1547: Gründer des albertinischen Kurstaates Kurfürst Moritz von Sachsen

(1521-1553)

"... ohne alle Anwandlung von Treue und persönlicher Rücksicht ..." (der Historiker Leopold von Ranke über Moritz von Sachsen)

Am 21. März 1521 war Moritz als Spross der Albertinischen Linie des Hauses Wettin in Freiberg geboren worden. Zu dieser Zeit beherrschten die Albertiner die Gebiete des heutigen Thüringen und Sachsen. Die Kurwürde war an das Herzogtum Sachsen-Wittenberg gebunden, welches seit der Leipziger Teilung in ernestinischem Besitz war.

Im albertinischen Sachsen herrschte zu dieser Zeit Herzog Georg der Bärtige, ein Onkel des jungen Moritz. Im Gegensatz zu den Ernestinern, die den lutherischen Protestantismus zur Staatsreligion erhoben hatten, hielten die Albertiner am Katholizismus fest. Nach dem Tod Herzog des Bärtigen 1539 und dem Ableben seiner beiden Söhne 1537 und 1539 rückte sein Neffe Moritz als möglicher zukünftiger Erbe des Herrscheramtes ins Blickfeld der Politik.

Im Alter von elf Jahren schickten die Eltern Moritz an den Hof des Kardinals Albrecht nach Halle. Hier erlebte der Heranwachsende den alten katholischen Glauben nur in humanistischer Abschwächung und seine Träger in Genussleben und Sittenlosigkeit. Zu Anfang 1534 nahm ihn Herzog Georg der Bärtige an den Hof nach Dresden. Hier gewann besonders der herzogliche Rat Georg von Carlowitz, ein Mann mit großer Erfahrung im Verwalten und Regieren, mit einem starken Zug zu Macht und Autorität Einfluss auf den 13jährigen Moritz.

Als im April 1539 Herzog Georg der Bärtige ohne erbberechtigte Nachkommen starb, ging die Regierung an seinen schon 66jährigen, kränkelnden Bruder Heinrich über, der den Protestantismus auch im albertinischen Sachsen zur Staatsreligion erhob. Im Vorgefühl des nahen Todes übertrug Heinrich im August 1541 seinem Sohn, dem 20jährigen Moritz, die Regierungsgeschäfte und starb zwei Wochen später.

1546 glaubte Kaiser Karl V. seine Position stark genug, um das Bündnis der Protestanten, den Schmalkaldischen Bund – und damit den ernestinischen Kurfürsten Johann Friedrich – angreifen zu können. Als sich die Waagschale zu Gunsten des Kaisers zu neigen begann und der Verlust ernestinischer Länder an die Habsburger Partei drohte, ging Herzog Moritz, obwohl lutherischen Glaubens, zur kaiserlichen Seite über und besetzte Gebiete seines ernestinischen Vetters. Diesem gelang es jedoch den Albertiner zurückzuschlagen und selbst im Frühjahr 1947 auf Dresden zu marschieren. Moritz rief die Kaiserlichen zu Hilfe.

Im Herbst 1543 hatte sich Moritz bereits zögernd Kaiser Karl V. angenähert. Allerdings kämpfte er im September 1545 noch einmal an der Seite des Schmalkaldischen Bundes.

Bis 1546 erreichte Moritz jedoch in zähen Verhandlungen mit der kaiserlich-habsburgischen Partei sein Ziel: die mündliche Zusage, dass ihm im Falle seiner Parteinahme gegen den Schmalkaldischen Bund die sächsische Kurwürde zufallen werde.

So kam es, dass sich die Vettern aus albertinischem und ernestinischem Haus im Frühjahr 1547 in einem Krieg befanden, der ursprünglich um Religionsfragen begonnen hatte und bei dem es nun um nicht weniger als um die Kurwürde ging.

Am Morgen des 24. April 1547 trafen die Kriegsparteien in den nebligen Elbauen zwischen Torgau und Riesa aufeinander. Was als beiläufiges Rückzugsgeplänkel begann, sollte zum historischen Wendepunkt in der Geschichte der Wettiner werden: An diesem Tag wollte sich der protestantische Kurfürst Johann Friedrich, der größere Teile der albertinischen Lande besetzt und Leipzig und Dresden in den vergangenen Wochen belagert hatte, mit seinen Truppen vor der anrückenden katholischen Übermacht Kaiser Karls V. zurückziehen.

Die Schlacht begann, als eine Vorhut der kaiserlichen Streitmacht unter Herzog Alba die Schiffsbrücke des ernestinischen Heeres über die Elbe bei Mühlberg angriff und die Kaiserlichen die Elbe überquerten. Nicht auf eine ernsthafte Auseinandersetzung vorbereitet, löste sich das Heer Johann Friedrichs in der Flucht auf. Der Kurfürst versuchte, sich in den Schutz des Waldgebietes am rechten Elbufer, das er von seinen häufigen Jagdunternehmen kannte, zu retten. Ein Trupp aus Reitern der Heere Kaiser Karls V. und Herzog Moritz' verfolgte ihn. Auf einer Lichtung in der Lochauer Heide nahm man Johann Friedrich schließlich gefangen.

Das kaiserlich-albertinische Heer zog in Richtung Wittenberg weiter und begann mit der Belagerung der Stadt. In der anschließenden Wittenberger Kapitulation vom 19. Mai 1547 zwang man Johann Friedrich, dem die Todesstrafe drohte, auf die Kurwürde und alle ernestinischen Gebiete östlich der Saale zu verzichten. Beides fiel an seinen albertinischen Vetter Moritz.

Dieser war als neuer sächsischer Kurfürst nicht nur der Begründer des albertinischen Kurstaates, sondern der eigentliche Sieger des Schmalkaldischen Krieges - als Protestant mit katholischen Verbündeten.

Damit verlagern sich die politischen, wirtschaftlichen und territorialen Gewichte innerhalb des wettinischen Gesamthauses eindeutig auf die albertinische Seite. Die Ernestiner bleiben fürderhin auf ihre thüringischen Besitzungen beschränkt, die in der Folgezeit durch Erbteilung eine extreme Zersplitterung erfahren.

Kämpfend errang Moritz nicht nur seine Siege, sondern hoch zu Ross in schwarzer Rüstung ereilte ihn während eines Reitergefechts bei Sievershausen 1553 auch der Tod. Als er eben im Begriff war, einem fliehenden Feind nachzusetzen, traf ihn rücklings ein Schuss und durchschlug seine Rüstung. An den Folgen dieser Verletzung starb er schließlich.

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2005, 15:43 Uhr