Zeitalter der Industriealisierung Friedrich Siemens - Geschichte eines Forschers

(1826-1904)

Mann mit Seitenscheitel und Rauschebart im Anzug mit Fliege
Friedrich Siemens Bildrechte: dpa

Am 8. Dezember 1826 kam Friedrich Siemens auf dem Gut Menzendorf in Mecklenburg zur Welt. Nachdem in den Jahren 1839 und 1840 die Eltern der 14 Siemensgeschwister gestorben waren, übernahm der älteste Sohn Werner die Rolle des Vaters und fühlte sich für das geistige und körperliche Wohl seiner Geschwister verantwortlich.

Lange Krankheitsphasen machten dem jungen Friedrich einen kontinuierlichen Schulbesuch unmöglich und zwangen ihn, sich schon früh selbst Wissen anzueignen. Sein Bruder Werner unterstützte ihn dabei, und förderte ihn auch nach dem Schulabschluss. Besonderen Wert legt der große Bruder auf die Festigung der Kenntnisse in Physik und Französisch. Auch er hatte sich sein Wissen selbst angeeignet. Genau wie sein Bruder konnte er sich aus Geldmangel kein Studium leisten. Aber nicht nur das Training geistiger Attribute war wichtig, deshalb entschloss sich der Heranwachsende Friedrich spontan für einige Zeit als Matrose auf Handelsschiffen anzuheuern, um sich körperlich zu kräftigen.

Friedrich Siemens Forscherlaufbahn beginnt bei seinen Brüdern

Zeigertelegraph
Elektromagnetischer Zeigertelegraph mit Schrittschaltwerk von Siemens & Halske, 1847 Bildrechte: dpa

Seine Forschungslaufbahn begann wenig später im Ausland. Im Jahr 1848 zog Friedrich Siemens nach London zu seinen Brüdern Werner und Wilhelm, die dort seit mehreren Jahren mit ihrem Familienunternehmen "Siemens & Halske", dem Vorläufer des Siemens-Konzerns, physikalische Forschungen betrieben. Seit einem Jahr stellten die Siemens-Brüder, zusammen mit dem fähigen Mechaniker Halske, Telegraphenapparate her und zogen bald die erste elektrische Telegraphenlinie von Berlin nach Frankfurt. Anfangs bemühte sich Friedrich dort um den Verkauf von Telegraphenapparaten. Doch der Job des Verkäufers lag ihm nicht. Daher begann er seinem Bruder bei der Konstruktion neuer Dampfmaschinen bei der Firma Fox & Henderson zu helfen. Mehr und mehr wuchs ein Interesse für die Wärmetechnik, auf welche er seine Forschungen von nun an konzentrierte.

Das Prinzip des Regenerativofens mit Gasfeuerung entdeckte er schließlich mit Hilfe der von Stirling entwickelten Wärmekraftmaschinen. Siemens kam als Erster auf die Idee, diese Technik auf Industrieöfen zu übertragen. Im Jahr 1858 erhielt er ein sächsisches Patent auf den Ofen. Bald kam seine Neuentwicklung nicht nur in der Glasindustrie sondern auch in die Schmelzöfen der Metallindustrie zum Einsatz.

Eigene Forschung in eigener Fabrik

Friedrich Siemens trennte sich vom Weltgeschäft des Telegraphenbaus seiner Brüder, das inzwischen Filialen in Deutschland, Frankreich, Polen und Russland hatte und trug sich mit dem Gedanken, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Im Juli 1867 übernahm er die Glasfabrik seines verstorbenen Bruders Hans von Siemens in Dresden-Löbau. Endlich konnte der Autodidakt seine Forschungen in der eigenen Fabrik erproben. Mit der Umstellung der Produktion von Tafelglas auf Flaschenproduktion trieb er die Massenproduktion von Glas innerhalb weniger Jahre enorm schnell voran und konnte schon wenig später eine zweite Fabrik im sächsischen Döhlen erwerben.

Produktionsprämien für Arbeiter

Siemens erschloss nicht nur als erster die Gasheizung für Wohnräume, er konstruierte auch einen Ofen speziell zur Verbrennung von Leichen und Kadavern. Dieser Ofen ermöglichte eine rauch- und geruchsfreie Einäscherung durch die Zufuhr von erhitzter Luft. Außerdem lag ihm daran, erträglichere Existenzbedingungen für seine Arbeiter zu schaffen. Er verbesserte die Produktionsbedingungen und belohnte gute Arbeitsleistung mit Produktionsprämien. Im Jahr 1888 ließ der 62-jährige Unternehmer sämtliche Betriebe in "Aktiengesellschaften für Glasindustrie" umwandeln, um mehr Zeit und Ruhe für seine wissenschaftliche Arbeit zu finden.

Bis 1901 bekleidete Friedrich Siemens eine Führungsposition im Aufsichtsrat. Hauptsächlich widmete er sich aber bis zu seinem Tod am 24. Mai 1904 seinen Forschungen zur Weiterentwicklung des Regenerativofens.

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2005, 16:25 Uhr