1816 Einführung der Gasbeleuchtung Wilhelm August Eberhard Lampadius

(1772-1842)

Wilhelm August Eberhard Lampadius kam am 8. August 1772 im braunschweigischen Hehlen zur Welt. Nach dem Studium der Naturwissenschaften in Göttingen zwischen 1785 und 1791 sammelte Lampadius als Chemiker praktische Erfahrungen in Eisenhüttenwerken, bis er 1794 an die Freiberger Bergakademie berufen wurde, wo er 22jährig eine Professur für Metallurgie und ein Jahr später eine Professur für Chemie innehatte.

Lampadius’ Wirken war für die Entwicklung der modernen Chemie und deren Umsetzung in die Praxis von großer Bedeutung, seine Leistungen machten ihn in vielen Bereichen zu einem wissenschaftlich-praktischen Pionier. Er war der erste Wissenschaftler in Deutschland, der den Versuch unternahm, wissenschaftlich exakte Aussagen über die Zusammensetzung chemischer Verbindungen zu machen. Die immense Bedeutung der quantitativen und qualitativen Analysemethoden für die Weiterentwicklung der Chemie erkennend, begründete er den eigenständigen Bereich der "analytischen Chemie".

Lampadius lag aber auch an der Nutzanwendung der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse und Fortschritte im Alltagsleben. Besonders groß waren seine Verdienste bei der Einführung der Gasbeleuchtung in Deutschland. Bereits 1808 war es dem deutschstämmigen englischen Ingenieur Frederick Albert Winsor (eigentlich Winzler) gelungen, einige Straßenlaternen in London zu beleuchten. Von diesem Erfolg inspiriert, hatte Lampadius schon 1811 die Straße vor seinem Wohnhaus für mehrere Wochen mit Gaslicht erhellt und 1816 im damaligen Amalgamierwerk in Halsbrücke bei Freiberg die erste deutsche Gasbeleuchtungsanstalt gegründet.

Wenn auch manche Probleme und Hemmnisse, wie die hohe Explosionsgefahr, überwunden werden mussten, fand doch die Gasbeleuchtung in Deutschland weite und schnelle Verbreitung. 1884 zählte man im Land 577 Städte, die ihre Straßen mit Gas beleuchteten. Der Verwendung von Gaslampen in Privathaushalten war jedoch nur eine kurze Zeit vergönnt, da das elektrische Licht bald die Gasbeleuchtung ablöste.

Wilhelm August Eberhard Lampadius, der am 13. April 1842 in Freiberg starb, erlangte nicht nur durch die Einführung der Gasbeleuchtung in Deutschland Anerkennung. Auch durch die Entwicklung von Technologien in der Rübenzuckerindustrie, durch Veröffentlichungen zur Mineralogie, durch elektrochemische Experimente, vor allem aber durch die Entdeckung des Schwefelkohlenstoffs zählte Lampadius zu den bedeutendsten Wissenschaftlern seiner Zeit.

Zuletzt aktualisiert: 23. September 2010, 09:25 Uhr