1817: Die Frau, die Goethe kündigte Karoline Jagemann

(1777-1848)

Als Tochter des Bibliothekars Christian Joseph Jagemann kam Karoline Jagemann am 25. Januar 1777 im thüringischen Weimar zu Welt. Von ihrer Jugend ist wenig bekannt.

Ihr künstlerisches Repertoire war von Beginn ihrer Karriere an groß. Es umfasste Gesang sowohl in Opern als auch in Dramen, Trauer- und Lustspiele. Das schauspielerische Handwerk erlernte sie am Mannheimer Nationaltheater bei August Wilhelm Iffland, einem der anerkanntesten Dramaturgen und Intendanten dieser Jahre. Danach kam ihre große Zeit am Hoftheater in Weimar mit dem damaligen Intendanten Johann Wolfgang von Goethe.

Den Durchbruch erreichte sie durch Talent und nicht zuletzt durch ihre ansprechende Erscheinung, die nicht wenige ihrer männlichen Zeitgenossen in Unruhe versetzte. Auch Herzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach wusste ihre Reize zu schätzen. Er machte sie schließlich zu seiner Geliebten. „Linchen“, wie er sie in seinen privaten Briefen immer nannte, sollte ihm bis zu seinem Tode vier uneheliche Kinder gebären.

Durch die Protektion ihres einflussreichen Liebhabers gewann die Jagemann stark an Einfluss am Hoftheater in Weimar. Während gerade Schauspielerinnen sich im Vergleich mit ihren männlichen Kollegen mit deutlich weniger Gehalt zufrieden geben mussten, erhielt sie eine Anstellung auf Lebenszeit bei einem Salär von 600 Talern und 300 Talern Pension - eine stattliche Summe für diese Zeit. 1809 erhob Carl August sein "Linchen" in den Adelsstand. Von nun an hieß sie Henriette Karoline Friederike von Jagemann-Heygendorff. Mit dem Titel verbunden war auch das Rittergut Heygendorff bei Allstedt.

Karoline Jagemann soll maßgeblich an der Kündigung Goethes als Intendant des Hoftheaters Weimar im Jahre 1817 beteiligt gewesen sein. Sie stand von Anfang an in Opposition zu Goethes Schauspielführung. Der Höhepunkt des Kräfteringens war schließlich das Stück "Der Hund von Aubry", mit dem Goethe im wahrsten Sinne des Wortes auf den Hund kam und sich veranlasst sah zu gehen. Er zeigte sich jedoch großmütig und würdigte auch weiterhin ihre schauspielerischen Leistungen. "Eine edle Simplizität", so Goethe, "bezeichnete ihr Spiel und ihre Sprache, und beides wusste sie, wo es nötig war, auch zu tragischer Würde zu erheben." Dem Charme und den körperlichen Reizen der Diva konnte sich offenbar auch Goethe nicht entziehen.

Nach dem Tod von Herzog Carl August im Juni 1828 endete die Karriere von Karoline Jagemann. Sie zog sich zurück und lebte später in Mannheim, Berlin und Dresden. Hier starb Henriette Karoline Friederike von Jagemann-Heygendorff am 10. Juli 1848 im Alter von über 70 Jahren. Sie erlebte noch die Wirrungen der neuen Zeit, den Vormärz mit seinen tief greifenden gesellschaftlichen Veränderungen, das Ringen um die bürgerlichen Freiheiten und die anschließende Wiederherstellung der alten Verhältnisse.

Zuletzt aktualisiert: 23. September 2010, 11:09 Uhr