1891: Ministerpräsident Sachsens Carl Friedrich Wilhelm von Gerber

(1823-1891)

In Ebeleben bei Sondershausen am 11. April 1823 geboren, wuchs Carl Friedrich Wilhelm von Gerber als Sohn bürgerlicher Eltern im heutigen Thüringen auf. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Sondershausen studierte er ab 1840 zunächst in Leipzig, dann in Heidelberg Rechtswissenschaften. Nach nur sechs Semestern und neunzehn Jahre jung promovierte er im Februar 1843 mit Auszeichnung. Nicht einmal zwei Jahre später, im Oktober 1844, habilitierte er in Jena, wo er kurz darauf zum „außerordentlichen Professor" ernannt wurde.

1847 zog es den jungen Mann ins fränkische Erlangen, auf den dortigen Lehrstuhl für deutsches Recht. Wegen seines großen Talents und ungeheuren Arbeitseifers wurde von Gerber alsbald von einer Reihe Universitäten umworben. 1851 entschied er sich für Tübingen, wo man ihm das Amt des Vizekanzlers angeboten hatte. Vier Jahre darauf wurde er Kanzler der Universität, wodurch ihm ein Sitz im württembergischen Landtag zufiel und er erste Ausflüge in die Politik unternahm. 1861 kehrte er Tübingen den Rücken und ging als Professor und Oberappellationsgerichtsrat zurück nach Jena.

Doch auch Jena erwies sich abermals nur als Zwischenstation. Schon nach einem Jahr wechselte von Gerber an die Universität von Leipzig, wo er deutsches Privat-, Staats- und Kirchenrecht lehrte. Von 1865 bis 1867 fungierte er als Rektor der Leipziger Hochschule, von 1868 bis 1871 war er Dekan der Juristenfakultät.

Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit war von Gerber weiterhin politisch aktiv: 1867 wurde er vom Leipziger Landkreis in die konstituierende Versammlung des Norddeutschen Bundes gewählt. Mit der 1871 vollzogenen Gründung des Deutschen Reiches ging ein Herzenswunsch von Gerbers in Erfüllung. Im gleichen Jahr trug man ihm das Amt des Kulturministers in Sachsen an. Gerber sagte zu.

Unter ihm erfuhr das sächsische Schulsystem nicht allein eine massive Förderung, sondern auch eine umfassende organisatorische Anpassung an moderne Bedürfnisse. Besondere Aufmerksamkeit ließ von Gerber den Universitäten von Leipzig und Dresden zuteil werden: An seiner einstigen Wirkungsstätte konnten zahlreiche neue Gebäude errichtet werden, eine Vielzahl neuer Institute entstand, und eine Reihe namhafter Gelehrter wurde nach Leipzig berufen.

Auch die Technische Hochschule in Dresden, die aus dem Polytechnikum hervorging, kam unter von Gerber zu hohem Ansehen. Noch heute gehört sie als Technische Universität zur Spitze vergleichbarer Einrichtungen in der ganzen Bundesrepublik.

Freilich spielten bei dieser Reform auch politische Hintergedanken eine Rolle: Mit der Festigung der staatlichen Kontrolle über die Lehranstalten verbanden die konservative Regierung und ihr Kultusminister auch die Hoffnung, den Einfluss der Sozialdemokratie auf die Jugendlichen einzudämmen. Dieses Ziel schlug jedoch fehl.

Als Politiker vertrat von Gerber zwar strikt konservative Werte, aber, so Hans Beschorner in seiner Gerber-Biographie, „die Ehrlichkeit seiner Überzeugungen und seine Sachlichkeit nötigten selbst den Vertretern der äußersten Linken stets eine gewisse Hochachtung ab“.

Für seine Verdienste wurde er 1861 zunächst in den persönlichen, 1878 schließlich in den erblichen Adelsstand erhoben. Seine politische Laufbahn krönte von Gerber 1891, als er zum sächsischen Ministerpräsidenten gekürt wurde. Doch dieses Amt bekleidete er nur kurze Zeit: Nach zwei Schlaganfällen starb er am 23. Dezember 1891 im Alter von 68 Jahren in Dresden. Zu seiner Beerdigung fanden sich nicht nur hochrangige Regierungsvertreter ein, auch König Albert von Sachsen ließ es sich nicht nehmen, persönlich der Trauerfeier beizuwohnen.

Zuletzt aktualisiert: 22. August 2007, 10:17 Uhr