Goethe und Schiller Denkmal in der Kulturstadt Weimar
Bildrechte: IMAGO

Frauengeschichten Goethe und die Damen seines Herzens

Hoch auf dem Sockel steht der Dichterfürst zusammen mit Schiller vor dem Weimarer Nationaltheater. Goethes amouröse Verwicklungen ziehen sich durch sein Leben und etliche fließen in sein literarisches Werk ein - aber wer waren eigentlich seine Herzdamen"?

Goethe und Schiller Denkmal in der Kulturstadt Weimar
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Johann Wolfgang von Goethe ist bekannt als Universalgenie. Er war gleichermaßen Dichter, Schriftsteller, Kunstkritiker, Philosoph, Naturwissenschaftler, Jurist und Staatsmann. Er wurde in wohlhabenden Verhältnissen in Frankfurt am Main geboren und studierte auf Wunsch seines Vaters Rechtswissenschaft in Leipzig. Weitere Studienstationen waren Frankfurt und Straßburg. Zurück in Frankfurt, eröffnet er eine Kanzlei, mit der er nicht sehr erfolgreich war.

Bedeutend für ihn war vielmehr der Besuch des Herzogs Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach, der ihn 1775 in die kleine Residenz an der Ilm einlud. Dort angekommen, wurde Goethe in viele Regierungsämter eingespannt, war faktisch "Ministerpräsident". Eine besondere Bedeutung hatte seine Bekanntschaft mit Charlotte von Stein, mit der ihn eine platonische Liebe verbunden haben soll. Eine neue Theorie stellte jüngst allerdings der in Weimar lebende Jurist Ettore Ghibellino auf, wonach nicht die kühle Hofdame Charlotte von Stein, sondern die kunstsinnige Herzogin Anna Amalia die Dame seines Herzens gewesen sei. Amalia soll Ghibellino zufolge der Hauptgrund gewesen sein, der Goethe 51 Jahre an Weimar band. Denn dessen politische Karriere in der Residenz verlief wenig erfolgreich. Er zog die Konsequenz: 1786 floh er nach Italien, lebte zwei Jahre frei und ungebunden, genoss den Süden und die Kunst. 1788 setzte Goethe sich wieder den Weimarer Zwängen aus. Nach seiner Rückkehr lernte er Christiane Vulpius kennen. Die Bürgerliche wurde seine Geliebte: Eine Arbeiterin und Goethe - die Weimarer Gesellschaft war schockiert. Erst nach 18 Jahren des Zusammenlebens heiratete Goethe Christiane Vulpius schließlich, im Jahr 1806.

Anna Katherina Käthchen Schönkopf 1746-1810

gezeichnetes Frauenporträt: direkter, ernster Blick zum Betrachter. Hochgeschlossenes Kleid, hochgesteckte Haare mit Schleife.
Anna Katharina, genannt Kätchen, Schönkopf Bildrechte: dpa

Käthchen Schönkopf war Goethes erste Liebe. Er lernte sie 1766 während seiner Leipziger Studentenzeit kennen; im Wirtshaus des Zinngießers Christian Gottlieb Schönkopf, wo er täglich zu Mittag aß. Monatelang kämpfte er um ihre Zuneigung, bis sie ihn endlich erhörte. Goethe schreibt davon in seinen "Annettenliedern".

Doch über dieser Liebe lag von Anfang an ein Schatten: Der Standesunterschied schloss eine feste Bindung aus. Goethes Vater, der Kaiserliche Rat Johann Caspar Goethe hätte eine Gastwirtstochter niemals als Schwiegertochter akzeptiert. Aber auch Käthchens Eltern waren von der Verbindung nicht angetan: Sie wollten ihre Tochter nämlich möglichst bald verheiraten, immerhin war sie schon 19 und damit drei Jahre älter als Goethe. Tatsächlich heiratete Käthchen wenig später einen anderen und Goethe verließ Leipzig. Der "Verlassene" erlitt einen seelischen und körperlichen Zusammenbruch.

Friederike Brion (1752-1813)

Zeichnung: Mädchengesicht mit langen Zöpfen, und Kopftuch und Halskette
Friedericke Brion Bildrechte: dpa

Während seines Jurastudiums in Straßburg lernte Goethe die Pfarrerstochter Friederike Brion kennen. Zwischen beiden entflammte sofort eine heftige Liebe, die den Dichter zu den "Sesenheimer Liedern" inspirierte, einer empfindsamen Lyrik, wie es sie in Deutschland bislang noch nicht gegeben hatte. Doch die Beziehung zwischen Goethe und Friederike Brion dauerte nur etwa ein Jahr. 1771 kehrte Goethe nach Frankfurt zurück. Er verließ Friederike mit schlechtem Gewissen. Die junge Frau litt noch lange unter der verlorenen Liebe.

