27. Oktober 1773: Erstaufführung von "Merope" - ein Trauerspiel in fünf Auszügen Friedrich Wilhelm Gotter

(1746-1797)

Die Familie Gotter, in die Friedrich Wilhelm am 3. September 1746 hineingeboren wurde, gehörte in mütterlicher wie väterlicher Linie dem mittleren und höheren Beamtentum an und pflegte auch selbst, dem geistigen Klima Gothas gemäß, französische Sprache und Lebensweise.

So wurde Friedrich Wilhelm Gotter nicht am Gymnasium, sondern zuhause und durch Privat-lehrer erzogen - auch hier lag ein besonderes Gewicht auf französischer Sprache und Literatur. Schon vor Antritt des Studiums 1763 versuchte er sich als Dichter. Während des Jura-Studiums in Göttingen erlebten der junge Gotter und seine begeisterungs-fähigen Kommilitonen 1764 die Ackermannsche Schauspieltruppe, und Gotter gründete selbst eine kleine Theatergesellschaft. Auch dichtete er viel.

Die Theaterleidenschaft verhinderte jedoch nicht, dass Gotter nach Beendigung seines Studiums 1766 die Stellung eines zweiten geheimen Archivars am Gothaer Hof erhielt - ausdrücklich auch wegen seiner guten Studienleistungen, wenngleich die Verdienste von Vater und Großvater den Ausschlag gegeben haben dürften.

1767 wurde Gotter zum Legationssekretär der sachsen-gothaischen Delegation beim Reichskammergericht in Wetzlar ernannt, wo er, nach einer kurzen Stellung als Hofmeister in Göttingen, von 1770 bis 1772 lebte und arbeitete. Hier war Gotter Mitglied eines Kreises junger Beamter, die sich, halb Ernst, halb Zeitvertreib, in ordensähnlicher Weise in einem Gasthof zusammenfanden.

In dieser so genannten Tafelrunde lernte er Goethe kennen. In „Dichtung und Wahrheit" schrieb jener später über das wilde Treiben dieses Kreises und seine Bekanntschaft mit Gotter: „Ob ich nun gleich zu solchen Possen sehr gern bereit (...); so hatte ich mich doch schon früher an solchen Dingen müde getrieben, und als ich daher meine Frankfurter und Darmstädter Umgebung vermisste, war es mir höchst lieb, Gottern gefunden zu haben, der sich mit aufrichtiger Neigung an mich schloß, und dem ich ein herzliches Wohlwollen erwiderte. Sein Sinn war zart, klar und heiter, sein Talent geübt und geregelt; er befleißigte sich der französischen Eleganz und freute sich des Teils der englischen Literatur, der sich mit sittlichen und angenehmen Gegenständen beschäftigt. Wir brachten viele vergnügte Stunden zusammen zu, in denen wir uns wechselseitig unsere Kenntnisse, Vorsätze und Neigungen mitteilten. Er regte mich zu manchen kleinen Arbeiten an, zumal da er, mit den Göttingern in Verhältnis stehend, für Boies Almanach auch von meinen Gedichten etwas verlangte.“

Am 10. März 1772 starb Herzog Friedrich. Sein Sohn Ernst Ludwig, der als Ernst II. sein Nachfolger wurde, war aber ebenso freisinnig und der Familie Gotter wohlwollend gesonnen wie sein Vater. Von 1772 an bis zu seinem Tod am 18. März 1797 blieb Friedrich Wilhelm Gotter herzoglicher Geheimsekretär. Neben seiner Stellung am Hofe schrieb er Dramen, Gedichte und Romanzen.

Zur Seylerschen Truppe in Weimar und zu Seylers Frau, der berühmten Schauspielerin Madame Hensel, unterhielt Gotter engen Kontakt. Für sie verfasste er eines seiner erfolgreichsten Stücke, die „Merope". Hier entstand auch die Freundschaft zu Konrad Ekhof, einem der bedeutendsten Schauspieler des 18. Jahrhunderts, der ab 1774 als Leiter dem Gothaer Hoftheater vorstand.

Im Alter von 50 Jahren starb Friedrich Wilhelm Gotter am 18. März 1797, nachmittags 4 Uhr - „am Auszehren", wie das Kirchenbuch der Schlossgemeinde zu Gotha vermerkt. Sein Werk umfasst mehr als 40 Theaterstücke, die ihn zu einem der meistgespielten und auch außerhalb der Grenzen Deutschlands bekannten Autoren machten. Als hervorragender Kenner des Theaters, als Schauspieler wie als Autor und Regisseur war Gotter ein häufig um Rat gefragter Mann. Dass sein Werk heute jedoch kaum mehr bekannt ist, liegt sicher an dem uns so fremden Stil seiner Sprache, die er mit großer Präzision je nach Thema geistreich oder empfindsam gebrauchte.

Zuletzt aktualisiert: 22. September 2010, 12:28 Uhr