22.03.1832: Der Nachlassverwalter Goethes Johann Peter Eckermann

(1792-1845)

Johann Peter Eckermann erblickte am
21. September 1792 in Winsen an der Luhe das Licht der Welt. Er entstammte ärmlichen Verhältnissen. Sein Vater betrieb zeitweise einen Hausiererhandel, in den auch der Sohn eingebunden wurde. Aus diesem Grund besuchte der Junge nur unregelmäßig die Schule, konnte gleichwohl mit 14 Jahren die Stelle eines Privatschreibers beim örtlichen Justizbeamten bekleiden.

An den Befreiungskriegen 1813/14 nahm er als Freiwilliger teil, arbeitete nach seiner Rückkehr als Registrator bei der Militärverwaltung in Hannover und trieb nebenher, meist autodidaktisch, literarische Studien. Theodor Körner, Klopstock und Schiller galt seine Aufmerksamkeit und Bewunderung, Goethe aber wird für ihn zu einem wahren Erweckungserlebnis. Ein Stipendium seiner Arbeitgeber ermöglichte ihm 1821 ein Studium der Jurisprudenz in Göttingen, welches er aber in Ermangelung konsequenterer Freigiebigkeit seiner Gönner bereits nach einem Jahr beenden musste.

Stattdessen ging er nun seiner eigentlichen Passion, der Literatur nach, und ließ einer bereits 1821 verfassten Gedichtsammlung zwei Jahre später seine "Beiträge zur Poesie mit besonderer Hinweisung auf Goethe" folgen. Den Mut, diesen literaturkritischen Versuch an Goethe zu schicken, belohnte dieser mit gesteigerter Aufmerksamkeit.

Goethe empfahl dem Verleger Cotta das Werk zur Veröffentlichung und äußerte sich dabei vor allem in eigener Sache hoffnungsvoll über den jungen Verehrer: Eckermann schien ihm geeignet, die Redaktion von Papieren zu übernehmen, "welche selbst zu leisten man wohl die Hoffnung aufgeben muß". Entsprechend freundlich war der Empfang, den man Eckermann in Weimar bereitete, als dieser sich kurz darauf persönlich bei Goethe einfand.

Dem Dichter gelang es, Eckermann als Mitarbeiter zu gewinnen und in der Folge an sich zu binden. Der Zugang zu seinem bewunderten Meister aber entschädigte den Assistenten für die Verhinderung einer eigenen Karriere, die ihm womöglich beschieden gewesen wäre. Für die Tätigkeit als Assistent erhielt er allerdings kein Honorar, so dass er sich weiter mit gelegentlichen Arbeiten über Wasser halten musste. Er gab den Engländern in Weimar Unterricht, und war von 1829 bis 1835 für die literarische und sprachliche Erziehung des späteren Großherzogs Carl Alexander zuständig.

Obgleich es ihm an äußeren Ehren nicht fehlte - 1827 erhielt er auf Goethes Betreiben die Doktorwürde der Jenaer Philosophischen Fakultät, 1842 verlieh man ihm den Hofratstitel - eine sichere Lebensstellung konnte er sich nicht erwerben. Auch der einflussreiche Goethe hat ihm eine solche nie verschafft. Die Gründung einer Familie erschien Eckermann aufgrund dieser desolaten Situation erst 1831 möglich. Er heiratete Johanna Bertram aus Hannover, mit der er 13 Jahre verlobt gewesen war, und die bereits 1834 an den Folgen der Geburt seines Sohnes starb.

Eckermann verstand sich nie als bloßer Sekretär des von ihm verehrten Meisters. Er gab stattdessen seiner Tätigkeit einen privaten Anstrich, verstand sie als Ausdruck der gegenseitigen Sympathie und des Respekts.

Die "Gespräche mit Goethe", auf des Dichters Wunsch erst nach seinem Tod erschienen, sind der Höhepunkt jener Zweisamkeit und der Grund des Eckermannschen Nachruhmes, nicht zuletzt weil es ihm gelang, das Goethe-Bild durch die Schilderung seines alltäglichen Lebens und seiner Persönlichkeit langfristig zu prägen. Das Diktum Nietzsches, man habe es hier mit dem "besten deutschen Buch" zu tun, erhob den Goethe-Verehrer gar in den Olymp deutscher Prosaliteraten.

Goethe selbst verfolgte Eckermanns Vorhaben mit wohlwollendem, gelegentlich gar kontrollierendem Blick. Schließlich galten ihm die "Gespräche" als willkommene Fortführung seiner eigenen Lebenschronik, der "Annalen", zu deren Bearbeitung er seit 1822 keine Zeit mehr gefunden hatte.

Bis 1848 beschäftigte Eckermann die Niederschrift der "Gespräche". Die Aufarbeitung des Nachlasses, zu dessen Verwalter ihn Goethe testamentarisch bestimmt hatte, und die Besorgung einer neuen, vierzigbändigen Werkausgabe des Dichters nahmen Eckermann zusätzlich in Anspruch. Doch auch diese Tätigkeit gewährleistete nicht die erhoffte Lebenssicherung: Kränklich und verschuldet blieb der beflissene Goethe-Adept bis zu seinem Tod auf die spärlichen Zuwendungen des Weimarer Hofes angewiesen.

Am 13. Dezember 1854 starb der literarische Nachlassverwalter des Dichterfürsten in Weimar.

Zuletzt aktualisiert: 23. September 2010, 11:38 Uhr