1684: Komödiant am sächsischen Hofe Johann Velten

(1640-1697)

Johann Velten kam am 27. Dezember 1640 in Halle an der Saale als drittes Kind eines Halleschen Kaufmanns zur Welt. Sein Vater genoss hohes Ansehen in der Stadt, war dreimal verheiratet und hatte dreizehn Kinder. Auf die umfassende geistige Ausbildung des kleinen Johann legte der Vater großen Wert. Zunächst übergab er ihn den Magistern Reising und Keller zur Erziehung, dann übernahm der Pastor Barchius Hardt, ein Schwager Veltens, diese Aufgabe. 1657 begann Johann ein theologisches Studium in Wittenberg. Kurze Zeit später jedoch wandte er sich stärker philosophischen Studien zu. Nach seinem Wechsel an die Universität Leipzig promovierte er dort im Februar 1661 zum Magister und Baccalaureus.

Über seine nächsten Lebensjahre ist wenig bekannt. Fest steht, dass er nach seinem Studium die Liebe zur Schauspielerei entdeckte und sich Anfang der 70er Jahre des 17. Jahrhunderts der Schauspieltruppe um den Hamburger Carl Andreas Paulsen anschloss, dessen Tochter er kurz zuvor geheiratet hatte. Die Wandertruppe gab Gastspiele im gesamten deutschen Raum und Teilen Skandinaviens. 1678 trennte sich Velten von seinem Schwiegervater und baute mit seiner Frau eine eigene Truppe auf, die kurz darauf erstmals an den Dresdner Hof berufen wurde. Hier verlieh man Johann Veltens "Bande" den Namen "Kursächsische Hofkomödianten". Regelmäßige Auftritte hatte die Truppe in Frankfurt am Main, Leipzig, Nürnberg und sogar vor dem Kaiser Leopold I. in Worms.

1684 stellte der sächsische Kurfürst Johann Georg III. Veltens Truppe fest ein. Wenn sich der sächsische Adel zur Karnevalszeit in Torgau zusammenfand, war Velten immer mit dabei. Zu seiner Truppe gehörten neben seiner Frau Marie Elisabeth und der um 1673 geborenen gemeinsamen Tochter die hervorragenden Schauspieler Christian Starke, Gottfried Salzhueter, der Komödiant Christian Janetzky und die für ihre Schönheit gerühmte Sara von Boxberg. Anfangs führte Velten vor allem Stücke englischer Komödianten auf. Später erweiterte er das Repertoire um italienische, deutsche und französische Stoffe. Die Komödien Molieres, von denen er allein zehn zur Aufführung brachte, hatten es ihm besonders angetan. Wegen seiner akademischen Vorbildung und seiner guten Sprachkenntnisse in Spanisch, Französisch und Englisch war Velten einer der gebildetsten Theaterprinzipale seiner Zeit. Er verstand es, die Stoffe so zu verarbeiten, dass daraus neue Stücke entstanden, die aber ihren Ursprung nicht verleugneten. Auch beim einfachen Volk waren seine Vorstellungen beliebt.

Als sein Förderer Johann Georg III. 1691 starb, entließ dessen Nachfolger Johann Georg IV. alle Komödianten des Hofes. Er liebte die Oper und sah die Schauspielerei als mindere Kunst an. Velten ging nach Hamburg. Allerdings war in der Hansestadt der Widerstand der Kirche gegen das Theater in den letzten Jahren beständig gewachsen. Man sah im Theater einen Hort der Blasphemie.

Schwer erkrankt, verweigerte man dem Sterbenden dort sogar das Abendmahl. Johann Velten verstarb am 8. April 1697 wahrscheinlich in Hamburg.

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2005, 16:33 Uhr