1866: Der Namensgeber des Hämoglobin Ernst Felix Immanuel Hoppe-Seyler

(1825-1895)

Felix Hoppe wurde als Sohn des Freyburger Pfarrers Ernst Hoppe am 26. Dezember 1825 geboren. Nach dem frühen Tod des Vaters adoptierte ihn ein Schwager, der Pfarrer Dr. Seyler. Aus diesem Grund nahm der junge Felix auch den Doppelnamen Hoppe-Seyler an.

Felix Hoppe-Seyler genoss seine Schulbildung in den Franckeschen Stiftungen zu Halle. Von 1846 bis 1847 studierte er Medizin an der Universität der Saalestadt, danach bis 1850 an der Universität Leipzig und ab 1850 in Berlin. Hier promovierte er im gleichen Jahr, worauf seine Approbation als Arzt folgte. Nach Studienaufenthalten in Prag und Wien ließ er sich 1852 in Berlin als praktischer Arzt nieder. Ab 1854 wirkte Hoppe-Seyler am Anatomischen Institut der Universität Greifswald, wo er sich auch zum Privatdozenten habilitierte.

Zwei Jahre darauf begab sich der inzwischen 31jährige zu dem berühmten Arzt, Pathologen und Anthropologen Rudolf Virchow nach Berlin, wo er am dortigen Pathologischen Institut als Prosektor und Dozent tätig war und zugleich das chemische Laboratorium der Medizinischen Fakultät leitete.

1860 wurde Hoppe-Seyler in Berlin zum außerordentlichen Professor ernannt. Ein Jahr später ging er an die Universität Tübingen. Hier wirkte er zunächst als außerordentlicher Professor für Angewandte Chemie an der Medizinischen Fakultät, ab 1866 als ordentlicher Professor und hielt Vorlesungen über anorganische, organische und physiologische Chemie sowie über Toxikologie. 1872 übernahm Hoppe-Seyler an der Universität Straßburg das neu eingerichtete Ordinariat für physiologische Chemie, das er 1884 zu einem der ersten selbständigen Institute in Europa ausbaute.

Als Mitbegründer der physiologischen Chemie, eines Wissenschaftsgebietes, das sich vor allem mit den chemischen Vorgängen im menschlichen Körper befasst, hat Hoppe-Seyler die Kenntnisse über fast alle Stoffklassen, die im Organismus eine Rolle spielen, bereichert. Er arbeitete über Blutfarbstoffe, Proteine und Chlorophyll, untersuchte den Sauerstoffgehalt im Blut, erforschte den Oxidationsprozess im Gewebe und analysierte das Vorkommen von Glykogen, Lecithin und Chlosterol im Körper. Dabei verbesserte er die bislang gebräuchlichen Analysenmethoden und führte neue, insbesondere physikalisch-chemische Methoden ein.

Ab 1852 hatte er sich gezielt der Erforschung des Blutes zugewandt. Mit Hilfe von Absorptionsspektren des Blutfarbstoffs konnte er zeigen, dass das Hämoglobin in Form von Oxihämoglobin den Sauerstoff im Blut reversibel bindet. Hoppe-Seyler erkannte 1866, dass sich die weitere Oxidation nicht im Blut, sondern im Gewebe vollzieht. Des Weiteren gelangte er zu der wichtigen Feststellung, dass die Giftigkeit von Kohlenmonoxid und Schwefelwasserstoff durch Verdrängen von Sauerstoff aus Oxihämoglobin zustande kommt, da dieses eine wesentlich höhere Affinität zu diesen Stoffen aufweist als zum Sauerstoff. Dies war ein Befund von enormer toxikologischer Bedeutung. Erwähnenswert ist dabei auch, dass die Bezeichnungen Hämoglobin und Oxihämoglobin von ihm stammen.

1877 gründete er mit der „Zeitschrift für Physiologische Chemie" die erste Fachzeitschrift auf diesem Gebiet. Bis 1894 fungierte er als ihr Herausgeber und Redakteur. Ihm zu Ehren wurde die Zeitschrift später in „Hoppe-Seyler Zeitschrift für Physiologische Chemie" umbenannt.

Am 10. August 1895 starb der Arzt, Physiologe und Chemiker in Wasserburg am Bodensee.

Zuletzt aktualisiert: 23. August 2007, 11:56 Uhr