noch im Geräteturnen benutzt werden und obwohl die volkstümlichen Übungen Ähnlichkeiten mit leichtathletischen Disziplinen aufweisen, unterscheiden sich Normen und Werte, Intentionen, Prinzipien und Kontexte des Jahnschen Turnens grundlegend vom modernen Turnen und Sport.

Dies lässt sich am besten an den Laufformen demonstrieren. Jahn nannte in seiner zusammen mit Eiselen herausgegebenen "Deutschen Turnkunst" von 1816 zahlreiche Laufarten: unter anderem das Rennen, den Schlängellauf, den Zickzacklauf, den Rücklauf (Rückwärtslaufen) und den Sturmlauf hinauf auf eine Anhöhe. Alle Laufübungen konnten als Schnelllauf oder Dauerlauf und als Lastlauf mit Gepäck oder Lediglauf ohne Gepäck betrieben werden. Den Dauerlauf beschreibt Jahn folgendermaßen: "Beim Wettrennen gebührt dem der Preis, der den weitesten Raum in der kürzesten Zeit zurücklegt und am Ziele unerschöpft bei guten Kräften anlangt." Im Gegensatz zum modernen Sport, z. B. zum 10.000-Meter-Lauf, ließ sich die Leistung beim Dauerlaufen der Turner nicht in Metern und Sekunden erfassen - wie sollen die "guten Kräfte" auch gemessen werden -, es war daher unmöglich, Ergebnisse über den Wettbewerb hinaus abstrakt zu vergleichen.

Das Turnen stellte Jahn in den Dienst der Nationalerziehung und verknüpfte es so mit dem politischen Ziel der Überwindung der feudalstaatlichen Zersplitterung zu Gunsten eines deutschen Nationalstaates. Turnen war zudem Teil der patriotischen Befreiungsbewegung und wurde vom Kampf gegen die französische Besatzungsmacht wesentlich geprägt.

Aufgrund seiner politischen Aktivitäten erhielt Jahn in der Besatzungszeit von staatlichen Stellen Unterstützung, nach dem Sieg über Napoleon jedoch sah er sich verfolgt, eingekerkert und später verbannt. Zutiefst verbittert nahm er 1825, um sich seine großzügige Pension zu erhalten, auf Anordnung der Polizeibehörde von aller Welt isoliert, in Freyburg an der Unstrut im "preußischen Sachsenland" seinen Wohnsitz.

1840 durch Friedrich Wilhelm IV. von Preußen rehabilitiert, setzte er sich in der Frankfurter Nationalversammlung 1848 für ein preußisches Erbkaisertum ein.

Der Initiator der Turnbewegung starb am 15. Oktober 1852 in Freyburg an der Unstrut.

Sein Wohnhaus in Freyburg beherbergt heute das Friedrich-Ludwig-Jahn-Museum. Jährlich findet in der Stadt das Friedrich-Ludwig-Jahn Gedächtnisturnen statt, an dem Tausende Breitensportler aus aller Welt teilnehmen.

Literaturtipps: Friedrich Ludwig Jahn, Die deutsche Turnkunst, Nachdruck der Ausgabe Berlin 1816, München 1979

Zuletzt aktualisiert: 24. August 2007, 16:01 Uhr