07. Mai 1910 "Das Max-Reger-Fest" - ein lebender Komponist wird gefeiert Max Reger

(1873-1916)

Am 19. März 1873 kam der älteste Sohn des Dorfschullehrers Joseph Reger und seiner Frau Katharina Philomena in Brand im Fichtelgebirge auf die Welt: Johann Baptist Joseph Maximilian Reger. Die Musik, sein späterer Broterwerb, war ihm schon in die Wiege gelegt. Die Eltern, beide große Musikliebhaber musizierten in ihrer Freizeit viel. Der Vater spielte sonntags die Orgel im Gottesdienst und gab seinen Schülern Gesangsunterricht.

Bereits im Alter von fünf Jahren erhielt der junge Max den ersten Klavierunterricht durch seine Mutter. Sechs Jahre später begann er, Klavierstunden beim Weidener Volksschullehrer und Organisten der Pfarrkirche Adalbert Lindner zu nehmen. Kaum Zwei Jahre darauf war der talentierte Jungmusiker so weit fortgeschritten, dass er seinen Lehrer häufig als Organist der Stadtkirche vertreten konnte. Ein Besuch der Bayreuther Festspiele 1888 ließ in dem 15jährigen den Wunsch reifen, Musiker zu werden.

Seine erste Komposition war eine "Ouvertüre in h-moll", die noch im selben Jahr dem Musikwissenschaftler Hugo Riemann zur Beurteilung vorgelegt wurde. Dieser bestätigte Regers Talent und schickte ihm Bücher über Harmonie, Kontrapunkt und Formenlehre für ein erstes autodidaktisches Studium. Nach anfänglichen Zweifeln unterstützten die Eltern schließlich den Berufswunsch des Sohnes. Der nun 17jährige ging nach Sondershausen ans Fürstliche Konservatorium, um bei Hugo Riemann zu studieren. Als dieser im Herbst 1890 nach Wiesbaden berufen wurde, folgte ihm sein Schüler. Neben dem Unterricht in Theorie und Klavier legte Riemann vor allem die Grundlage für Regers umfassendes kompositionstechnisches Können. Doch der Alleinanspruch der Traditionslinie Bach - Beethoven - Brahms, wie sie Riemann vertrat, genügte Reger nicht.

Nach dem Abschluss des Studiums 1893 kühlte sich beider Verhältnis ab, da Riemann Regers Musiksprache mit Bedenken sah. Auch bei Kritikern und Publikum fanden die ersten Aufführungen seiner Kompositionen wenig Anklang. In dieser Situation, immer unzufriedener mit der Wiesbadener Gesellschaft und den Verhältnissen des Musiklebens seiner Zeit, erhielt Reger am 1.Oktober 1896 die Einberufung zum Militärdienst. Die folgenden Monate müssen für den Musiker die schlimmste Zeit seines Lebens gewesen sein. Unterdessen brachte Karl Straube, der spätere Thomaskantor von Leipzig, Regers Orgelsuite op. 16 in Berlin zur Uraufführung. Doch der Erfolg blieb für den Komponisten aus, man rühmte Straubes Spiel und zerriss Regers Komposition.

Nach der Entlassung vom Militär versuchte Max Reger sich mit Gelegenheitsarbeiten seinen Unterhalt zu verdienen. Er fertigte Klavierauszüge unbedeutender Opern an, schrieb Werkbesprechungen zu heute vergessenen Kompositionen und erteilte die ihm verhassten Privatstunden. Unzufrieden mit seinem Leben wurde er immer aggressiver. Bald widersetzte er sich der bürgerlichen Gesellschaft, trank und machte Schulden.

