Die vertauschte Prinzessin

Die Dunkelgräfin von Hildburghausen

Im Jahre 1807 kommt eine geheimnisvolle Frau nach Hildburghausen. "Dunkelgräfin" wird sie von den Einheimischen bald genannt. Frankreichs letzte Königstochter suchte damals Zuflucht in der thüringischen Provinz, so hält sich eine Legende bis heute. Der Film von Leonore Brandt und Hans-Michael Marten spürt ihr nach.

Am 7. Februar 1807 kommt in der thüringischen Residenzstadt Hildburghausen gegen Mitternacht eine Kutsche an. Eine verschleierte Dame und ein eleganter Mann entsteigen und nehmen zunächst Quartier im "Englischen Hof". Die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer ... 30 Jahre lang spielt sich das Leben dieses geheimnisvollen Paares in fast grotesker Geheimhaltung ab. Umso mehr interessiert es die Öffentlichkeit. Die vornehme Dame zeigt sich nie anders als verschleiert, und so brodelt von Anfang an die Gerüchteküche.

Was ist dran an der Legende?

Wer war die Dunkelgräfin? Ihr Grab findet sich noch heute namenlos auf dem Schulersberg in Hildburghausen. Schon zu Lebzeiten begann die Legendenbildung: In Wahrheit handele es sich bei der Dunkelgräfin um Frankreichs letzte Königstochter. Nach der Hinrichtung ihrer Eltern, Ludwig XVI. und Marie Antoinette, in Folge der französischen Revolution von 1789 und ihrer Inhaftierung habe sie in der Emigration schließlich bei ihrer Jugendfreundin aus Thüringen, der Herzogin von Sachsen-Hildburghausen, Zuflucht gefunden.

Doch was ist dran an der Legende? Eigentlich lassen die offiziellen Geschichtsbücher keinen Raum für Zweifel: Marie Thérèse Charlotte hatte die französische Revolution von 1789 als Einzige der Familie überlebt. Vater, Mutter, Bruder und Tante wurden hingerichtet, das Mädchen im französischen Staatsgefängnis "Temple" isoliert, später bekam sie eine Gesellschafterin, 1795 endlich wurde sie aus der Haft entlassen. Sie reiste zunächst zu den Habsburger Verwandten nach Wien, heiratete und wurde zur Herzogin von Angoulême. 1851 starb sie 73-jährig und wurde in der Bourbonengruft eines Franziskanerklosters im heutigen Slowenien beerdigt.

Spurensuche über Ländergrenzen hinweg

Aber verlief so wirklich das Leben des einst geschundenen Mädchens aus dem Pariser Gefängnis oder übernahm die Rolle der später durchaus eigenbestimmten Thronanwärterin in der Weltgeschichte eine Andere? Und wenn, aus welchem Grund? Der Film will dem Rätsel der Dunkelgräfin auf die Spur kommen, die bis heute nicht versiegenden Spekulationen abwägen, die der beschaulichen Szenerie in Hildburghausen eine Facette europäischer Geschichte hinzufügen.

Wie oft male ich mir ein Leben in ländlicher Stille aus. Ich schließe manchmal die Augen und denke mir, daß ich in einem einsamen Schloß wohne, umgeben nur von einigen treuen Menschen ... daß mein Blick über waldige Höhen schweift und daß die Menschen, denen ich begegne, gar nicht ahnen wer ich bin.

Aus dem Gefängnis-Tagebuch von Marie Thérèse Charlotte

Der Film von Autorin Leonore Brandt und Regisseur Hans-Michael Marten folgt authentischen Spuren, untersucht anhand von Indizien und Dokumenten, was für und wider die Legende von der vertauschten Prinzessin spricht. Gedreht wurde dafür im Sommmer 2007 in Thüringen, Süddeutschland, Österreich und Frankreich. Befürworter und Gegner der Vertauschungstheorie kommen zu Wort. Spielszenen machen die spannende, aber auch vertrackte Geschichte anschaulich und lebendig.

Buch: Leonore Brandt
Regie: Hans-Michael Marten
Länge: 45 min.
Sendetermin: 28.10.2007 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. November 2007, 17:04 Uhr