1758: Veröffentlichung der Grenadierlieder Johann Wilhelm Ludwig Gleim

(1719-1803)

Johann Wilhelm Ludwig Gleim kam am 2. April 1719 in Ermsleben zur Welt. Während seines Jurastudiums an der Universität Halle in den Jahren 1738 bis 1741 knüpfte er freundschaftliche Bande zu allen bedeutenden Literaten seiner Zeit, so unter anderem zu Gellert, Rabener, Schlegel, Klopstock, Bürger, Lessing, Herder, Ewald, Kleist und Wieland. Der junge Gleim interessierte sich sowohl für Juristerei als auch für Literatur, was ihm die Bekanntschaft mit Johann Peter Uz, Paul Jakob Rudnik und Johann Nicolaus Götz verschaffte. Gemeinsam gründeten sie den zweiten Halleschen Dichterkreis. Neben der Rezeption literarischer Werke fassten sie den Entschluss, selbst Texte zu schreiben. Vor allem die Freundschaft im Verständnis gemeinschaftlichen Handelns stand im Mittelpunkt ihrer Schriften. Dieses Freundschaftsverständnis prägte die gesamte aufgeklärte Gesellschaft des 18. Jahrhunderts und spiegelte sich in zahlreichen Gesellschaften und Lesezirkeln, die in dieser Zeit entstanden, wider.

Die Dichtungsauffassung Gleims stand im Gegensatz zur Regelpoetik Gottscheds und betonte die Unabdingbarkeit des Genies, die sich nicht durch einen Regelkanon anerziehen lasse. Obwohl ihm von vielen Seiten Lob gezollt wurde und Schiller, Goethe sowie Lessing in ihrer frühen Lyrik Gleims anakreontischer Dichtung recht nahe kamen, konnte Gleim einer realistischen volkstümlichen Dichtung noch nicht zum Durchbruch verhelfen.

Ebenfalls große Beachtung fanden Gleims „Preußische Kriegslieder in den Feldzügen 1756 und 1757 von einem Grenadier", die er während der Teilnahme am Siebenjährigen Krieg 1758 veröffentlichte. Lessing schrieb zu dieser Sammlung das Vorwort. Er hob besonders den volkstümlichen Ton der Lieder hervor. Gleims „Grenadierlieder" waren sein bekanntestes Werk und sind am weitesten verbreitet.

Allerdings war es im 18. Jahrhundert Dichtern kaum möglich ihren Lebensunterhalt durch die Dichtkunst zu bestreiten. Honorare für dichterische Werke waren sehr gering. Nicht zu unterschätzen waren auch die zahlreich kursierenden Raubdrucke, die die Honorare drückten.

Gleim bemühte sich, die Honorarsituation junger, hoffnungsvoller Dichter zu verbessern, indem er sie tatkräftig auf verschiedene Weise unterstützte. Dies war ihm möglich, da er seit 1747 in Halberstadt als Domsekretär und seit 1756 als Kanonikus des Domstifts Walbeck wirkte und gut verdiente. Die „Freundschaftsdienste“ Gleims reichten von der Finanzierung der Drucke junger Autoren über die Vermittlung lukrativer Anstellungen mit gesichertem Einkommen, um Notsituationen zu überbrücken, bis zum Wohnen in seinem Haus, um ungestört arbeiten zu können.

In den Genuss dieser Dienste kamen unter anderem Johann Heinrich Voß, Johann Gottfried Herder und Gottfried August Bürger. Viele Freunde Gleims waren für den Kontakt dankbar, bot er doch neben der materiellen Zuwendung auch die Chance zu einem fruchtbaren Gedankenaustausch über aktuelle Literatur mit einem ebenbürtigen und sehr gebildeten Mann.

Je älter Gleim wurde, um so mehr veränderte sich sein Verhältnis zur literarischen Öffentlichkeit. Ende der 1760er Jahre setzte zunehmende Kritik an den literarischen Texten Gleims ein. Mit seinen späteren Werken vermochte er nicht an den Erfolg seiner anakreontischen Dichtung anzuknüpfen. Privat zerbrachen einige seiner Freundschaften, so mit Ramler und Spalding.

Am 18. Februar 1803 starb Gleim in Halberstadt. Der Publizist Johann Gottfried Seume schrieb nach einem Besuch an Gleims Grab: „In Halberstadt wallfahrtete ich noch mit Sonnenuntergange hinaus in den Garten zu dem Grabe meines väterlichen Freundes und Wohltäters, des alten Gleim. Unten hatte ich an der Elbe an Klopstocks Grabe gestanden und hatte dem Genius gehuldigt; hier that ich mehr, ich opferte der reinen Herzlichkeit in heiliger Weihe. ... Stichle der Kritiker seine kleinen Fehler auf. Gleim war ein edler Mann, wie es nur wenige sind."

Sein Wohnhaus beherbergt heute ein Literaturmuseum, ein Literaturarchiv sowie die historische Gleimbibliothek, die Gleims Sammlungen der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Zuletzt aktualisiert: 17. September 2010, 13:12 Uhr