Alkoholabhängig, körperlich und seelisch krank kehrte der nun 25jährige Reger 1898 ins Elternhaus nach Weiden. "Es ist wahrhaft eine Aufgabe, diesen Menschen bei uns zu haben und uns hier so bloßzustellen, in einer so kleinen Stadt weiß und kennt man jedes Kind. Doch wir wollen das Opfer noch versuchen..., weil wir wissen, daß er sonst ganz sicher verloren ist", schrieb im Juni desselben Jahres seine Mutter an einen Freund von Max. Der Aufenthalt bei seinen Eltern verbesserte seinen Gesundheitszustand. Reger begann wieder zu komponieren. Die erste Choralphantasie "Ein feste Burg ist unser Gott" bildete den Auftakt zu weiteren großen Orgelwerken, die in den folgenden Jahren seinen Ruhm begründeten und ihn zu einem vieldiskutierten Komponisten machten. Bedingt durch den Einsatz Straubes, der seine bis dahin als unspielbar geltenden Orgelwerke immer wieder zur Aufführung brachte, wuchs Regers Selbstvertrauen.

Am 1. September 1901 zog es Reger mit seiner Familie nach München, der damaligen Hochburg der modernen Musik. War er wegen seiner dissonanzen- und modulationsreichen Harmonik bis dahin als Umstürzler der Musik verschrien, wurde er hier zu seinem Erstaunen ins konservative Lager eingeordnet. Trotz Kritiken hatte sich ein fester "Regerstamm" herausgebildet, und der Komponist wurde neben Richard Strauss zum meistaufgeführten Komponisten Deutschlands. Während man ihn auf seinen zahlreichen Konzertreisen feierte, begegnete man ihm in München allerdings mit immer mehr Desinteresse.

Unter diesen Umständen nahm er die Berufung zum Leipziger Universitäts-Musikdirektor und Konservatoriumslehrer zum 1. April 1907 gerne an. Wie stets brachte auch dieser Wohnortwechsel einen Neuauftrieb der schöpferischen Kräfte. Doch fand er auch in Leipzig nicht die erwartete Anerkennung. Große Teile des Publikums und der Kritiker lehnten ihn ab. Wegen der vielen Konzertreisen, die ihn immer wieder für lange Zeit von Leipzig fernhielten, kam er nur noch sporadisch zur Konkretisierung bestimmter Kompositionsideen.

Im Mai 1910 fand das "Max-Reger-Fest" in Dortmund statt. Es war das erste ausschließlich dem Schaffen eines lebenden Komponisten gewidmete mehrtägige Konzertereignis des 20. Jahrhunderts, an dessen Vorbereitung der Komponist selber intensiv beteiligt war. Zurück in Leipzig widmete er sich wieder vermehrt seinem kompositorischen Schaffen. Doch der Überdruss an der Stadt wuchs stetig und so nahm er nach kurzer Bedenkzeit die Berufung zum Hofkapellmeister in Meiningen an.

Die Konzertreisen der Hofkapelle gaben ihm die Gelegenheit, beispielhafte Interpretationen der eigenen Werke zu bieten. In den Wintermonaten arbeitete Reger verstärkt an neuen Werken, die während der Konzertreisen liegen geblieben waren. Aber die strapaziöse Doppelbelastung von Komponieren und Konzertieren wirkte sich negativ auf seinen schon angeschlagenen Gesundheitszustand aus. Wie bereits in den Jahren zuvor versuche er, der Anspannung mit Hilfe des Alkohols Herr zu werden. Im Februar 1914 brach Reger schließlich nach einem Konzert in Hagen zusammen, musste alle Engagements absagen und einen Sanatoriumsaufenthalt in Meran antreten. Dort entschloss sich der 42jährige, die Meininger Stellung aufzugeben, um Zeit für eigene Arbeiten zu gewinnen.

Sein kompositorisches Schaffen erreichte in dieser Zeit einen zweiten Höhepunkt. Der Ausbruch des Weltkrieges hatte Reger, wie viele seiner Zeitgenossen auch, in einen euphorischen Zustand versetzt. In seiner "Vaterländischen Ouvertüre" brachte er diesen zum Ausdruck. Allerdings stellte sich noch im selben Jahr die Ernüchterung bezüglich des Krieges ein, so dass er die Idee der Jubelkomposition "Tedeum" aufgab.

Nach einem erneuten Umzug nach Jena im März 1915 nahm er trotz der Kriegswirren seine Konzertreisen wieder auf. Allerdings war er der neuerlichen Mehrfachbelastung nicht mehr gewachsen. In der Nacht zum 11. Mai 1916 starb Max Reger in einem Hotelzimmer in Leipzig.

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2005, 16:07 Uhr