1616 Thomaskantor Johann Hermann Schein

(1586-1630)

Johann Hermann Schein wurde im Erzgebirge geboren. Als Sohn eines Pfarrers kam er am 20. Januar 1586 in Grünhain zur Welt. Nach dem frühen Tod des Vaters zog die Familie jedoch zurück nach Dresden ins elterliche Haus der Mutter, wo diese bald die musikalische Begabung des Sohnes erkannte und förderte. So war er bis 1603 Kantoreiknabe oder Diskantist in der Kurfürstlichen Kantorei. Nach dem Stimmbruch kam er zur weiteren Ausbildung nach Schulpforta.

Ein Kurfürstlich Sächsisches Kantorei-Stipendium ermöglichte dem jungen Johann Hermann ab 1608 das Studium der Rechtswissenschaften in Leipzig. Neben seinen Studien beschäftigte er sich auch mit den freien Künsten, die im Verlauf der Zeit einen immer wichtigeren Stellenwert in seinem Leben einnehmen sollten. Nach Beendigung des Studiums im Jahre 1612 war er als Hauslehrer bei Gottfried von Wolffersdorff in Weißenfels tätig. Dieser vermittelte ihm 1615 in Weimar die Stellung des Hofkapellmeisters. In die Weimarer Zeit fällt auch seine Verlobung und Verehelichung mit Sidonia, Tochter des Kurfürstlich Sächsischen Rentsekretarius Hösel.

Privat war Johann Hermann Schein kein Glück beschieden. Die Ehe mit Sidonia war mit fünf Kindern gesegnet, doch starben drei schon im frühesten Kindesalter. Nach dem Tod seiner Frau 1625 verheiratete er sich ein zweites Mal mit Elisabeth von der Perre, Tochter des Kunstmalers Johann von der Perre. Die aus dieser Ehe hervorgegangenen fünf Kinder verstarben sämtlich im Säuglingsalter, was sich im Schaffen Scheins in einer großen Anzahl an Trauergesängen niederschlug.

Seit dem Herbst 1616 war Schein schließlich Thomaskantor in Leipzig. Mit dieser Tätigkeit war zugleich eine Anstellung als städtischer Musikdirektor verbunden. Die Aufgaben des Thomaskantors waren schwierig zumal am Anfang des 17. Jahrhunderts eine allgemeine, sittliche Verwilderungen herrschten, die sich auch auf den Gesangsunterricht auswirkten, der nur geringe Wertschätzung erfuhr. Schein versuchte, Anstand und Disziplin in der Schule zu heben, vermochte aber auf Dauer die Zuchtlosigkeit nicht zu bannen.

Trotz dieser Berufsverhältnisse waren die 24 verbleibenden Jahre in Leipzig der Schwerpunkt seines Lebens und Schaffens. Zu seinem umfangreichen Schaffensrepertoire gehörten nicht nur so genannte Gelegenheitskompositionen wie Hochzeits- und Trauermusiken, geistliche Konzerte sowie geistliche und weltliche Lieder, sondern auch Gedichte, die er zum großen Teil auch selbst verlegte und veröffentlichte. Außerdem gilt er als einer der Ausbilder der Instrumentalsuite. Scheins 4-sätzige Orchestersuiten bedeuteten den Anfang selbständiger deutscher Instrumentalmusik.

Am 19. November 1630 ist der Musiker und Komponist nach langem Leiden an der Schwindsucht gestorben.

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2005, 16:14 Uhr