1842: Frischer Wind für die Singakademie Halle Robert Franz

(1815-1892)

Robert Franz Julius Knauth, der sich später Robert Franz nannte, kam am 28. Juni 1815 in Halle zur Welt. Als Kind einer alteingesessenen Familie besuchte er nach der Bürgerschule die Latina der Franckeschen Stiftungen.

Während der Schulzeit erhielt Franz seinen ersten privaten Musikunterricht, anfangs bei einem Verwandten, später bei verschiedenen Lehrern der Stadt und entdeckte seine Liebe zur Musik. Es entstanden auch erste Kompositionen, die jedoch heute nicht mehr vorhanden sind.

Mit Hilfe seines Musiklehrers und Leiters des Latina-Chores der Franckeschen Stiftungen, Karl Gottlob Abela, setzte er bei seinen Eltern durch, dass er die Schule ohne Abitur verlassen durfte, um in Dessau bei dem damals berühmten Hofkapellmeister Johann Christian Friedrich Schneider Musikunterricht zu nehmen. Doch bereits nach zwei Jahren verließ der junge Franz Dessau wieder und kehrte ins Elternhaus nach Halle zurück.

Die folgenden Jahre bestand keine Aussicht auf eine Arbeitsmöglichkeit, bis ihm 1841 die Chance gegeben wurde, als Substitut des Organisten der Gemeinde St. Ulrich zu arbeiten und bereits drei Jahre später wurde er Nachfolger des Organisten. Während dieser Zeit begann Franz auch, fehlende Bildung nachzuholen. Dadurch gelangte er schon bald in den Hallenser Intellektuellenkreis um den Philosophiedozenten Arnold Ruge.

Neben seiner Organistentätigkeit war Robert Franz seit 1842 Dirigent der Singakademie in Halle geworden. Mit ihm als Leiter zog in der folgenden Zeit ein neuer Geist in den Chor ein, der sich in einer neuen Programmgestaltung und einem geänderten Verhältnis zum Publikum zeigte. Der gerade 27jährige Robert Franz fand schnell Zugang zur musikalischen Öffentlichkeit und freundete sich unter anderem mit Felix Mendelssohn Bartholdy, Franz Liszt oder auch Richard Wagner an. Doch mit der Zeit kühlten sich die Beziehungen zu den meisten dieser Musikerfreunde wieder ab. Zum einen lag dies sicherlich an Franz' streitbarem Charakter, den er immer wieder in Briefen und Äußerungen zeigte, zum anderen aber erfüllte er nicht die Erwartungen, die man an ihn stellte.

Schumann drängte ihn, Streichquartette zu komponieren und Wagner wollte Opern von ihm sehen, während Liszt seine Hoffnungen auf die Kirchenmusik setzte. Doch der Hallenser Komponist legte dessen ungeachtet ein Liederheft nach dem anderen vor. Insgesamt vertonte er bis zu seinem Lebensende 279 Lieder, davon allein 67 Gedichte von Heine, dessen Lyrik er sehr bewunderte.

Eine Wende in Franz’ Leben brachte die reaktionäre Politik Bismarcks, die der nationalen Reformbewegung entgegen lief und in großen Teilen der Bevölkerung eine Ernüchterung und wachsende Skepsis zur Folge hatte. Auch bei Robert Franz war eine gewisse politische und künstlerische Resignation zu spüren und 1858 beendete er für beinahe zehn Jahre seine kompositorische Tätigkeit und widmete sich nur noch der Herausgabe und Bearbeitung der Werke Bachs und Händels.

Ein zunehmendes Gehörleiden, das letztendlich zur Taubheit führte, zwang ihn 1867 alle öffentlichen Ämter niederzulegen. Damit wuchsen jedoch die bereits bestehenden finanziellen Schwierigkeiten der Familie noch mehr. Hilfe kam schließlich in Form eines Ehrenfonds, den ein Bewunderer des Komponisten, Dr. Arnold Freiherr Senfft von Pilsach, initiierte. Robert Franz konnte an seinem 58. Geburtstag die Summe von 30.000 Talern entgegennehmen, die ihm eine sichere Existenz verschaffte. Von finanziellen Sorgen befreit, konzentrierte er sich nochmals voll auf sein Schaffen.

Am 24. Oktober 1892 starb er in seiner Heimatstadt Halle an der Saale.

Zuletzt aktualisiert: 23. September 2010, 12:56 Uhr