18. Mai 1848: Für Sachsen in der Nationalversammlung Robert Blum

(1807-1848)

Robert Blum wurde als Sohn des Fassbinders Engelbert Blum am 10. November 1807 in Köln geboren. Schon acht Jahre nach seiner Geburt starb der Vater an den Folgen der Schwindsucht. Seine Mutter heiratete kurz darauf einen Schifferknecht, der vier weitere Kinder in die Ehe einbrachte, die, neben Robert und seinen beiden Geschwistern, von dem spärlichen Gehalt des Stiefvaters kaum zu ernähren waren.

Als Messdiener und Kirchenwärter ermöglichte sich Robert im Alter von 11 Jahren eigenständig den Besuch des Jesuitenkollegiums und schaffte durch großen Fleiß und Lerneifer den Sprung auf das Jesuitengymnasium. Jedoch hatte er nach erfolgreichem Abschluss der sechsten Klasse kein Geld, um seine Ausbildung fortzusetzen.

Sein Bildungshunger war dennoch nicht gestillt: Robert Blumbildet sich im Selbststudium weiter. Im Wintersemester 1830 nahm er als Gasthörer der Universität Köln erstmals am intellektuellen Leben der Großstadt teil. Beginnend mit dem 1. Oktober 1830 arbeitete er für den langjährigen Kölner Schauspieldirektor Friedrich Sebald Ringelhardt, der ihn 1832 nach Leipzig mitnahm.

Hier wurde Robert Blum jetzt auch schriftstellerisch tätig. Sein erstes veröffentlichtes Werk war die "Encyklopädie aller Wissenschaften für Bühnenkünstler, Dilettanten und Theaterfreunde unter Mitwirkung der sachkundigsten Schriftsteller Deutschlands". Außerdem arbeitete er in der Messestadt als Theaterkassierer.

Mit der Zeit wuchs sein Interesse an der Politik, und er engagierte sich besonders für die Rechte der Unterprivilegierten. Bald schon artikulierte er in dem von ihm herausgegebenen Jahr- und Volkstaschenbuch offene Vorwürfe gegen das seiner Meinung nach "marode" Gerichtswesen. Mit der Serie "Opfer des geheimen Gerichtsverfahrens, zusammengestellt vom Herausgeber" prangerte er deutsche Justizverbrechen an.

Besonders im Hinblick auf seine eigene standrechtliche Erschießung ohne rechtmäßiges Gerichtsverfahren im Jahre 1848 ist es interessant, dass er sich im Vorhinein schon persönlich dem Thema der unrechtmäßigen Justiz widmete.

Auch mit der Kirche setzte er sich kritisch auseinander, blieb jedoch immer tolerant und akzeptierte als Deutschkatholik auch die Anhänger des alten Glaubens.

1846 nahm Blums politische Aktivität neue Ausmaße an. Nach seiner Rede auf dem Balkon des Leipziger Rathauses, mit deren Aussagen er die aufgebrachte Menschenmenge auf dem Marktplatz beruhigte, wurde er mit hoher Stimmenzahl zum Leipziger Stadtverordneten gewählt. Sicherlich nicht zuletzt aufgrund seiner eigenen Jugenderfahrungen war Blums oberstes Ziel, die "gerechtere Verteilung der Güter der Erde, nicht durch Gewalt, sondern durch friedliche Ausgleichung; Beschränkung der unheilvollen Übermacht des Geldes; genügender und entsprechender Lohn der Arbeit und des Verdienstes; Erhebung der sogenannten unteren Klassen zu gleichem Menschenrecht und gleichem staatlichen Rechte".

Als Führer der liberalen Bewegung in Sachsen und Streiter für eine deutsche Republik zog er 1848 für die demokratische Linke in die Frankfurter Nationalversammlung ein. Zu seinem kometenhaften Aufstieg in der Politik des Vormärz mögen besonders sein außergewöhnliches Redetalent und sein Auftreten beigetragen haben. Seine Sympathie für die Schwachen ließ ihn nicht zögern den Wiener Freiheitskämpfern im Oktober 1848 beizustehen.

Als Beteiligter an diesen Kämpfen wurde er im Herbst 1848 verhaftet, verurteilt und am 9. November standrechtlich erschossen. Er hinterließ seine Frau und vier Kinder ohne viel Vermögen. Ihnen zu Hilfe wurde in verschiedenen Zeitungen zur Gründung von Robert-Blum-Stiftungen aufgerufen, die die Versorgung der Hinterbliebenen sichern sollte. Auch fanden in verschiedenen Städten Trauerfeiern zu Ehren Robert Blums statt. Allein 16.000-18.000 Trauergäste nahmen am Leipziger Trauerzug teil.

Gemälde: Die Erschießung Robert Blums
Gemälde: Die Erschießung Robert Blums Bildrechte: dpa

Zuletzt aktualisiert: 14. September 2007, 13:42 Uhr