1815: Sachsen beim Wiener Kongress Detlev Graf von Einsiedel

(1773-1861)

Am 12. Oktober 1773 im sächsischen Wolkenburg geboren, war Detlev Graf von Einsiedel nach dem Besuch der Kreuzschule in Dresden und einem Studium in Wittenberg 1794 in den sächsischen Staatsdienst eingetreten. Zunächst bekleidete er das Amt des Hauptmannes im Kreis Meißen, avancierte aber schon ein Jahr später zum Obersteuereinnehmer.

Im Mai 1813 wurde er schließlich zum "Superminister" im Königreich Sachsen und zu einem der einflussreichsten Männer des Landes. Er war nicht nur Kabinettsminister und Staatssekretär des Inneren, sondern ihm unterstanden auch sämtliche Militär-, Land- und Wirtschaftsangelegenheiten.

Nach der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 geriet der sächsische König in preußische Gefangenschaft. Sein Kabinettsminister Einsiedel folgte ihm. Von Berlin aus versuchte er die Interessen Sachsens und seines Königs zu vertreten.

Einsiedel war es auch, der Sachsen 1815 auf dem von Metternich einberufenen Wiener Kongress zur Neuordnung Europas vertrat. Großer Erfolg war seinem Auftreten allerdings nicht beschieden, denn als Verbündeter Napoleons zählte Sachsen zu den Verlierern der Völkerschlacht und büßte dafür mit enormem Gebietsverlust. Auf nur noch 42 Prozent des ehemaligen Staatsgebietes schrumpfte Sachsen zusammen, die übrigen Territorien mussten zum Großteil an Preußen abgetreten werden.

Die vordringlichste Aufgabe war, die innere Ordnung im Lande nach den napoleonischen Befreiungskriegen wiederherzustellen. Mit rigidem Einsatz schaffte es von Einsiedel, schnell die ruinierten Finanzen des Staates wieder in Ordnung zu bringen und den Verwaltungsapparat in Gang zu setzen.

Reformen war er bei seiner Aufbauarbeit jedoch abgeneigt. Den nationalen Stimmen der Burschenschaften und konstitutionellen Einschränkungen der Monarchie konnte er nichts abgewinnen. Beliebt machte er sich dadurch nicht. Im Gegenteil, mit seiner streng konservativen Gesinnung schuf er sich viele Feinde. Doch Einsiedel wusste seine Kritiker und Gegner ruhig zu stellen. Konsequent baute er seine eigene Macht aus.

Auf sein Betreiben hin wurde 1817 das "Geheime Konzilium", die höchste Behörde für Gesetzgebung und Oberaufsicht im Staate, mit seinen weitreichenden Befugnissen aufgelöst. Ab jetzt hielt der Graf die gesamte Regierungsgewalt in seinen eigenen Händen, sowohl unter Friedrich August III., als auch unter dessen politisch unbedarftem und bejahrtem Nachfolger Anton.

Aber es war genau die Zentralisierung seiner Macht und sein unumstößlicher Glaube an die Restauration, die ihn immer unbeliebter werden ließen. Als er in den Septemberwirren des Jahres 1830 schließlich vor den aufgebrachten Dresdnern fliehen musste, trauerten ihm nur wenige nach.

Nach seinem Sturz widmete sich von Einsiedel dem Ausbau seiner Eisenhütten in Lauchhammer nördlich von Dresden, die er schon 1804 vom Vater übernommen hatte und 1840 in die "Gewerkschaft der Gräflich Einsiedelschen Eisenhütten" umwandelte.

Hier entwickelte er aus den eigenen Reparaturwerkstätten einen vielseitigen Maschinenbau. Auch wenn die Einsiedelschen Eisenhütten nach dem Tod Detlev Graf von Einsiedels verfielen, hatte er sich doch als Pionier um die Industrialisierung in Sachsen verdient gemacht. Er schuf die Grundlagen, auf denen wichtige Repräsentanten der mitteldeutschen Stahlindustrie wie die "Linke-Hoffmann-Lauchhammer-Werke" und die "Mitteldeutschen Stahlwerke" aufbauen konnten.

Am 20. März 1861 verstarb er in seinem Geburtsort Wolkenburg.

Zuletzt aktualisiert: 23. September 2010, 10:44 Uhr