Johann W. Döbereiner
Johann Wolfgang Döbereiner (1780-1849) Bildrechte: dpa

13.12.1780 Johann Wolfgang Döbereiner legt Grundstein für Periodensystem

Johann Wolfgang Döbereiner, Sohn eines Kutschers, wächst weit über seine Familie hinaus: Dank Johann Wolfgang von Goethe bekommt er in Jena eine Professur für Chemie, Pharmazie und Technologie. 1816 legt er mit seinen Entdeckungen den Grundstein für das Periodensystem der Elemente.

Johann W. Döbereiner
Johann Wolfgang Döbereiner (1780-1849) Bildrechte: dpa

Geboren in Hof am 13. Dezember des Jahres 1780 wuchs Johann Wolfgang Döbereiner in ärmlichen Verhältnissen auf einem Rittergut auf. Als Sohn des Kutschers genoss er nur dürftigen Schulunterricht. 1794 nahm er in Münchberg eine dreijährige Apothekerlehre auf, der eine fünfjährige Wanderschaft folgte. Diese führte ihn in verschiedene Apotheken nach Dillenburg, Karlsruhe und Straßburg, wo er sich autodidaktisch Kenntnisse in Chemie, Botanik und Mineralogie aneignete. 1802 zurückgekehrt, scheiterten alle Versuche des jungen Apothekers, sich selbständig zu machen.

Goethe wird auf ihn aufmerksam

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)wird zum maßgelichen Förderer Bildrechte: IMAGO

Durch Abhandlungen über chemisch praktische Probleme gelang es ihm, auf sich aufmerksam zu machen, so dass 1810 ein auf Vermittlung von Goethe zustande gekommenes Angebot, an der Universität Jena eine außerordentliche Professur für Chemie, Pharmazie und Technologie zu übernehmen, nicht ganz zufällig kam. Das fehlende akademische Diplom ersetzte der kurzerhand verliehene Titel eines Dr. phil., da seine bisherigen Veröffentlichungen "bereits unverkennbar den Stempel der Genialität und Vollendung in sich trugen".

Genie mit Hang zu praktischen Ansätzen

Damit hatte die Fakultät Weitsicht bewiesen, denn in der Person Döbereiners verbanden sich in glücklicher Weise "Genialität in den Naturwissenschaften mit praktischer Tendenz". So nahm er in den ersten Jahren seiner Tätigkeit verantwortungsbewusst die Aufsicht über Brauereien, Brennereien und andere chemische Gewerbezweige wahr, errichtete 1812 in Tiefurt eine Stärkezuckerfabrik, extrahierte um 1815 Farbstoffextrakte aus Pflanzen, stellte 1816 Versuche an, um Wassergas zu erzeugen, führte um 1828 Schmelzversuche zur Herstellung von Cölestin-Barytglas durch und untersuchte auch Gärungsprozesse.

Besonderes Augenmerk richtete Döbereiner jedoch auf die katalytische Wirkung der Platinmetalle. Bereits 1816 gelang ihm mit Hilfe von Platinmohr die Oxidation von Alkohol zu Essigsäure. Einige Jahre später glückte dem Chemiker mit der Entzündung eines Knallgasgemisches unter dem Einfluss von Platinschwamm eine der wichtigsten Entdeckungen der frühen Katalysechemie. Sie führte zur Erfindung des Döbereinerschen Platinfeuerzeugs, das zu einem begehrten Handelsobjekt wurde. Mit der Beobachtung, dass Knallgas auch mittels Iridium-Osmium-Gemischen zur Explosion gebracht werden konnte, entdeckte Döbereiner 1824 das Prinzip der später in der chemischen Großindustrie eingesetzten Mischkatalysatoren.

Vordenker des Periodensystems

Periodensystem der Elemente
Das Periodensystem der Elemente: Döbereiner lieferte die Grundlagen Bildrechte: colourbox

Döbereiner gilt außerdem als ein Vordenker des Periodensystems der Elemente. Bereits 1816 stellte er bei den Elementen Calcium, Strontium und Barium Beziehungen zwischen Eigenschaften, spezifischer Masse und Atommasse fest. Diese Erkenntnis fand in seiner berühmten Arbeit von 1829 "Versuch zu einer Gruppierung der elementaren Stoffe nach ihrer Analogie" ihren Niederschlag. Döbereiner ordnete damals bekannte Elemente in Dreiergruppen ("Triaden"), in denen das Atomgewicht des mittleren Elementes dem arithmetischen Mittel der beiden anderen Elemente entsprach. Dadurch konnte er das Atomgewicht des Broms voraussagen und das des Iridiums präzisieren. Die Döbereinersche Triadenregel bildete eine wichtige Grundlage für das um 1870 entwickelte Periodensystem der Elemente.

Wegbereiter für Chemie-Praktikanten

Schließlich war Döbereiner auch ein Wegbereiter der chemischen Praktika im Lehrbetrieb an deutschen Universitäten. Noch vor Justus von Liebig in Gießen hielt Döbereiner 1820 in Jena ein "chemisch-praktisches Collegium" ab, das sich bei den Studenten größter Beliebtheit erfreute. Kein geringerer als Goethe hatte dafür 1816 mit dem Ankauf des Hellfeldschen Hauses in der Jenaer Neugasse sowie mit der Beschaffung von Laborgeräten wichtige Voraussetzungen geschaffen. Nicht zuletzt auch aus Dankbarkeit hat Döbereiner ehrenvolle Berufungen an andere Universitäten ausgeschlagen und ist, trotz finanzieller Probleme, der Jenaer Universität treu geblieben.

In Jena ist er am 24. März 1849 gestorben.

Zuletzt aktualisiert: 15. Dezember 2016, 15:44 Uhr