1818 Ludens Hauptwerk Völker und Staaten erscheint Heinrich Luden

(1778-1847)

Am 10. April 1778 in Loxstedt (Lockstedt) bei Bremen als Sohn eines Landmannes geboren, besuchte der spätere Historiker und Gelehrte Heinrich Luden ab 1796 das Bremer Domgymnasium. Später studierte er auf Wunsch seiner Eltern in Göttingen Theologie. Dort beschäftigte er sich nebenbei mit Kirchengeschichte, Philosophie, Altphilologie, Mathematik und besonders auch mit Geschichte. Sein Theologieexamen legte er 1801 ab. Da er nach seinem Studium keine Anstellung finden konnte, ging er kurzzeitig zurück in seine Geburtstadt. Anfang 1804 trat er eine Hauslehrerstelle bei dem berühmten Medizinprofessor Christoph Wilhelm Hufeland in Berlin an.

Hier lernte er den Historiker Johannes von Müller kennen, seinen späteren Förderer und Mentor. Dieser erkannte recht schnell die Begabung des Jüngeren und regte ihn zu historischen Arbeiten an. Durch die Fürsprache v. Müllers, seiner Göttinger Lehrer und vermutlich auch Hufelands wurde er 1806, nachdem die Philosophische Fakultät der Universität Jena ihn 1805 zum Doktor promoviert hatte, außerordentlicher (und damit zunächst unbezahlter) Professor für Geschichte an der thüringischen Universität. Luden, der zu dieser Zeit mit Frau und Kind in Göttingen lebte und sich weiteren historischen Studien widmete, besuchte Ende Juli 1806 Jena und traf hier mit Goethe zusammen. Auf Einladung Goethes fand am 9. August 1806 das berühmte Gespräch zwischen diesem und dem Historiker Luden über den Faust und über den Begriff der Geschichte statt.

Im Oktober des gleichen Jahres zog Luden mit seiner Familie nach Jena um. Unterwegs nach Jena erhielt er die überraschende Kunde von der vernichtenden Niederlage des preußischen Heeres bei Jena und Auerstedt. Als Eltern und Kind in Jena eintrafen, fanden sie die schon im Sommer von Luden gemietete und bezogene Wohnung durch die französischen Sieger ausgeplündert vor. Heinrich Ludens Bibliothek, seine Manuskripte und die häusliche Einrichtung waren zerstreut oder verschwunden.

In beruflicher wie in privater Hinsicht musste neu begonnen werden. Die wirtschaftliche Lage war schwierig, fand doch auch Ludens erste Vorlesung über Universalgeschichte, die ihm hätte Geld einbringen sollen, nur wenige Hörer. Neben der Unterstützung durch Freunde und Einnahmen aus Übersetzungen lateinischer Schriften erhielt er 1807 zumindest ein kleines festes Gehalt durch Herzog Carl August. In der Folgezeit wuchs jedoch seine Anerkennung sowohl bei den Studenten als auch in der Fachwelt; bekannt wurde er für die Zeitgenossen gleichfalls durch seine politische Publizistik.

Ab dem Winter 1809/10 übte er durch seine Vorlesungen vor überfüllten Auditorien über die „Geschichte des deutschen Volkes", über Politik und zeitgeschichtliche Themen große Wirkung auf die Studenten und vor allem auf die Burschenschaft aus. Kenntnis und Studium der deutschen Geschichte sollten seiner Meinung nach Liebe und Verantwortung für das Vaterland wecken. Den Nationalstaat preisend und das deutsche Mittelalter im Sinne der Romantik als Vorbild für eine konstitutionelle Monarchie idealisierend, bekämpfte er die Franzosen als Erbfeinde, weswegen seine Vorlesungen auch bald von französischen Spitzeln überwacht wurden. Es spricht für die Liberalität Weimars, Luden 1810 trotz seiner bekannten unabhängigen Denkungsart zum ordentlichen Professor ernannt zu haben.

In der Folgezeit machte er sich neben der Lehrtätigkeit und dem Verfassen historischer Schriften auch als Publizist einen Namen, wobei seine Herausgeber- und Autorenschaft des politischen Journals „Nemesis" hervorzuheben ist. Zunächst gegen Napoleon und Frankreich gerichtet, konzentrierte die Zeitschrift sich nach dem endgültigen Untergang des Kaiserreichs überwiegend auf die politische Entwicklung in Deutschland, indem sich Luden vor allem gegen einen deutschen Staatenbund wandte. In den Studentenprozessen nach dem Wartburgfest, an dem er selbst nicht teilgenommen hatte, spielten seine Schriften und seine Vorlesungen eine große Rolle.

Nach dem durch Anfeindungen bedingten Rückzug auf seine akademische Tätigkeit um 1818 widmete sich Luden erneut der Publikation historischer Schriften. Es entstanden seine Hauptwerke „Allgemeine Geschichte der Völker und Staaten" sowie die „Geschichte der Teutschen", die jedoch nur bis ins 13. Jahrhundert reicht. Zwischenzeitlich saß er auch als Vertreter der Universität Jena im Weimarischen Landtag.

Seine letzten Jahre waren vor allem von Krankheiten geprägt. Am 23. Mai 1847 ist Heinrich Luden in Jena gestorben.

Obwohl Ludens Arbeiten zu seiner Zeit viel gelesen wurden und besonders auf die erwachende slawische Geschichtsschreibung großen Einfluss hatten, wurden sie von der historisch-kritischen Schule sehr schnell überholt. Die Bedeutung Ludens ist somit eher in seiner Tätigkeit als akademischer Lehrer und politischer Publizist zu suchen, die uns Auskunft über die Geisteshaltung deutscher Akademiker in den bewegten Zeiten der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts geben kann.

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2005, 15:29 Uhr