1781: Erster Gewandhauskapellmeister Johann Adam Hiller

(1728-1804)

Johann Adam Hiller (eigentlich Hüller) kam am 25. Dezember 1728 in Wendisch-Ossig bei Görlitz auf die Welt. Schon früh wurde er von einem Lehrer in das Klavier- und Violinenspiel eingewiesen. Nach nur fünfjähriger Schulausbildung am Gymnasium seiner Heimatstadt nahm er eine Schreibtätigkeit zum Broterwerb an. Im Jahre 1747 besuchte er die Dresdner Kreuzschule mit dem Kreuzchor. Dort prägte ihn besonders der Unterricht von Gottfried August Homilius.

1751 zog es den 23-jährigen zum Jura-Studium an die Universität Leipzig. Neben seinen Rechtsstudien verfolgte er auch Vorlesungen von Johann Christoph Gottsched und Christian Fürchtegott Gellert mit regem Interesse. Parallel dazu betrieb er Sprachstudien. Ungeachtet dessen widmete er sich als Flötist und Sänger seinem musikalischen Schaffen. Er begann auch zu komponieren.

Im Alter von 35 Jahren präsentierte der junge Musiker sein Können erstmals vor großer Öffentlichkeit. Er gründete die so genannten Leipziger "Liebhaberkonzerte". Ein Jahr später, 1764, hatte er zusätzlich die Leitung des "Großen Konzerts" übernommen, aus dem später die Leipziger Gewandhauskonzerte hervorgehen sollten. Seine Aufführungen waren erfolgreich - nicht zuletzt wegen seines Engagements, Musiker persönlich auszubilden. Seine größten Entdeckungen waren die Musikerinnen Corona Schröter und Elisabeth Schmehling sowie die tschechischen Schwestern Podlesky, welche alle durch Johann Adam Hillers 1771 gegründete Singeschule gegangen waren.

In den sechziger und siebziger Jahren des 18. Jahrhunderts komponierte Hiller einen großen Teil seiner so genannten "Singespiele". Damit trieb er die Entwicklung eines deutschen Musiktheaters als Konkurrenz zur italienischen Oper voran. Einige dieser Kompositionen wurden von späteren Künstlern wieder aufgegriffen. So bearbeitete zum Beispiel Albert Lortzing Hillers "Die Jagd" im Jahre 1830 neu.

Da Johann Adam Hiller sehr an der musikalischen Betätigung gelegen war, rief er 1775 die "Musikübende Gesellschaft" ins Leben. Sie setzte sich sowohl aus Schülern und Musikliebhabern, als auch aus Berufsmusikern zusammen und veranstaltete rund 30 Konzerte im Jahr.

Seine musikwissenschaftlichen Gedanken hielt Hiller schriftlich für die Nachwelt fest. Außerdem gab er mit seinen "Wöchentlichen Nachrichten die Musik betreffend" die erste deutsche, regelmäßig erscheinende Musikzeitschrift heraus. Ab 1766 erschien diese Publikation in regelmäßigen Abständen, wurde aber nur wenige Jahre verlegt.

Hiller hatte sich über Jahrzehnte hin einen guten Ruf und ein ansehnliches Arbeitsfeld aufgebaut. Dennoch beendete er 1785 abrupt seine Arbeit in Leipzig und folgte dem Ruf des Herzogs von Kurland in das Gebiet des heutigen Estlands. Doch schon bald kehrte er nach Sachsen zurück, fand aber keine Anstellung mehr. Seine vorherigen Aufgaben wurden bereits von anderen weitergeführt. Deshalb sah sich Hiller dazu veranlasst, Konzerte zu geben und sich in anderen Regionen nach Arbeit umzuschauen. Es trieb ihn erst nach Berlin, später nach Breslau. Erneut musste er erkennen, dass er im Grunde nach Leipzig gehörte.

Nachdem der Musiker seine Bitte um eine Anstellung an den Leipziger Rat gerichtet hatte, konnte er das Amt des pensionierten J. F. Doles übernehmen. Somit wurde Johann Adam Hiller im Alter von 61 Jahren Thomasschulrektor sowie Thomaskantor. Von den Motetten des 16. Jahrhunderts, dem "lateinischen Singsang", dieser "leertönenden, nichtssagenden Kirchenmusik" nahm der Musikreformator Abstand. Vielmehr schuf er moderne Ansätze für einen neuen Zugang zur Kirchenmusik.

Auch der schon damals weithin bekannte Thomanerchor bekam den Reformgeist Hillers zu spüren. Ein Thomaner, Friedrich Küchelbecker, hielt wohl die ungewöhnlichste Neuerung fest: "... Da traf sichs, dass es dem Hiller gelang und durch beim Leipziger Rate er drang, der schickte dem Rektor ein mächtig großes Schreiben, dass wir Pennäle künftighin bloßes Kopfes gehen dürften, weil sich unsere Perücken zur Aufklärung nicht länger wollten schicken ..."

Nach über einem Jahrzehnt in der Thomaskirche setzte sich der Wahl-Leipziger zur Ruhe. Drei Jahre später, am 16. Juni 1804, verstarb Johann Adam Hiller in Leipzig. Er wurde auf dem Johannisfriedhof beigesetzt. Sein Grab ist heute nicht mehr auffindbar. Die Schwestern Podlesky ließen ihrem früheren Lehrer im Jahre 1832 an der Thomasschule ein Denkmal errichten. Die davon heute noch existierende Schrifttafel befindet sich an der Nordseite der Thomaskirche eingelassen ins Mauerwerk.

Zuletzt aktualisiert: 22. September 2010, 09:22 Uhr