Juni 1878: Vizekanzler in Preußen Fürst Otto zu Stolberg-Wernigerode

(1837-1896)

Am 30. Oktober 1837 im hessischen Gedern geboren, studierte der junge Fürst zunächst in Göttingen und Heidelberg Jura und Verwaltungswissenschaften und diente danach als Offizier in der preußischen Armee. 30jährig übernahm er das Amt des ersten Oberpräsidenten der gerade an Preußen gekommenen Provinz Hannover, zu deren Integration in den preußischen Staat er wesentlich beitrug. Anschließend saß er seit 1867 im Konstituierenden Norddeutschen Reichstag und zwischen 1871 und 1878 war er Mitglied des Deutschen Reichstages. Zur selben Zeit stand er als Präsident der ersten Kammer des Preußischen Landtags vor.

Nach zweijährigem Aufenthalt als Botschafter in Wien, war Fürst Otto zu Stolberg-Wernigerode von Mai 1878 bis Juni 1881 als Vizepräsident des Preußischen Staatsministeriums und Vizekanzler der nächste Mitarbeiter von Otto von Bismarck. Wiederholte Meinungsverschiedenheiten beendeten das Arbeitsverhältnis zwischen beiden.Im Herbst 1879 gelang es Fürst Otto, den letzten Widerstand Kaiser Wilhelm I. gegen den Abschluss des für Deutschland später so bedeutsamen deutsch-österreichischen Bündnisses zu überwinden. Der Zweibund verpflichtete den deutschen und den österreichischen Kaiser, gegen einen russischen Angriff „einander mit der gesamten Kriegsmacht ihrer Reiche beizustehen und demgemäß den Frieden nur gemeinsam und übereinstimmend zu schließen".

In den Jahren 1884 bis 1894 stand der Fürst als Oberstkämmerer, 1885 bis 1888 zugleich als Minister des Königlichen Hauses im preußischen Staatsdienst an herausragender Stelle. Welch großes Ansehen er genoss, zeigte sich auch darin, dass man ihm 1872 die Kanzlerschaft des Johanniterordens und 1891 die des Schwarzen Adlerordens übertrug.

Fürst zu Stolberg-Wernigerode trat bereits frühzeitig für eine Sozialpolitik ein, um durch Zugeständnisse den Einfluss der Sozialdemokratie zurück zu drängen und so die bestehende Ordnung aufrechtzuerhalten.

Am 19. November 1896 ist der Fürst in Wernigerode gestorben.

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2005, 14:22 Uhr