1854: Im Zwist mit Otto von Bismarck Johann von Wettin, König von Sachsen

(1801-1873)

Am 12. Dezember 1801 in Dresden geboren, entwickelte Prinz Johann seine Neigung zu Sprachen, Wissenschaft und Bildung bereits in seiner Kindheit und Jugend. Er widmete sich den Studien der griechischen und römischen Klassiker, studierte das Sanskrit und verfasste sprachwissenschaftliche Abhandlungen. In späteren Jahren wandte er sich auch den Naturwissenschaften zu. Das Ideal der universellen Bildung versuchte Johann nicht nur selbst zu erreichen, er wollte es auch seinen Untertanen ermöglichen. Besonders die Entwicklung der Leipziger Universität lag ihm am Herzen. Der König sah sich auch in den Schulen um, wie ein volkstümliches Gedicht zeigt:

War einst ein Herr in Sachsenland,
Schier einem jeden Kind bekannt,
Der ging aus seiner Väter Schloss,
Zu sehen, was wohl klein und groß
In seinen Schulen Rechtes trieb;
Und weil er hatt’ die Kindlein lieb,
Trat oft er zu der Schülerschar,
Bot seinen Fürstengruß ihr dar
Und ließ sich zeigen dann geschwind
Geschriebenes von jedem Kind,
Ließ lesen aus dem Fibelbuch,
Aufsagen manchen guten Spruch
Und forschte, ob in Glaubenstreu
Sein Volk auch recht erzogen sei,
Und ob selbst in dem ärmsten Kind
Des Wissens Elemente sind.
Sagt an, wer war der Herrscher mild,
Der da erschien im Schulgefild’?
Verkündet sei es jedermann:
Das war der weise Fürst Johann!"

Das Interesse Johanns an Italien, der Heimat seiner früh verstorbenen Mutter Caroline von Parma, führte ihn 1821/22 zur ersten Reise dorthin. Er besichtigte ausgiebig die oberitalienischen Städte und besuchte schließlich in Florenz seine Schwester Maria, die Gattin des Großherzogs Ferdinand III. von Toskana.

Während dieser Reise kaufte der Prinz eine Ausgabe der „Divina Commedia". Der Wille, Dante zu verstehen, motivierte den jungen Prinzen dazu, sich intensiv mit der italienische Sprache zu befassen. Seine Verehrung für den Dichter ging soweit, dass er selbst Dante Alighieris „Divina Commedia" aus dem 14. Jahrhundert übersetzte. Unter dem Pseudonym „Philalethes", der Freund der Wahrheit, brachte er in den Jahren 1833 bis 1848 seine Übersetzung Dantes zum Druck. Die Anonymität zu wahren, war ihm dabei wichtig, denn er wollte die Bewertung des Werkes nicht durch seinen großen Namen verzerren. Bis zu seinem Tod wussten nur einige Freunde, wer sich hinter „Philalethes" verbarg.

Die Leidenschaft für den italienischen Dichter behielt der Wettiner zeit seines Lebens. Aus einer Abendgesellschaft, zu der er einlud, und deren Mitglieder über Wissenschaft, Kunst, Literatur, Kultur sowie Fragen der Pädagogik und der Verfassung diskutierten, zweigte sich die „Accademia Dantesca" ab. Die 1865 gegründete Deutsche Dantegesellschaft stand unter dem Protektorat des Königs.

Natürlich stand auch Johann schon früh im Dienst der Politik. 20jährig erhielt er Sitz und Stimme im Geheimen Finanzcollegium, danach versah er verschiedene Funktionen in Räten und ab 1833 im neuen Landtag. Hier befasste der Prinz sich vor allem mit Fragen der Justiz. Sein Rechtsempfinden war von der Ethik der Gerechtigkeit und Harmonie geprägt. Die Ordnung der Rechtsverhältnisse war für „Johann den Gerechten" ein Wert an sich, und er war weder willens noch fähig, Ausnahmen zu machen. So scheiterte das Amnestiegesuch Richard Wagners, der als Revolutionär von 1849 in Verbannung stand, zunächst an Johanns Festhalten am bestehenden Recht. Erst 1862 begnadigte er den Komponisten.

Der Wettiner, seit 1854 König, geriet in eine tragische Position, als er vom machtbewussten Fürsten Otto von Bismarck beiseite gedrängt wurde. In Johanns Glauben an die alte Ordnung war kein Platz für die Machtbezogenheit des Fürsten aus der Altmark, der neue Methoden der Politik anwandte. Der König von Sachsen und der preußische Ministerpräsident hatten unterschiedliche Vorstellungen davon, wie der deutsche Bundesstaat zu errichten sei - der sächsische König wollte auf jeden Fall den Ausschluss Österreichs vermeiden.

Da Johann seit seiner Vermählung mit Amalie Augusta, Prinzessin von Bayern und Zwillingsschwester von Friedrich Wilhelms IV. Gemahlin Elisabeth, ein persönliches und freundschaftliches Verhältnis mit den Hohenzollern verband, versuchte der sächsische König im Jahr 1863 persönlich, Wilhelm I. von Preußen zur Teilnahme am Fürstentag in Frankfurt am Main zu bewegen. Der Einfluss Bismarcks auf den preußischen König erwies sich jedoch als stärker: Wilhelm fuhr nicht zum Fürstentag, und die Pläne Sachsens zur Gestaltung des deutschen Bundesstaates waren zum Scheitern verurteilt. Nach dem preußischen Sieg im Preußisch-Österreichischen Krieg von 1866, in dem die sächsischen Truppen auf der Seite Österreichs kämpften, trat Sachsen dem Norddeutschen Bund bei. König Johann beteiligte sich hier an der Erarbeitung der neuen Verfassung.

Am 29. Oktober 1873 ist der König von Sachsen auf Schloss Pillnitz bei Dresden gestorben.

Zuletzt aktualisiert: 24. August 2007, 16:09 Uhr