1863 Begründer der modernen Parasitologie Karl Georg Friedrich Rudolf Leuckart

(1822-1898)

Als Sohn des Buchdruckereibesitzers und Ratsherrn Gottfried Leuckart wurde Rudolf Leuckart am 6. Februar 1822 in Helmstedt geboren. 20jährig begann er in Göttingen Medizin und Naturwissenschaften zu studieren. Bereits in der Studienzeit war die Zoologie, der er sich später ganz widmete, sein bevorzugtes Arbeits- und Interessengebiet. So betraute ihn sein akademischer Lehrer Rudolph Wagner, Autor eines Lehrbuches für Zootomie, schon als Student mit dem Verfassen des Abschnitts über die Anatomie der wirbellosen Tiere für dieses Lehrbuch.

Nach seiner Promotion zum Dr. med. am 13. Dezember 1845 an der Universität Göttingen trat Leuckart eine Assistenz bei Rudolph Wagner in Göttingen an, in deren Verlauf er sich 1847 habilitierte. Weil er in seiner Habilitationsschrift eine grundsätzlich neue Systematisierung der wirbellosen Tiere vorlegte, machte ihn diese Arbeit schnell im deutschsprachigen Raum bekannt. Nicht zuletzt deshalb wurde er 1850 auf das erst 1846 eingerichtete Extraordinariat für Zoologie in Gießen berufen. Die berufliche Absicherung ermöglichte ihm auch private Veränderungen. Er heiratete 1850 in Schönberg im Odenwald die aus Halle stammende Amalie Henke.

Leuckarts weitere wissenschaftliche Profilierung nahm am neuen Wirkungsort Gießen ihren erfolgreichen Fortgang. So veröffentlichte er 1852 gemeinsam mit Carl Bergmann eine "Anatomisch-physiologische Uebersicht des Thierreichs. Vergleichende Anatomie und Physiologie", in der den wirbellosen Tieren erstmals in einem Zoologielehrbuch eine angemessene Behandlung neben den Wirbeltieren eingeräumt wurde. Seine rege Tätigkeit in Forschung und Lehre führte 1855 zur Ernennung des 33jährigen zum ordentlichen Professor an der Universität Gießen.

Das Jahr 1869 bedeutete für den inzwischen europaweit bekannten Wissenschaftler eine erneute berufliche Veränderung. In diesem Jahr folgte er dem Ruf auf den Lehrstuhl für Zoologie und Zootomie nach Leipzig, und die inzwischen sechsköpfige Gelehrtenfamilie siedelte nach Sachsen über. Seine Berufung nach Leipzig erfolgte nicht nur aufgrund seiner wissenschaftlichen Leistungen, sondern mindestens ebenso wegen seines außergewöhnlichen Lehrtalents. Ihm eilte der Ruf voraus, Studenten durch seine Gewandtheit beim Experimentieren und Mikroskopieren fesseln zu können. Die Einschreiblisten seiner Vorlesungen dokumentieren ein stets volles Auditorium, was in einer Zeit der selbstzahlenden Studenten für die Universität von großer Bedeutung war.

Seit dem Leipziger Amtsantritt widmete sich Rudolf Leuckart nebenbei der Planung des von der Universität vorgesehenen neuen Gebäudes für das Zoologische Institut und das Zoologische Museum, dessen Leitung ihm ebenfalls oblag. Die Aussicht auf ein modernes zoologisches Institut bewog ihn, den 1871 an ihn ergangenen Ruf nach Straßburg nach "einigen Bedenken" abzulehnen. Letztlich konnte allerdings erst 1880 nach Überwindung erheblicher Finanzierungsprobleme die Einweihung des neuen Gebäudes gefeiert werden. Der Neubau wurde an der Ecke Brüder- und Talstraße errichtet und beherbergte neben dem Zoologischen Institut das Zoologische Museum mit seinen rund 60.000 Ausstellungsstücken sowie die 8-Zimmer-Dienstwohnung der Familie Leuckart.

In seiner Leipziger Zeit beendete der Zoologe und Mediziner die Untersuchungen zur Systematik, Morphologie, Fortpflanzung und Entwicklung der parasitischen Würmer, die in das zweibändige Werk "Die menschlichen Parasiten und die von ihnen herrührenden Krankheiten. Ein Hand- und Lehrbuch für Naturforscher und Ärzte" mündete. Mit diesem besonders für die Humanmedizin wichtigen Werk wurde Leuckart zum Begründer der modernen Parasitologie.

An der Leipziger Universität genoss Leuckart unter seinen akademischen Kollegen hohes Ansehen und Vertrauen, was zahlreiche Ehrenämter belegen. Umfangreiche Ehrungen wurden Leuckart auch 1895 anlässlich der 50. Wiederkehr seiner Promotion zuteil. Die Deutsche Zoologische Gesellschaft ernannte ihn zu ihrem ersten Ehrenmitglied, die Leipziger Stadtverordneten erkannten ihm die Ehrenbürgerwürde zu und Freunde und Schüler des Wissenschaftlers ließen zu Ehren Leuckarts bei dem Leipziger Bildhauer Carl Seffner eine Marmorbüste des Gelehrten anfertigen.

Die Büste befindet sich heute im Besitz der Universität Leipzig. Die breite Anerkennung seiner wissenschaftlichen Leistungen kann weiterhin aus der Mitglied- oder Ehrenmitgliedschaft zehn europäischer Akademien der Wissenschaften und der Washingtons geschlossen werden.

Am 6. Februar 1898 ist der Zoologe in Leipzig gestorben.

Zuletzt aktualisiert: 23. September 2010, 13:38 Uhr