01. September 1882 Gründung des Konservatoriums in Sondershausen Carl Schroeder

(1848-1935)

Carl Schroeder stammte aus einer bekannten Musikerfamilie. Sein Vater Johann Christoph war seit Anfang der 1840er Jahre Stadtmusikus in Quedlinburg. 1842 heiratete er Charlotte Elisabeth Vollmer. Nicht weniger als sechs ihrer elf Söhne wurden Musiker. In Quedlinburg kam als viertes Kind der Eheleute am 18. Dezember 1848 Adolf Friedrich Carl zur Welt. Nach Cello- und Klavierunterricht trat er bereits im Alter von 15 Jahren als Solist in einem Sondershäuser Lohkonzert auf. Das Loh-Orchester wurde im 19. Jahrhundert als Institution neben dem Hoftheater gegründet und spielte jeden Sonntag im Loh-Park zusätzlich zur Hofkapelle Konzerte.Bereits im Herbst 1865 erhielt Schroeder eine Anstellung als 2. Cellist in der Fürstlichen Hofkapelle. In den folgenden Jahren war er als Solocellist an berühmten Konzertinstituten in Petersburg, Warschau und Paris tätig.

Von 1868 bis 1871 engagierte die Herzogin-Witwe von Anhalt-Bernburg in Ballenstedt den begabten jungen Künstler. Mit drei seiner Brüder unternahm er in diesem Engagement als "Gebrüder Schroeder, Herzogliches Kammerquartett" verschiedene Konzertreisen in deutsche Großstädte.

1872 kam Carl Schroeder als 2. Kapellmeister an das Krollsche Theater in Berlin. Die Tätigkeit befriedigte den 24jährigen jedoch auf lange Sicht nicht. Da seine Bemühungen um ein Direktions-Engagement erfolglos blieben, trat er 1873 als Solocellist in die Braunschweigsche Hofkapelle ein. Hier lernte er auch Anna Gerecke kennen, die er am 7. April 1875 heiratete. Kurz vorher war er der Berufung als erster Cellist an das Gewandhaus nach Leipzig gefolgt. In der Messestadt wirkte er bis 1881 gleichzeitig als Lehrer am Königlichen Konservatorium.

Am 1. Mai 1881 trat Carl Schroeder 32jährig seine Stellung als Hofkapellmeister in Sondershausen an und fasste im Herbst 1882 den Entschluss, in Sondershausen ein Konservatorium zu gründen. Da der Fürst nur unter der Bedingung zustimmte, dass dem Hof keinerlei Kosten entstehen dürften, war das "Fürstliche Konservatorium" von seiner Gründung im April 1883 bis zur Übernahme durch Adolf Schultze im Juli 1886 Privateigentum von Carl Schroeder unter dem Protektorat des regierenden Fürsten. Mit der Gründung des Konservatoriums gab Schroeder dem Musikleben der Stadt Sondershausen nicht nur eine besondere Note, sondern zog auch große Künstler als Lehrer an und lenkte damit die Aufmerksamkeit der Musikwelt auf die Kleinstadt.

Am 5. April 1883 begann der Unterricht für 39 Schüler und 15 Schülerinnen in den Räumen des "Erbprinzen" im Loh. Die von Carl Schroeder eingerichtete Dirigentenschule gilt als die erste überhaupt. Neben der Aufführung bekannter Werke förderte Schroeder auch die Darbietung von neuen Schöpfungen hiesiger Künstler. Im September 1885 ernannte der Fürst seinen Hofkapellmeister zum Professor. Ein Jahr darauf gab der so Geehrte seine Stelle in Sonderhausen auf und erhielt nach seinem Ausscheiden vom Fürsten von Schwarzburg-Sonderhausen das Fürstlich Schwarzburgische Ehrenkreuz IV. Klasse verliehen. Nach Stationen in Rotterdam, Berlin und Hamburg leitete er seit 1890 mit verdoppeltem Jahresgehalt und einer gesicherten Alterspension wiederum Hofkapelle und Konservatorium in Sondershausen.

Schroeders reiches Schaffen auf dem Gebiet der Komposition begann in Sondershausen. Seine Kompositionen op. 1-103 zeugen von einer umfangreichen kompositorischen Tätigkeit. Daneben verfasste Schröder auch theoretische Schriften.

Bevor der Hofkapellmeister zum 1. April 1907 Abschied von der Leitung der Hofkapelle und der Oper sowie dem Direktorat des Konservatoriums nahm und in den Ruhestand trat, verlieh ihm der Fürst am 14. März 1907 das Prädikat "Hofrat". Die Schüler des Konservatoriums brachten ihrem Meister am Abend des 16. März mit einem Fackelzug ihre Verehrung dar und bereiteten ihm im "Hotel Münch" eine Abschiedsfeier.

Carl Schroeder zog zunächst nach Leipzig, ging 1908 im Alter von 60 Jahren für drei Jahre nach Frankenhausen und von dort für kurze Zeit nach Dresden. Von 1911 bis 1921 lehrte Schroeder am Sternschen Konservatorium in Berlin und verlegte dann seinen Wohnsitz nach Bremen, wo seine Töchter Erda und Ruth verheiratet waren.

In dankbarer Anerkennung seiner großen Verdienste um das Musikleben ernannte der Stadtrat Schroeder an seinem 80. Geburtstag zum Ehrenbürger von Sondershausen.

Am 22. September 1935 starb Carl Schroeder im 87. Lebensjahr in Bremen. In Erinnerung an den Gründer des Konservatoriums widmete ihm die Musikstadt Sondershausen anlässlich seines 100. Geburtstages 1948 eine hölzerne Gedenktafel im Konservatorium. Eine steinerne Ehrentafel wurde 1996 geschaffen.

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2005, 16:17 Uhr