Die Spur der Ahnen, Akte Odessa  - Verschleppt von Stalins Schergen
Kurt Wagner wurde 1938 durch Stalins Geheimdienst GPU in Odessa verhaftet. Bildrechte: MDR/Die Spur der Ahnen

Die Spur der Ahnen | 03.02.2016 Verschleppt von Stalins Schergen

Die Spur der Ahnen - Ein Film von Wilhelm Domke-Schulz

Der überzeugte Kommunist Kurt Wagner packt Anfang der 1930er-Jahre seine Sachen und reist mit Familie ins "Arbeiterparadies" Sowjetunion. Er findet Arbeit, alles ist in bester Ordnung, bis er im Juni 1938 von Stalins Geheimdienst GPU verhaftet wird. Was damals geschehen ist, wollen heute seine Enkelinnen Heidemarie und Karin herausfinden.

Die Spur der Ahnen, Akte Odessa  - Verschleppt von Stalins Schergen
Kurt Wagner wurde 1938 durch Stalins Geheimdienst GPU in Odessa verhaftet. Bildrechte: MDR/Die Spur der Ahnen

Gisela Wagner, geboren in Quedlinburg, ist 14 Jahre alt, als ihr Vater im Sommer 1938 als "westlicher Spion" von Stalins Geheimdienst GPU in ihrer Wohnung in Odessa verhaftet wird. Ein deutscher Spion sei er gewesen, erfährt Giselas Mutter später von der sowjetischen Staatssicherheit. Man habe ihn nach Sibirien gebracht. Dann übergibt man der Mutter ein Bündel mit Kurt Wagners blutverschmierter Wäsche. Seit diesen Tagen im Sommer 1938 ist Kurt Wagner spurlos verschwunden.

Das Tagebuch der Großmutter

Die Spur der Ahnen, Akte Odessa - Verschleppt von Stalins Schergen
Karin und Heidemarie wollen das Schicksahl ihres Großvaters aufklären. Bildrechte: MDR/Die Spur der Ahnen

Gisela Wagner hat die Geschichte ihres Vaters in ihrem Tagebuch aufgeschrieben. Eine Geschichte, die sie bis zu ihrem Tod vor fünf Jahren nie losgelassen hat. Jahrzehnte nach Kurt Wagners Verhaftung wollen Giselas Tochter Heidemarie und ihre Cousine Karin der Geschichte ihres Großvaters auf den Grund gehen.

Was wurde aus Kurt Wagner? War er tatsächlich ein deutscher Spion in der UdSSR? Oder wurde er ein Opfer der von Stalin persönlich angeordneten "politischen Säuberungen", bei denen zwischen 1937 und 1938 über anderthalb Millionen Menschen ums Leben kamen? 

Die Reise führt von Oschatz nach Odessa

Die Spur der Ahnen, Akte Odessa - Verschleppt von Stalins Schergen
Was geschah nach der Verhaftung durch den GPU? Bildrechte: MDR/Die Spur der Ahnen

Mit den Informationen aus Giselas Tagebuch beginnt eine Spurensuche, die die beiden Frauen vom sächsischen Oschatz über Berlin bis nach Odessa führen wird - in die Stadt, in die einst auch Kurt Wagner voller Hoffnungen gezogen ist. Damals, Anfang der 1930er-Jahre, als in Deutschland Massenarbeitslosigkeit herrschte, hatte der überzeugte Kommunist Kurt seine Sachen gepackt und war mit seiner Familie in die Sowjetunion, das Land seiner Träume, gereist.

In Odessa arbeitete er als deutscher Spezialist in der örtlichen Traktorenfabrik, wurde dort sogar einer der besten Mitarbeiter. Alles war in bester Ordnung - bis zu jenem Tag im Juni 1938, als Beamte des Geheimdienstes sein Haus stürmten und ihn verhafteten. 

"Was wurde aus unserem Großvater?"

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Das Tagebuch der Mutter Bildrechte: MDR/Die Spur der Ahnen

Heidemarie und Karin werden auf dieser Reise viel über ihren Großvater herausfinden. In Odessa kommen sie ihm besonders nahe, sie reisen an die Orte, an denen er laut der Tagebuchaufzeichnungen seine glücklichste Zeit erlebte. Und sie reisen an die Orte, an denen sein Albtraum begann. Am Ende finden sie im städtischen Archiv eine Akte, die der Geheimdienst über Kurt Wagner anfertigte.

Aber finden sie nach so vielen Jahren endlich die Antwort auf die Frage, die sie ihr Leben lang begleitet hat: "Was wurde aus unserem Großvater?"

Zuletzt aktualisiert: 04. Februar 2016, 12:27 Uhr