11. Februar 1556 Umbau des Alten Rathauses Leipzigs Hieronymus Lotter

(1497-1580)

Spaziert man heute durch Leipzigs Innenstadt, fällt auf dem Marktplatz das aus dem 16. Jahrhundert stammende „Alte Rathaus" ins Auge. Das heutige Stadtmuseum ist eines der schönsten Zeugnisse der Baukunst der deutschen Renaissance. Erbauer und Architekt war der damalige Bürgermeister der Stadt Leipzig: Hieronymus Lotter.

Lotter kam Ende des Jahres 1497 als ältester Sohn einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie in Nürnberg zur Welt. Nach seiner Geburt zog die Familie nach Annaberg im Erzgebirge um, wo sein Vater als Ratsmitglied und Bürgermeister amtierte. In der Bergstadt besuchte Lotter die Lateinschule und erhielt eine Ausbildung zum Kaufmann. Allerdings interessierte ihn schon früh die Baukunst.

1522 schickte der Vater den 25jährigen nach Leipzig, da er die dortigen Familiengeschäfte übernehmen sollte. Lotter schaffte es nicht nur, sich als Kaufmann zu etablieren, sondern konnte durch geschicktes Wirtschaften ein beträchtliches Vermögen erwerben, welches er für Grundstückskäufe nutzte und im Tuchhandel anlegte. Bereits nach zwei Jahren erhielt er das Bürgerrecht der Messestadt.

Neben seinen Handelsgeschäften betätigte sich Lotter als Architekt und Baumeister. Hierbei halfen ihm seine guten Beziehungen zum Dresdner Hof. 1548 ernannte ihn Kurfürsten Moritz von Sachsen zum kurfürstlichen Baumeister. In seinem Auftrag leitete Lotter 1548 den Bau der Befestigungsanlage um Leipzig und die Errichtung der Pleißenburg. Auch die Entstehung der Moritzbastei zwischen 1551 und 1553 und der Thomasschule im gleichen Jahr geht auf Hieronymus Lotter zurück.

Durch die Freundschaft zu Kurfürst August I. von Sachsen, Nachfolger des Kurfürsten Moritz, stieg sein Ansehen in der Leipziger Bürgerschaft, in die Lotter 1549 berufen worden war. So verwundert es nicht, dass der Leipziger Rat ihm auf Empfehlung des Kurfürsten 1555 das Amt des Bürgermeisters übertrug. Über acht Amtsperioden hatte er es bis 1574 inne.

Immer häufiger trat Lotter als städtischer Baumeister für Leipzig in Erscheinung. Nachdem er das Waagegebäude und die Erhöhung des mittleren Turmes der St. Nikolaikirche vorgenommen hatte, bekam er 1556 den Auftrag für den Bau des heutigen „Alten Rathauses." Es sollte sein wichtigstes und bedeutendstes Bauwerk werden. Besonders die Konstruktion des Rathausturms zeigt Lotters Vorliebe für den Renaissancebaustil, der in Sachsen Einzug gehalten hatte.

Beruhte sein gesellschaftlicher Aufstieg auf der Gunst des Landesherrn, so löste ein Streit mit dem Kurfürsten seinen Abstieg aus. Da Lotter den von Kurfürst August vorgegebenen Zeitplan für den Bau der Augustusburg nicht einhalten konnte, entließ dieser ihn 1571 aus dem Amt des kurfürstlichen Baumeisters. Den Schlossbau hatte Lotter zu einem großen Teil aus eigener Tasche bezahlt. Nach seiner Entlassung weigerte sich der Herzog die Ausgaben zurückzuerstatten.

Um diese Verluste zu kompensieren, investierte Lotter nun all seine verfügbaren Mittel in den Bergbau. Nach dem Vorbild seines Vaters, der mit dem Bergwerksbetrieb viel Geld gemacht hatte, kaufte Lotter mehrere Stollen im erzgebirgischen Geyer. Doch gerade in dieser Zeit erlebte der erzgebirgische Silbererzbergbau einen wirtschaftlichen Einbruch, von dem auch Lotter nicht verschont blieb. Er war bankrott.

Gesellschaftlich und finanziell ruiniert, musste er seine Bergwerke sowie seinen gesamten Besitz bis auf das Rittergut Geyersberg im Erzgebirge verpfänden, um seinen notwendigsten Lebensunterhalt sichern zu können. Zurückgezogen starb Hieronymus Lotter am 22. Juli 1580 auf seinem Hof (Lotterhof) in Geyer.

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2005, 15:28 Uhr