1735: Das künstliche Mineralwasser Friedrich Hoffmann

(1660-1742)

Am 19. Februar 1660 wurde Friedrich Hoffman geboren. Sein Vater, Friedrich Hoffmann der Ältere, war Arzt. Er begeisterte seinen Sohn schon früh für Anatomie und pharmazeutische Chemie. Der jugne Friedrich entwickelt 1735 als Erster ein Verfahren zur Herstellung von künstlichen Mineralwässern.

Am 19. Februar 1660 wurde dem Stadtphysikus in Halle, Friedrich Hoffmann, ein Sohn geboren, den man wie den Vater auf den Namen Friedrich taufte. Friedrich Hoffmann der Ältere, wie der Vater später genannt wurde, war Leibarzt des in Halle residierenden Administrators des Erzstiftes Magdeburg. Es gelang ihm, seinen Sohn schon früh für Anatomie und pharmazeutische Chemie zu interessieren. Kaum 15jährig verlor der junge Friedrich beide Eltern durch eine Seuche und wuchs deshalb bei seinem Großvater auf.

1678 begann er ein Medizinstudium an der Universität Jena, wo ihn insbesondere der Iatrochemiker Georg Wolfgang Wedel beeinflusste. Nach kurzem Studienaufenthalt an der Universität Erfurt erfolgte bereits zwei Jahre darauf in Jena die Promotion zum Dr. med. Hier hielt er einige Vorlesungen bevor er einer Einladung seines Schwagers nach Minden folgte und von dort aus Studienreisen in die Zentren der naturwissenschaftlichen Medizin in den Niederlanden und in England unternahm. Danach ließ er sich in Minden als praktischer Arzt nieder, wurde 1685 Garnisonsarzt, ein Jahr später Hof- und Landmedikus des Fürstentums Minden und 1688 Landphysikus in Halberstadt.

1693 berief ihn Kurfürst Friedrich III. als ersten Professor für Medizin an die sich in Gründung befindende Universität Halle. Hoffmann übernahm für die Medizinische Fakultät wesentliche Teile der Gründungsarbeit, entwarf die Statuten, entwickelte in vorbildlicher Weise den akademischen Lehrbetrieb, hielt selbst Vorlesungen über praktische Medizin, Anatomie, Physik, Chirurgie und Chemie und war maßgeblich an der Berufung des Begründers der Phlogistontheorie Georg Ernst Stahl an die Medizinische Fakultät beteiligt.

Nicht zuletzt durch Hoffmanns und Stahls Wirken wurde die Universität Halle zu einem Anziehungspunkt für Medizinstudenten aus ganz Europa. In den fast 50 Jahren seines Wirkens an der Universität Halle, die lediglich 1709 bis 1712 durch eine Tätigkeit als Leibarzt von Friedrich I. in Berlin unterbrochen worden ist, erwarb sich Hoffmann hohes Ansehen als Arzt, akademischer Lehrer und Naturforscher. Sein wissenschaftliches Werk ist in einer sechsbändigen „Opera omnia..." Ausgabe, die zwischen 1748 und 1753 in Genf erschien und 5.000 Folioseiten umfasst, zusammengestellt.

Hoffmann hat, orientiert an den Erkenntnissen des französischen Philosophen, Mathematikers und Naturforschers René Descartes, die Medizin auf ein physikalisch-mechanisches Fundament gestellt. Er sah den menschlichen Organismus als eine kunstvolle und göttliche Maschine an, in der alle Vorgänge nach den allgemeinen Bewegungsgesetzen der Mechanik, Hydraulik, Hydrostatik, Pneumatik und Optik ablaufen.

Als Quelle der Bewegung galt für Hoffmann der Äther, den er sich als einen besonders feinen und bewegten partikulären Teil des Mediums Luft vorstellte. Dieser sollte durch die Lungen ins Blut gelangen und die Blutteilchen, die im Körper durch Röhren bzw. durch feinste hohle Fasern fließen, in ständige Bewegung versetzen. Durch diese Bewegung sollte auch die notwendige Körperwärme und Temperatur entstehen. Ein ähnliches Erklärungsmodell entwickelte Hoffmann auch durch den so genannten Nervenspiritus, einen feinen, beweglichen und elastischen ätherischen Stoff mit nährender Wirkung, der zugleich für die Vermittlung von Empfindung und Bewegung verantwortlich sein sollte.

Krankheiten kamen nach Hoffmann entweder durch eine fehlerhafte Mischung der Partikel der Säfte oder durch Verlegung der Poren und Röhren, durch die die Flüssigkeiten hindurch mussten, zustande. Die Folgen davon waren erhöhte Spannungszustände, die bis zu krampfartigen Zuständen führen konnten. Folglich musste der Arzt sich darum bemühen, diese Zustände durch beruhigende, lösende und ausleerende Mittel zu beseitigen bzw. im umgekehrten Fall durch anregende Mittel die in Folge von Erkrankungen verloren gegangenen Spannungszustände wieder aufbauen. Hoffmann erprobte und entwickelte dafür zahlreiche Arzneimittel. Dabei ging es ihm vor allem darum, die große Zahl der damals gebräuchlichen Heilmittel einzuschränken und auf die Verordnung von 10 bis 12 besonders wirksamen Mitteln zu begrenzen. Noch heute bekannt sind die nach ihm benannten Tropfen, eine Mischung von einem Teil Äther mit drei Teilen Alkohol.

Friedrich Hoffmann wird auch als Mitbegründer und Initiator der modernen chemisch-analytisch gestützten und medizinisch-therapeutisch fundierten Balneo- und Hydrotherapie angesehen. In zahlreichen Arbeiten hat er verschiedenste Mineralwässer und Quellen untersucht, ihre Inhaltsstoffe qualitativ und quantitativ bestimmt, die medizinischen Anwendungen beschrieben sowie 1735 als erster ein Verfahren zur Herstellung von künstlichen Mineralwässern entwickelt.

Am 12. November 1742 ist mit ihm einer der bedeutendsten medizinischen Systematiker seiner Zeit in Halle gestorben.

Phlogiston Nach einer wissenschaftlichen Theorie des 18. Jahrhunderts ein Stoff, der allen brennbaren Körpern beim Verbrennungsvorgang entweicht.

Zuletzt aktualisiert: 16. September 2010, 13:24 Uhr