25. Dezember 1758 - Halleyscher Komet Johann Georg Palitzsch: Ein gelehrter Bauer

(1723-1788)

Am 11. Juni 1723 in Prohlis, heute Dresden, auf einem kleinen Gut geboren, blieb dem jungen Johann Georg Palitzsch unter dem strengen Regime seines Stiefvaters nur wenig Freizeit. In dieser knapp bemessenen Zeit beschäftigte er sich im Selbststudium mit den Naturwissenschaften. Als Anleitung nutzte er das Buch "Vorhof der Sternwissenschaft" von Christian Pescheck. Das Buch befasst sich mit den Geheimnissen der Astronomie. Nach dem Tod seines Stiefvaters gestaltete Palitzsch sein Leben freier: Er verkauft landwirtschaftliche Erzeugnisse seines Hofes und finanziert sich so seinen Unterricht am Mathematischen Salon in Dresden.

Palitzsch sieht den Halleyschen Kometen

Die zeitgenössische Abbildung zeigt den deutschen Bauern, Astronomen und vielseitigen Naturwissenschaftler Johann Georg Palitzsch (1723-1788) umgeben von Getreide und astronomischen Geräten.
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1758 erlangte der damals 35-Jährige europaweit Berühmtheit: Es gelang ihm als Erstem, den Halleyschen Kometen, dessen Wiederkehr Edward Halley 1705 vorausgesagt hatte, im Sternbild der Fische zu erblicken. Durch die Wiederentdeckung gewann Palitzsch das Wohlwollen seiner Landesherren. Fortan unterrichtete er den jungen Kurfürsten Friedrich August III. in Astronomie und diente ihm als Berater. Im Gegenzug erwirkte der Kurfürst für den gelehrten Bauern die Mitgliedschaft an der "Leipziger ökonomischen Societät".

Nicht nur auf dem Gebiet der Astronomie erwies sich Palitzsch als ernstzunehmender Wissenschaftler. Nachdem er sich Kenntnisse in Mikroskopie angeeignet hatte, knüpfte er an die Forschungen des Holländers Antoni van Leeuwenhoek an, der sich den Kleinlebewesen im Süßwasser widmete. Ausgestattet mit einfachsten technischen Mitteln gelang Palitzsch die Entdeckung der Süßwasserpolypen, deren Lebensgewohnheiten er studierte.

Astrophysik und Botanikstudien

Auch in der Astrophysik gelangte der sächsische Bauer zu bemerkenswerten Erkenntnissen. In dem Lichtwechsel des Sternes Algol entdeckte er eine Regelmäßigkeit. Die Tatsache, dass diese bereits entdeckt worden war, spricht für den Forschergeist Palitzsch’. Ihm waren die betreffenden Untersuchungen zum periodischen Lichtwechsel unbekannt.

Natürlich bestimmte auch Palitzsch’ bäuerliche Herkunft seine Forschungen. Beeinflusst von den Arbeiten des schwedischen Naturforschers Carl von Linné richtete er sich einen Garten ein, in dem er fremdländische Gewächse zog und studierte. Durch seine botanischen Studien erkannte Palitzsch den Wert der Kartoffel als Nahrungsmittel und setzte deren Anbau gegen den Widerstand aus Dresden durch. Der Bevölkerung konnte diese nun als preiswerte Nutzpflanze angeboten werden.

Als Sachkundiger auf dem Gebiet der Naturwissenschaften und ihrer praktischen Anwendung holte man sich bei Palitzsch gerne Rat ein. Allerdings stand er seinen Besuchern nur am frühen Morgen und abends zur Verfügung. Tagsüber arbeitete er mit den anderen Bauern auf dem Feld. Wie diese, war auch er gezwungen, Frondienst zu leisten. Obwohl ihm der Kurfürst die Befreiung davon anbot, lehnte er ab. Erst wenn die Last der Fronarbeit von seinem ganzen Stand genommen werde, so Palitzsch, wolle auch er den Dienst niederlegen.

Ungewöhnliches Bauernerbe: Große Bibliothek

Johann Georg Palitzsch starb am 21. Februar 1788 in Leubnitz, heute Dresden. Der "gelehrte Bauer" hinterließ bei seinem Tod eine Bibliothek von 3.518 Bänden. Darunter befanden sich viele Abschriften wissenschaftlicher Werke, die Palitzsch selbst vorgenommen hatte, da die Originale für ihn unerschwinglich waren. 1877 ließ die Stadt Dresden unweit seines ehemaligen Gutes ein Denkmal für ihn errichten.

Palitzsch, der heute zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist, blieb sein Leben lang Angehöriger seines Standes. Zugleich stellt er mit seinem Drang nach Erkenntnis, seinen autodidaktischen Studien und seinen Veröffentlichungen in anerkannten Fachzeitschriften einen Vertreter der aufgeklärten Bevölkerung dar. Seine Forschungen, die er akribisch neben seiner Feldarbeit betrieb, strafen das Klischee des "dummen Bauern" Lügen.

Eine Aufnahme des Kometen Halley.
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Zuletzt aktualisiert: 21. Dezember 2016, 12:30 Uhr