1863: Brehm wird Direktor des ersten Hamburger Zoos Wer war Alfred Brehm?

(1829-1884)

Der Sohn des "Vogelpastors" - Alfred Edmund Brehm - wurde am 2. Februar 1829 in Unter-Renthendorf im Saale-Holzland-Kreis als zweites von sieben Kindern geboren. Pastor Brehm war nicht nur ein guter Familienvater und beliebter Seelsorger, sondern auch ein großer Vogelliebhaber. Schon früh zeigte er seinem Sohn die Schönheiten der heimischen Vogelwelt und öffnete ihm die Augen für die Faszination der gefiederten Tiere. Er nahm Alfred mit auf die Jagd und zeigte ihm, wie man die geschossenen Vögel abbalgen und präparieren muss.

Statt Architekturstudium - Forschungsexpedition

1844, als die Schule beendet war, sollte Alfred Architektur studieren. Dazu musste er zuerst das Maurerhandwerk lernen. Schon bald kam für Alfred, neben der täglichen Arbeit auf dem Bau, eine weitere Beschäftigung hinzu, das Zeichnen. Denn da dem ehrgeizigen Pastor Brehm die beste Ausbildung für seinen Sohn gerade gut genug war, wurde Alfred zusätzlich auf die Kunst- und Handwerkschule geschickt. Als Alfred zwei Jahre später mit der Lehre fertig war, stand ihm der Weg zur Universität offen. Die Weichen waren gestellt, und der Sohn des Pastors wäre mit Sicherheit ein guter Architekt geworden, wenn nicht 1847, von dem schwäbischen Baron von Müller, einem Freund des Vaters, das verlockende Angebot gekommen wäre, Alfred zu einer Forschungsexpedition nach Afrika mitzunehmen. Eine Reise in den fernen Süden war für den jungen Brehm viel reizvoller als staubige Hörsäle. Kurzerhand brach er das eben in Dresden begonnene Architekturstudium ab.

Trennung wegen Unstimmigkeiten

Anfangs schlossen sich Brehm und der Baron katholischen Missionaren an, später erkundeten sie Nordafrika auf eigene Faust. Mit der Zeit fand Alfred Brehm die Jagd und das Sammeln von Präparaten nicht mehr ausreichend, um das Leben der Tiere zu verstehen. Er beschloss, verschiedene Tiere selbst zu halten. Er interessierte sich nicht nur für die Tierwelt, sondern hatte auch einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit und war empört über die Sklaverei und die willkürlichen Misshandlungen der Schwarzen durch die Weißen. Inzwischen kam es immer wieder zu Differenzen zwischen dem jungen Brehm und dem Baron über die Verteilung der Arbeit. Als auch noch finanzielle Probleme auftraten, trennte man sich. Im Frühjahr 1851 kehrte Alfred Brehm nach Mitteldeutschland zurück.

Studium in Jena, Schriftsteller und Lehrer in Leipzig

In Jena begann er ein Zoologiestudium. Schon nach vier Semestern absolvierte er sein Examen, und da ihm die "Reiseskizzen" über Afrika als Dissertationsschrift anerkannt wurden, konnte er bereits am 1. Mai 1855 promovieren. 1858 zog Alfred Brehm nach Leipzig. Hier wollte er sich als freier Schriftsteller versuchen. Er publizierte in einigen Zeitschriften, unter anderem in "Die Natur" und in der Wochenzeitschrift "Aus der Heimat". Die "Gartenlaube" entwickelte sich unter seiner Mitarbeit zum führenden deutschen Familienblatt. Doch die spärlichen Honorare waren allenfalls für das sparsame Leben eines Junggesellen ausreichend. Da Brehm daran dachte, eine Familie zu gründen, nahm er eine Stelle als Geographie- und Naturkundelehrer an der Höheren-Töchterschule in Leipzig an. Die Hochzeit am 14. Mai 1861 mit seiner elf Jahre jüngeren Cousine Mathilde Reiz brachte eine warmherzige junge Frau in sein Leben.

Kurzer Ausflugin in die Wildnis

Da ihn die Lehrtätigkeit nicht auszufüllen vermochte, kam ihm 1862 das Angebot des Herzogs Ernst II. von Sachsen-Coburg-Gotha wie gerufen, diesen auf eine Jagdexpedition nach Ägypten und dem Bogosgebiet zu begleiten. Doch schon Mitte des Jahres musste er mit seiner Frau nach Deutschland zurückkehren, denn beide litten an heftigen Fieberanfällen.

Der ungestüme Zoodirektor

Kurz darauf bekam Brehm den Direktorenposten des Zoologischen Gartens in Hamburg angeboten. Voll Tatendrang und mit innovativen Ideen ging der junge Direktor an eine Umgestaltung des Tierparks. Dazu gehörte die Erhöhung der Besucherzahlen durch besondere Attraktionen ebenso wie die Jungtierzucht. Allerdings machte er sich damit nicht nur Freunde. Der Verwaltungsrat des Zoos kündigte ihm schließlich.

Wechsel nach Berlin

Schon bald darauf bekam Brehm die Leitung des geplanten Berliner Aquariums angeboten, welches am 11. Mai 1869 eröffnet werden konnte. Fünf Jahre hatte Brehm die Leitung inne. Doch auch hier eckte er mit seinem wohl wenig verbindlichen Auftreten an und musste sein Amt niederlegen. Den Unterhalt für seine Familie wollte er in Zukunft mit Vortragsreisen und als freier Schriftsteller bestreiten.

Kaum hatte er sich wieder erholt, startete er mit seinem Freund Otto Finsch 1876 zu einer Expedition durch Westsibirien. Zwei Reisen mit dem österreichischen Kronprinzen Rudolf in das Donaudelta und nach Spanien schlossen sich in den folgenden Jahren an.

Naturwissenschaft verständlich fürs Volk

Die Vielzahl seiner Erlebnisse verarbeitete Brehm in zahlreichen Aufsätzen. Nicht zuletzt in seinem größten und bekanntesten Werk - "Brehms Tierleben". Darin vermittelte er dem Leser die von ihm empfundene starke Freude an der Natur und Liebe zu den Tieren. Alfred Brehm war ein Mann der Praxis, kein trockener Theoretiker. Er wollte sein Buch für ein breites Publikum schreiben, ohne überflüssigen wissenschaftlichen Ballast und so anschaulich wie möglich. So war "Brehms Tierleben" der erste Versuch, naturwissenschaftliche Kenntnisse aus dem Elfenbeinturm der Wissenschaft herauszuholen und einem breiten Publikum zugänglich zu machen.

Unglücksjahre

Die letzten Jahre waren für Brehm von Schicksalsschlägen geprägt. 1878 starb seine Frau Mathilde. 1884, als Brehm war gerade auf einer Vortragsreise in den USA war, starb daheim sein jüngster Sohn. Vom Schicksal und harter Arbeit gezeichnet, kehrte Alfred Brehm von seiner Reise nach Deutschland zurück und erlag nur wenige Monate später am 11. November Februar 1884 in Unter-Renthendorf einem Schlaganfall.

Zuletzt aktualisiert: 01. Juli 2016, 16:13 Uhr