11. Juli 1631 - Botanischer Garten Jena eröffnet Warum senkte die Angst vor dem "gerolfinkt werden" die Verbrechensrate?

(1599-1673)

Werner Rolfinck, am 15. November 1599 in Hamburg als Sohn eines Gymnasialprofessors geboren, studierte zunächst von 1616 bis 1618 an der Universität Wittenberg Medizin. Es folgten weitere Studien in den damaligen medizinischen und naturwissenschaftlichen Hochburgen Europas: Leyden, Oxford, Paris und Padua. 1625 erwarb Rolfinck an der Universität Padua den medizinischen Doktorgrad. Nach kurzer Tätigkeit in Venedig und Wittenberg folgte er 1629 einem Ruf als Professor an die Medizinische Fakultät der Universität Jena, nachdem er ein Jahr zuvor eine Stelle als Anatomieprofessor an der Universität Padua ausgeschlagen hatte.

In Jena vertrat der 30-Jährige zunächst die Fächer Chirurgie, Anatomie und Botanik. Nebenher unterrichtete er auch Chemie und baute ein Laboratorium für die praktische Unterweisung der Studenten auf. 1638 übernahm er offiziell das "Exercitium Chymicum", also die Durchführung des chemischen Unterrichts und wurde ein Jahr später, am 21. Februar 1641, zum Professor für Iatrochemie berufen.

Neu: Mit chemischen Kenntnissen Arzneien herstellen

Damit trug die Universität Jena einer Entwicklung Rechnung, die bereits im 16. Jahrhundert das medizinische Denken und Handeln in Europa maßgeblich beeinflusst hatte. Nämlich mit Hilfe chemischer Kenntnisse Arzneien zu bereiten. Als Begründer diesen neuen Richtung, der "Iatrochemie", vom griechischen "iatros" für Arzt abgeleitet, gilt der aus der Schweiz stammende Arzt und Naturforscher Paracelsus. Er betrachtete die Vorgänge im menschlichen Körper als chemische Reaktionen, wobei nach seiner Überzeugung Krankheiten durch Überfluss oder Mangel von einem oder mehreren chemischen "Grundprinzipen" zustande kommen sollten. Der Arzt musste daher die Ursache einer Krankheit genau kennen, um entweder das fehlende chemische "Grundprinzip" zu ergänzen oder das überschüssige zu entfernen. Es versteht sich, dass Ärzte deshalb über gediegene chemische Kenntnisse verfügen sollten.

Das Chemische Experiment 1609: Auf der Suche nach alchemistischem Gold oder dem "Stein der Weisen"

Paracelsus gab dem chemischen Experiment, das zur damaligen Zeit vorwiegend der Suche nach einem alchemistischen Gold oder dem Stein der Weisen diente, eine neue und reale Richtung. Zugleich eröffnete er der Chemie in den Apotheken eine neue Heimstatt und machte sie auch an den Universitäten als Gehilfen der Medizin ansässig. Im Jahre 1609 wurde sie erstmals in Gestalt der Iatrochemie als Lehrfach aufgenommen.

Rolfinck gehörte zu den Wegbereitern dieses neuen naturwissenschaftlich-experimentell gestützten Denkens in der Medizin und brachte seine, auf den europäischen Universitäten gesammelten Erfahrungen mit an die Universität Jena. Bei seinen experimentellen Forschungen beschäftigte er sich vor allem mit metallurgisch bedeutsamen Reaktionen. Er untersuchte Eisen, Zink, Zinn, Blei, Quecksilber, Kupfer, Antimon, Silber und Gold, erforschte auch deren iatrochemische Wirkung und führte die von den damaligen Alchimisten aufgestellte Behauptung, dass man alle Metalle in Gold verwandeln könne, ad absurdum.

Die Angst vor dem "gerolfinkt werden" senkt die Verbrechensrate

Seine iatrochemischen Erkenntnisse fasste Rolfinck 1645 in seiner Schrift "Non Entia Chymica" zusammen. 1661 erschien sein sechsbändiges Werk "Chymia in Artis formam redacta". Dieses enthielt eine zusammenfassende Darstellung des damaligen Wissens über die Chemie im Allgemeinen sowie über iatrochemisch wirksame Essenzen, Tinkturen, Salze und andere Stoffe. Rolfinck brachte seinen naturwissenschaftlich-experimentell geprägten Arbeitsstil auch auf seinen medizinischen Wirkungsgebieten, insbesondere in der Anatomie und in der Chirurgie, zur Geltung. Sichtbarer Ausdruck war in Jena die Einrichtung eines ersten "theatrum anatomicum". In dieser Stätte des öffentlichen Sezierens von Leichen führte Rolfinck neben der Autopsie auch chirurgische Operationen an hingerichteten Verbrechern durch- und vor. Ein nützlicher Nebeneffekt dieser Tätigkeit, war das spürbare Absinken der Kriminalität in Jena, denn man fürchtete in Verbrecherkreisen, nach dem Tode öffentlich "gerolfinckt", das heißt, seziert zu werden.

Rolfinck machte sich auch um die Anerkennung der von William Harvey um 1616 aufgestellten Lehre vom Blutkreislauf verdient. Außerdem bestätigte er erstmals anatomisch an einer Leiche den Sitz des grauen Stars in der Augenlinse. Schließlich bemühte er sich um die Einrichtung einer Sammlung chirurgischer Instrumente zu Lehrzwecken.

Der "hortus medicus" - der medizinische Garten in Jena

Hervorzuheben sind ebenso Rolfincks Verdienste um die Förderung der Botanik. Am 11. Juli 1631 eröffnete er in Jena einen "hortus medicus", einen Botanischen Garten. In diesem führte er mit seinen Studenten botanische Übungen durch, wobei er die Aufmerksamkeit vor allem auf die Heilkräuter richtete. Damit stellte er ein weiteres Mal seine Überzeugung von der Notwendigkeit und Nützlichkeit einer sowohl naturwissenschaftlich als auch naturkundlich fundierten Medizin und Pharmazie unter Beweis.

Rolfinck gehörte an der Universität Jena zu den führenden Gelehrten europäischen Ranges. In seiner langjährigen Wirkungszeit in Jena hatte er sechs Mal das Amt des Rektors inne.

Am 6. Mai 1673 ist der Mediziner in Jena gestorben.

Zuletzt aktualisiert: 11. Juli 2016, 00:27 Uhr