Charlotte Buff (1753-1828)

Gemälde zeigt Frauenporträt - lange, hochgetürmte blonde Haare, rotes Kleid, tiefer Ausschnit
Charlotte Buff Bildrechte: dpa

Im Sommer 1772 verliebte sich Goethe in die 23-jährige Charlotte Buff. Eine unmögliche Liebe, denn die Auserwählte war längst einem anderen Mann versprochen. Trotzdem umwarb Goethe sie stürmisch, errang am Ende sogar einen Kuss, jedoch nicht ihre Hand. Charlotte wurde durch Goethe unsterblich: Sie gab der "Lotte" in Goethes "Die Leiden des jungen Werthers" den Namen. Die Erstausgabe erschien im Herbst 1774 zur Leipziger Buchmesse. Aus dem Briefroman wurde ein Bestseller und nach dem "Götz von Berlichingen" der zweite große Erfolg für den jungen Dichter.

Anna Elisabeth "Lili" Schönemann (1758-1817)

Porträt einer lächelnden Frau mit Locken und tiefem Decollete
Lili Schoenemann Bildrechte: dpa

"Lili" Schönemann war Goethes einzige Verlobte und das auch nur für einen Sommer im Jahr 1775. Die Tochter einer wohlhabenden Frankfurter Bankiersfamilie war 16, als sie Goethe bei einem von ihren Eltern veranstalteten Hauskonzert das erste Mal begegnete. Goethe kam von da an häufiger zu Besuch ins Haus Schönemann und zwischen ihm und Lili entwickelte sich eine Beziehung. Schon bald tauchten aber erste Probleme auf: Goethe fühlte sich unwohl in Lilis Kreisen. Deren Familie wiederum erhoffte sich eine bessere Partie für die Tochter. Nach wenigen Monaten löste Goethe die Verlobung und verließ Hals über Kopf die Stadt Frankfurt.

Anna Amalia, Herzogin von Sachsen - Weimar- Eisenach (1739-1807)

Portrait von Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbüttel, Herzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach
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Die Herzogstochter und Nichte Friedrichs des Großen heiratete als Sechzehnjährige den zwei Jahre älteren Herzog Ernst August Konstantin von Sachsen-Weimar und gebar ihm zwei Söhne. Als ihr Mann nach drei Jahren starb, verwaltete Anna Amalia die Regentschaft für ihren unmündigen Sohn. In die Geschichtsbücher ging sie ein als menschliche und sehr kunstsinnige Regentin, die ihr Herzogtum mit einigem wirtschaftlichem Geschick lenkte.

Nben ihren vielen offiziellen Pflichten pflegte Anna Amalia die Künste; sie nahm Klavierunterricht, begründete das deutsche Schauspiel in Weimar und kann auch als eigentliche Initiatorin der Weimarer Museen bezeichnet werden. Sie sammelte einen Kreis wichtiger Musiker und Dichter wie Herder, Wieland und Goethe um sich.

Charlotte von Stein (1742-1827)

Frauenporträt im Seitenprofil, große schwere blonde Locken umrahmen das Gesicht. Die Frau blickt ernst.
Charlotte von Stein Bildrechte: dpa

Sie war eine Hofdame der Herzogin Anna Amalia. Im Jahr 1764 hatte sie den herzoglichen Oberstallmeister Friedrich Freiherr von Stein geheiratet. Im Jahr 1775 lernte sie Goethe kennen. Der junge leidenschaftliche Nachwuchsdichter soll sich in die kühle Frau verliebt haben. Nach ihrem Bild gestaltete er seine Figuren Iphigenie und Eleonore. Mit Rücksicht auf Charlottes Ehe und die Regeln des Anstandes sollen die beiden nie über eine platonische Beziehung hinausgegangen sein. Die wiederum erkaltete völlig nach Goethes Italienreise und nachdem er eine Verbindung mit Christiane Vulpius einging.

Christiane Vulpius (1765-1816)

Das zeitgenössische Porträt zeigt Christiane von Goethe, geborene Vulpius, Ehefrau von Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), mit ihrem Sohn August.
Christiane von Goethe, geborene Vulpius, mit Sohn August. Bildrechte: dpa

Christiane Vulpius kam aus ärmlichen Verhältnissen, sie arbeitete als Putzmacherin in einer kleinen Weimarer Hutmanufaktur. 1788 lernte sie Goethe kennen, als sie ihm eine Bittschrift für ihren Bruder überreichte. Zwischen Goethe und Christiane entwickelte sich rasch ein Liebesverhältnis. Bereits 1789 wurde Sohn August geboren, das erste von fünf Kindern und das einzige, das überleben sollte. Goethe nahm die junge Frau in sein Haus auf. Der Weimarer Hof und die Gesellschaft lehnten die unstandesgemäße Verbindung ab, so dass sich ihr Lebensbereich vollständig auf das Haus beschränkte. Dies änderte sich erst langsam nach ihrer Heirat 1806 - 18 Jahre nach dem Kennenlernen.

Zuletzt aktualisiert: 28. August 2017, 11:13 Uhr