1849: "Der kleine Hävelmann" Theodor Storm

(1817-1888)

Ein Foto mit dem Porträt des Dichters Theodor Storm hängt in Husum im Archiv des Theodor-Storm-Hauses.
Theodor Storm im 40. Lebensjahr (Ölgemälde von N. Sunde, 1857 ) Bildrechte: dpa

Theodor Storm stammte aus Husum. Hier kam er am 14. September 1817 auf die Welt. An der Küste wuchs er auf, hier starb er auch. Nur einige Male während seines Lebens musste er seiner Heimat für längere Zeit den Rücken kehren, so von 1837 bis 1842 für das Studium in Kiel und Berlin. Und dann von 1856 bis 1864, als Storm mit seiner Familie in Heiligenstadt im thüringischen Eichsfeld lebte.

Storm war wegen seines politischen Engagements in der Schleswig-Holstein-Frage seines Amtes als Anwalt enthoben worden und musste seine Heimat verlassen. Über die Zwischenstation Potsdam kam er im August 1856 nach Heiligenstadt. Sein Bruder Otto betrieb in der Stadt eine Gärtnerei. Dies mag den gelernten Juristen Storm bewogen haben, die ausgeschriebene Stelle eines Kreisrichters anzunehmen.

Acht Jahre lebte und arbeitete Storm in Heiligenstadt. 1864, nachdem Preußen den deutsch-dänischen Krieg hatte für sich entscheiden können, kehrte Storm in seine Heimat zurück. Er wurde in Husum Landvogt, 1867 Amtsrichter, 1879 schließlich Amtsgerichtsrat. Am 4. Juli 1888 starb Theodor Storm in Hademarschen bei Husum.

Der Schriftsteller hat sich mit seiner Familie in Heiligenstadt wohl gefühlt und auch literarisch war die Zeit in Thüringen produktiv. Zwischen 1857 und 1864 erschienen unter anderem die Novellen "Auf dem Staatshof", "Veronika" und "Auf der Universität". Und die Heiligenstädter selber schätzen ihren Storm ebenfalls und sind stolz auf "ihren" Dichter. Der kleine "Häwelmann" und die "Regentrude" fehlen in keinem Deutschunterricht der Theodor-Storm-Schule. Eine nach Storm benannte Straße gibt es in der thüringischen Stadt und seit 1988 auch ein Literaturmuseum.

Oft unternahm der begeisterte Wanderer Storm Ausflüge mit seinen Kindern zur nahe gelegenen Burg Hanstein. Ein Besuch der "Teufelskanzel" schlug sich in der Novelle "Die Malerarbeit" nieder. Die Heiligenstädter Bürgern rechneten es ihm hoch an, dass er 1859 den Gesangsverein das "Liederkränzchen" gründete und trotz seiner vielen Kinder Zeit fand, den Chor zu leiten und ab und an am Klavier zu spielen. Als Storm nach acht Jahren dem Eichsfeld den Rücken kehrte, schrieb er: "...mir ist, als schiede ich von einer zweiten Heimat."

Ende Juni bzw. Anfang Juli gedenken die rund 17.000 Einwohner Heiligenstadts "ihrem" Literaten während der "Stormtage". Vor dem Museum errichtete man ihm zu Ehren ein Denkmal - nun steht der Dichter überlebensgroß im Frack, mit dem Buch in der linken Hand, die andere lässig in der Hosentasche da und scheint die Spaziergänger zum Gespräch einzuladen.

Im Jahre 1873 entstand in Heiligenstadt das Gedicht "Verloren"

Was Holdes liegt mir in dem Sinn,
Das ich vor Zeit einmal besessen;
Ich weiß nicht, wo es kommen hin,
Auch was es war, ist mir vergessen.
Vielleicht am fernen Waldesrand,
Wo ich im lichten Junimorgen
- die Kinder klein und klein die Sorgen.
Mit dir gesessen Hand in Hand,
Indes vom Fels die Quelle tropfte,
Die Amsel schallend schlug im Grund,
Mein Herz in gleichen Schlägen klopfte,
Und glücklich lächelnd schwieg dein Mund;
In grünen Schatten lag der Ort
Wenn nur der weite Raum nicht trennte,
Wenn ich nur dort hinüber könnte,
Wer weiß! -vielleicht noch fänd' ich' s dort.

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2005, 16:28 Uhr