1613: Die "Lutherdramen" Martin Rinckart

(1586-1649)

Geboren am 23. April 1586 wuchs Martin Rinckart, der Sohn eines Böttchers, in einer frommen Familie unter schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen auf. Seine musikalische Begabung fiel früh auf und die Empfehlung des Eilenburger Superintendenten ermöglichte ihm den Besuch der Thomasschule in Leipzig. Auch hier erfuhr der gerade 15jährige Martin in seiner Ernennung zum Chorpräfekt Förderung. In dieser Zeit, wohl auch durch die intensive Beschäftigung mit christlichen Liedtexten, erwachte sein Interesse für die Theologie. 1602 schrieb er sich an der Leipziger Universität für dieses Fach ein.

Nach dem Studium kam Rinckart über Eisleben und Erdeborn 1617 nach Eilenburg zurück. Mehr als drei Jahrzehnte sollte er hier als Seelsorger tätig sein. Sein Wirken fiel in die Zeit des 30jährigen Krieges, der gerade in Mitteldeutschland grausam wütete. Vor Krieg, Pest und Hunger flohen auch die Geistlichen. Rinckart war einer der wenigen, in Eilenburg der einzige, der seinen Posten nicht verließ. Sein gefestigter Glaube befähigte ihn gerade in diesen schwierigen Zeiten Hoffnung zu spenden und moralisches Vorbild zu sein. Wegen seiner Predigten gegen die Unmenschlichkeit des Stadtrates, der sich am Elend der Menschen bereicherte verklagte man ihn und er sah sich gezwungen, sich vor dem Kurfürsten Johann Georg I. zu verantworten. Doch der sprach ihn frei.

In seiner theologischen Ausrichtung war Rinckart zeitlebens klarer Lutheraner, dafür prädestinierten ihn allein schon seine Herkunft, seine Ausbildung und seine Amtstätigkeit. Obwohl er seine Ausbildung in Leipzig genossen hatte, das damals als Hochburg des polemisch konfessionellen Dogmatismus galt, verfiel er selbst nie in diese hasserfüllten Streitereien, trotz aller Glaubensüberzeugung und der damals durchaus üblichen Intoleranz.

Mehrmals bewahrte Rinckart Eilenburg im Krieg vor der Brandschatzung, so unter anderem 1639 als schwedische Truppen die Stadt überfallen hatten und utopische Summen forderten. Als nichts sie erweichen konnte rief Rinckart die Einwohner zu einer Fürbitte zusammen: "Kommt her ihr lieben Kirchenkinder, wir haben bei Menschen kein Gehör und keine Gnade mehr, wir wollen mit Gott reden." Die Menschen beteten und sangen den Choral. Tief beeindruckt zogen die Schweden daraufhin ab.

"Hohe Bewunderung und Liebe für Luther, dessen Lehre, Leben und Wandel ihm vorbildlich geworden war", bilden wohl den Hintergrund dafür, dass Rinckart sieben Lutherdramen schrieb. Allerdings merken Kritiker an, dass bei Rinckarts dichterischem wie dramatischem Werk die Qualität hinter der Quantität zurücksteht. Nur drei der sieben Stücke sind erhalten, eines davon ist das Stück "Der Eislebische Ritter". Im Mittelpunkt des Dramas stehen die drei Brüder: Peter (Papsttum), Johannes (Calvinismus) und Martin (Luthertum), die die zerstrittenen Konfessionen verkörpern. Lessing diente dieses Drama in seinem Stück "Nathan der Weise" als Vorlage für seine berühmte "Ringparabel".

Nur ein Jahr nach den Friedensschlüssen von Münster und Osnabrück starb Martin Rinckart am 8. Dezember 1649 in seiner Heimatstadt. Begraben wurde er in seiner Kirche St. Nicolai, die 1945 bei der Bombardierung der Stadt stark zerstört wurde. Auch heute noch erinnert ein Altarschrein in der Chorkirche an ihn. Weiter lebt er aber vor allem in "seinem" Lied: "Nun danket alle Gott". Dem wohl bekanntesten deutschsprachigen Kirchenlied wohnt auch mehr als 350 Jahre nach seiner Entstehung noch immer eine ungeheure Kraft inne. Den Dank an Gott ausdrückend, spendet es zugleich Trost. Sein Verfasser war der Eilenburger Theologe, Dichter und Musiker Martin Rinckart.

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2005, 16:11 Uhr