11. Juli 1796: Erste Sortimentsbuchhandlung öffnet Friedrich Christoph Perthes

(1772-1843)

Am 21. April 1772 kam Friedrich Christoph Perthes in Rudolstadt auf die Welt. Sein Vater, ein fürstlich angestellter Beamter, starb sehr früh. Der Junge kam in die Obhut seines Onkels von dem er den ersten Elementarunterricht erhielt. Einige Jahre später konnte Friedrich Christoph das Gymnasium besuchen. Für eine fundierte Schulbildung jedoch war kein Geld vorhanden. Da sich Friedrich Christoph schon früh für Bücher begeisterte und viel las, entschied er sich mit 15 Jahren für eine Buchhändlerlehre. Seine Lehre begann er am 9. September 1787 bei dem Buchhändler Adam Friedrich Böhme in Leipzig. Den jungen Perthes plagte das Heimweh nach den Thüringer Bergen, wie aus seinen Briefen an die Mutter und den Onkel hervorgeht.

Leipzig blieb ihm während der sechsjährigen Lehrzeit immer fremd, auch wenn ihn sein Lehrherr wie einen eigenen Sohn in die Familie aufgenommen hatte. Die Arbeit selbst machte ihm Spaß und die Möglichkeit, viel zu lesen, nutzte er in jeder freien Minute. Perthes beschäftigte sich unter anderem intensiv mit Kant und Cicero und eignete sich bis zum Ende seiner Lehrzeit im Frühjahr 1793 ein fundiertes Wissen an. Dank seines Eifers und seiner Begabung stellte man Perthes eine Stelle als Gehilfe in Hamburg in Aussicht. Am 13. Mai 1793 verließ der gerade 20jährige Leipzig, um zukünftig in der Hamburger Buchhandlung Hoffmann zu arbeiten.

In der neuen Stadt genoss er die gewonnenen Freiheiten nach der strengen Erziehung seines Leipziger Lehrherrn. Er besuchte Konzerte und Theateraufführungen und fand dadurch rasch Zugang zu den angesehenen Familien der Stadt. Schon bald reiften die ersten Pläne für ein eigenes Geschäft heran, zumal Perthes die Probleme des damaligen Buchhandels erkannte, doch als Gehilfe keinen Einfluss auf die Verhältnisse hatte.

Gemeinsam mit zwei Freunden machte Perthes seinen Traum wahr. Er gab 1796, nach nur drei Jahren, seine Stellung bei Hoffmann auf. Ostern desselben Jahres fuhr er zum ersten Mal auf die Leipziger Messe, um mit den dort versammelten Verlegern Kontakte zu knüpfen. Obwohl diese sich den Plänen des 24jährigen gegenüber eher reserviert verhielten, ließ Perthes sich nicht einschüchtern: Am 11. Juli 1796 eröffnete er seinen Laden in der Hamburger Innenstadt. Seine Buchhandlung galt als die erste reine Sortimentsbuchhandlung Deutschlands. Neben einer großen Auswahl an älterer und neuerer Literatur aus allen Wissensgebieten lagen verschiedene Journale, Zeitungen und literarische Zeitschriften im Laden aus, so dass sich die Kunden immer über sämtliche Neuheiten des literarischen Lebens informieren konnten. Die wissenschaftlich geordnet aufgestellte Literatur, ermöglichte einen schnellen Überblick über den vorhandenen Bestand.

Bald stand das Geschäft auf festen Füßen. Perthes selbst bemerkte später in einem Brief dazu: "Es war ein keck gewagtes, jugendliches Unternehmen, aber es ruhte auf der richtigen Einsicht in die lebendigen literarischen Bewegungen und Bedürfnisse der damaligen Zeit." Während dieser Zeit lernte er den Dichter Matthias Claudius kennen und heiratete ein Jahr nach der Eröffnung der Buchhandlung dessen Tochter Caroline. Die beiden Männer verband eine lebenslange Freundschaft.

Mit Napoleons Aufstieg und Macht über Europa begann Perthes sich für Politik zu interessieren. Er gründete die national gerichtete Zeitschrift "Das Museum", die unter anderem für ein vereinigtes Deutschland eintrat. Daneben engagierte er sich aktiv in verschiedenen nationalen Kreisen und Parteien, was ihn nach der Eroberung Hamburgs durch die Franzosen zur Flucht zwang. Über Dänemark reiste er nach England. Hier besaß er seit mehreren Jahren eine Filiale seines Hamburger Geschäfts. In dieser Zeit veröffentlichte Perthes seine unter Buchhändlern und Verlegern bald in ganz Deutschland bekannte Publikation "Der deutsche Buchhandel als Bedingung des Daseins einer deutschen Literatur".

Durch die politischen Wirren und seine lange Abwesenheit geriet sein Unternehmen in große finanzielle Schwierigkeiten. Nach seiner Rückkehr aus dem Exil im Mai 1814 musste er fast von vorn beginnen. Doch seine alten Kunden waren ihm treu geblieben, und so ging es ihm und seiner Familie schon bald wieder besser. Aber die Probleme gingen nun auf familiärer Ebene weiter. Seine Frau Karoline erkrankte schwer und war in ihren letzten Lebensjahren auf Pflege angewiesen. Der Tod seiner Frau im Herbst 1821 war ein schwerer Schlag für Perthes. Er entschloss sich nun, das sehr aufreibende Buchhändlergeschäft aufzugeben und sich in Gotha niederzulassen. Die Firma übergab er seinem Freund und Teilhaber Johann Heinrich Besser. Im Winter 1821/ 22 traf er alle Vorbereitungen für den Umzug. Doch der Abschied von Hamburg fiel ihm schwer, war es doch die Stadt, mit der ihn so vieles verband: "Wie Weihnachten und Neujahr von mir durchlebt, erlasse mir zu fragen; es waren harte, sehr harte Tage, und sehr harte Tage stehen mir noch bevor. Jeder Tritt, jede Bewegung, jeder Federzug, den ich tue, ruft mir das Herz: Zuletzt! Dreißig Jahre meines Lebens und Wirkens verlebte ich in diesen Umgebungen, hier wurde mir alles, was mir teuer war; hier wurde mir Beruf, Wirksamkeit und Achtung; hier hatte ich Karoline, hier fand ich Gott. Das Scheiden von Haus und Stadt, von Menschen und Verhältnissen(...)ist kein leichtes und hat mich tief ergriffen."

Zwei Monate später verließ Perthes mit seinen vier Kindern Hamburg, um in Gotha einen Neuanfang zu versuchen. Unter dem Namen seines Sohnes Friedrich Andreas Perthes gründete er einen Verlag. Seine schon in der Hamburger Zeit geknüpften Kontakte zu Wissenschaftlern, Gelehrten und Autoren verhalfen dem neuen Geschäft zu einem raschen Aufschwung. Mit verschiedenen Autoren seines Verlages, wie dem Freiherren vom Stein und den Brüdern Schlegel, verband ihn eine Freundschaft, die sich in einem regen Briefwechsel niederschlug. Neben der Verlagstätigkeit widmete er sich der Arbeit für den "Börsenverein des deutschen Buchhandels", den er mit ins Leben gerufen hatte.

Zwei Jahre nach seinem Umzug heiratete er ein zweites Mal. Die Gothaerin Charlotte Becher gebar ihm noch vier weitere Kinder. Zusammen mit seiner Familie verbrachte Perthes die folgenden Jahre im Vergleich zu seinem Hamburger Leben sehr ruhig, bevor er am 18. Mai 1843 nach kurzer schwerer Krankheit in Gotha starb.

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2005, 16:03 Uhr