01. Mai 1868 Tumulte im Dresdner Theater - Die Abschiedsvorstellung Devrients Gustav Emil Devrient

(1803-1872)

Gustav Emil Devrient wurde am 4. September 1803 in Berlin geboren. Er war der jüngste Sohn von insgesamt sechs Kindern des Seidenhändlers Tobias Philipp Devrient. Die Familie war wahrscheinlich flandrischer Herkunft und gehörte zur Berliner Hugenottengemeinde. Nach der Schule begann Emil Devrient eine kaufmännische Lehre in Zwickau, brach sie aber nach kurzer Zeit ab, um sich der Schauspielerei zu widmen.

Seine Vorbilder waren zu dieser Zeit sein berühmter Onkel Ludwig Devrient, sowie sein Bruder Carl, die beide diesen Beruf ausübten. Um letzteren von seinem Engagement auszulösen, begann er seine Lehrjahre als Ersatz für seinen Bruder an der Bühne in Braunschweig, lernte dort unter dem Dramatiker und Bühnenleiter Ernst Klingemann und trat zum ersten Mal als Raoul in Schillers "Jungfrau von Orleans" auf. Daraufhin wurde Emil Devrient als "Volontair" für Schauspiel und Oper engagiert.

Gustav Emil Devrient war von Anfang an sehr strebsam. Er war keine naturwüchsige Begabung, aber es gelang ihm, seinen Mangel an physischer Kraft und natürlichem Talent durch Ehrgeiz und Kunstinstinkt auszugleichen. 1822 wechselte er an das Stadttheater Bremen und übernahm erfolgreich die Rolle des Bassisten an der Oper und des jugendlichen Liebhabers auf der Sprechbühne.

Unter der Leitung des Komponisten Carl Maria von Weber gastierte er ein Jahr später an der Hofoper Dresden als Kaspar im "Freischütz". Eine deutliche Verbesserung fand der Schauspieler in seinem Engagement in Leipzig 1824. Dort lernte er auch seine spätere Frau, Doris Boehler, kennen, die als Sopranistin im Leipziger Ensemble tätig war. Sie beeindruckte ihn nicht nur durch ihre menschliche Art, sondern auch im künstlerischen Bereich. Die erfahrene Künstlerin inspirierte ihn mit ihrer Kraft und ihrem Temperament. Sie animierte ihn, auch komische Rollen zu spielen.

Als das Stadttheater Leipzig geschlossen wurde, ging Devrient nach Hamburg. Nach einem Streit wechselte er sein Engagement und ging zusammen mit seiner Frau 1830 an das Dresdner Hoftheater. Diesem blieb der Schauspieler 38 Jahre lang treu. Dort entwickelte Devrient auch seine eigene Art der Schauspielerei, verlor sich aber teilweise in übersteigertem Virtuosentum. Auf der Bühne durfte sich ihm niemand auf eine Entfernung von drei Schritten nähern. Ein Kollege des Schauspielers führte dazu ein Beispiel aus den Proben zu "Das Leben ein Traum" an. Devrient habe in der Rolle des Prinzen Sigismund dem Kammerherrn angedroht, er werde ihn aus dem Fenster werfen. Daraufhin trat der Darsteller instinktiv einen Schritt zurück. "Mit unnachahmlicher Suffisance, ohne den Schuldigen eines Blickes zu würdigen, haucht Devrient: "Ach, bleiben Sie stehen, machen sie doch keine Bewegung, Sie ruinieren mir ja sonst das Bild!"

In diese Zeit fiel auch eine Vertiefung der gegensätzlichen Temperamente zwischen Devrient und seiner Frau. Er war emotional beherrscht, sie natürlich und lebenslustig. Nach insgesamt 17 Jahren scheiterte ihre Ehe, und sie ließen sich 1842 scheiden. Die vier Kinder, die aus dieser Verbindung hervorgegangen waren, wurden dem Vater zugesprochen.

In seiner Kunst entwickelte sich Devrient zu einem über die Grenzen Europas hinaus anerkannten Schauspieler. Neben den großen Bühnen in Deutschland, trat er in Wien, Budapest, Petersburg, Riga, London und Amsterdam vor begeistertem Publikum in ausverkauften Häusern auf. 1856 feierte er in Dresden sein 25jähriges Bühnenjubiläum, zwölf Jahre später trat er zum letzten Mal auf. Bis zum Schluss spielte er die Rolle des jugendlichen Liebhabers. Bei seiner Abschiedsvorstellung standen seine Anhänger drei Tage nach Karten an, 20.000 Vorbestellungen mussten unberücksichtigt bleiben. Es kam zu Tumulten in der Stadt.

Vier Jahre nach dem Abschied von der Bühne starb Devrient am 7. August 1872 in Dresden an den Folgen einer Grippe.

Zuletzt aktualisiert: 23. September 2010, 12:34 Uhr